Alumni kommen zu Wort

Seit der Einführung des bi-nationalen Masterstudiengangs – „Geschichte und Soziologie/Anthropologie des Vorderen Orients in globaler Perspektive“ – im Jahre 2012, blickt der Lehrstuhl für Geschichte Westasiens mit Freuden auf mittlerweile fünf Jahrgänge von Alumni zurück.

Die Lebensläufe unserer Absolventen und Absolventinnen sind ganz verschieden und so finden wir es immer spannend, zu hören, was aus ihnen geworden ist. Auf dieser Seite kommen einige von ihnen zu Wort und wir freuen uns natürlich auf zahlreiche weitere interessante Geschichten.

Statements unserer Alumni

Lennard: Mitarbeiter der Agentur für Arbeit und zuständig für die Integration von Asylbewerbern und Asylbewerberinnen

„Ich war in der 1. MESH-Kohorte. Ich empfand die Zeit im Libanon als sehr prägend, auch weil ich verschiedenste politische Akteure vor Ort treffen und mit ihnen über Politik und Gesellschaft diskutierten konnte. Meine Masterarbeit habe ich zum Thema Wahlen und Wahlrecht im Libanon geschrieben. Derzeit habe ich eine unbefristete Stelle bei der Agentur für Arbeit und bin dort vor allem für die Integration und AsylbewerberInnen in den Arbeitsmarkt zuständig. Unter anderem arbeite ich diesbezüglich auch in Sprachkursprojekten in Kooperation mit freien Bildungsträgern zusammen. Gemeinsam mit einem Streetworker erarbeite ich derzeit freiberuflich eine Fortbildungsreihe zum Thema „Salafismus als Jugendkultur in Deutschland“. Eine Promotion strebe ich im Moment nicht an.“

„Der Vorteil an dem interdisziplinären Master sind die verschiedenen Blickwinkel, mit denen die Region betrachtet wird. Die Geschichtswissenschaften und die Soziologe ergänzen sich in diesem Studiengang perfekt und bilden eine spannende Grundlage zum wissenschaftlichen Arbeiten. Durch das Auslandssemester in Beirut bieten sich so dem gesamten Jahrgang die Möglichkeit auch direkt mit der Region in Kontakt zu kommen und die erlernten Sprachkenntnisse anzuwenden und zu vertiefen.“

Anne: Quereinsteigerin in der sozialen Beratung von Geflüchteten

"2016 begann ich als Quereinsteigerin in der sozialen Beratung von Geflüchteten und bin mittlerweile in einem Projekt tätig, welches sich der fairen Integration von Menschen mit Fluchthintergrund in den deutschen Arbeitsmarkt widmet. Der Einstieg in dieses Berufsfeld wurde mir ermöglicht durch meine Kenntnisse der arabischen Sprache, die während Auslandsaufenthalten im Libanon erworbene interkulturelle Kompetenz sowie mein historisches, gesellschaftliches und politisches Wissen über den Nahen Osten. All diese Kompetenzen konnte ich durch den Master "Geschichte und Soziologie/Anthropologie des Vorderen Orients in globaler Perspektive" immens vertiefen - mit einem MA-Abschluss in Geschichtswissenschaft allein, wie ich ihn vor Aufbau des MESH-Studienganges an der Universität Erfurt anstrebte, wäre mir diese berufliche Laufbahn kaum gelungen."

Robert: Migrationsberater für erwachsene Zuwanderer

„Nach dem Master-Abschluss war ich an der Universität Erfurt tätig, bevor ich im Januar 2016 in die Flüchtlingssozialberatung gewechselt bin. Mittlerweile bin ich in der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer tätig. Der interdisziplinäre Ansatz des MESH-Studiengangs und die darin vermittelten interkulturellen und sprachlichen Kompetenzen sind für meine jetzige Tätigkeit ungeheuer wertvoll und haben mir als Quereinsteiger den Zugang in dieses Arbeitsfeld ermöglicht.“

Hanaa: Mitarbeiterin beim Ethnic Communities Council of Victoria in Australien

Eine Frau

„Der MESH Studiengang war für mich vor allem auf Grund des Semesters im Libanon von großer Bedeutung. Der direkte Kontakt mit der Region und die daraus folgenden Erfahrungen, Erkenntnisse und Beziehungen sind für mich von unschätzbarem Wert gewesen und haben meine Leidenschaft für die Region an sich mit ihrer großen Vielfalt verstärkt. Aus meiner Zeit im Libanon und dem Studium in Erfurt ist zudem eine Verantwortung für einen respektvollen kulturellen Austausch entstanden, welcher bis jetzt ein fester Bestandteil meines beruflichen und privaten Lebens ist.“

„Nachdem ich mein Studium in Erfurt beendet habe, habe ich eine Stelle in der Flüchtlingsberatungstelle in Gummersbach (Diakonie) erhalten. Während dieser Zeit habe ich vor allem auf Grund meiner Arabisch Sprachkenntnisse verstärkt mit Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak gearbeitet.

Aus persönlichen Gründen bin ich vor fast zwei Jahren nach Australien umgezogen. Ich lebe derzeitig in Melbourne, wo ich auch weiterhin mich für Flüchtlinge über das ,,Asylum Seeker Resource Centre’’ engagiere. Zudem habe ich vor einigen Wochen meine neue Stelle beim ,,Ethnic Communties Council of Victoria’’(ECCV) begonnen. Mit meiner neuen Aufgabe setzte ich mich für mehr Engagement und Beteiligung der multikulturellen Gemeinschaft im Bundesstaat Victoria ein.“

Philipp: Consultant für einen weltweit agierenden IT-Dienstleister

"Ich gehöre zur 3. MESH-Generation. Die Zeit im Libanon empfand ich am Anfang als schwierig, konnte mich jedoch dank der Unterstützung durch Frau Albrecht und Frau Meersteiner und der Verantwortlichen vor Ort relativ schnell einleben und zurechtfinden. Ich konnte sehr viele bereichernde Erfahrungen sammeln, die mich persönlich prägten. Meine Masterarbeit schrieb ich zum osmanisch-deutschen Bündnis im 1. Weltkrieg. Derzeit arbeite ich als Consultant für einen weltweit agierenden IT-Dienstleister. Einer meiner Schwerpunkte ist dort unter anderem die Kommunikation mit internationalen Kunden, worauf mich der Studiengang besonders gut vorbereitet hat.“

Marei: Jugendbildungsreferentin in Köln

„Ich gehöre zur 3. MESH-Generation und habe gute Erinnerungen an die Zeit meines Studiums in Erfurt und in Beirut. Wissenschaftliches Arbeiten macht mir Freude und das Studium gab mir die Möglichkeit, mich in meinen Interessensgebieten zu entfalten. Meine Masterarbeit trägt den Titel „Tahrirplatz in Köln“? und setzt sich mit der Aneignung des öffentlichen Raums durch sexualisierte Gewalt als Mittel der Reproduktion von Männlichkeit in Kairo und Köln auseinander. Derzeit arbeite ich als Jugendbildungsreferentin in Köln, wo ich internationale Projekte für und mit Jugendlichen durchführe und außerdem bis 2020 die Projektleitung für ein Modellprojekt zum interreligiösen Dialog innehabe.“

Felix: Projektmitarbeiter für einen freien Bildungsträger

„Ich gehöre zur 3. MESH-Kohorte. Wir waren der erste Jahrgang, der an der USEK studierte. Am Anfang war es schwierig, sich zurechtzufinden, da MESH noch nicht etabliert war. Wir wurden jedoch schnell herzlich aufgenommen und konnten an den Herausforderungen wachsen. Deshalb fand ich die Zeit im Libanon sehr lehrreich. Meine Erfahrungen in Kaslik und an der USEK habe ich dann in meiner Masterarbeit wissenschaftlich aufgearbeitet und schrieb über christlich geprägten Nationalismus im Libanon. Zu diesem Thema gebe ich derzeit auch ein Seminar an der Universität Erfurt und arbeite darüber hinaus für ein Projekt eines freien Bildungsträgers, welches sich mit der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt beschäftigt. Meine Arbeit sehe ich eher als Übergang an, denn zukünftig möchte ich in der politischen Bildung arbeiten. Eine Promotion kommt für mich nicht in Frage.“

„Die Zeit im Libanon und die geografische Nähe zum Krieg in Syrien haben mir die Möglichkeit zur Selbstreflexion gegeben und gezeigt, wie stolz wir auf unsere Demokratie und unsere Freiheit in Deutschland sein können. Wir leben in einem stabilen Land und in friedlichen Zeiten, was keinesfalls selbstverständlich in der Welt ist. Wie sehr diese Umstände ein Privileg für mich bedeuten, habe ich erst aus der Außenperspektive so richtig verstanden.“

Stella: Promotionsstudentin und associate researcher/wissenschaftliche Mitarbeiterin des Orient-Institut Beirut

Seit Herbst 2018 Promotionsstudentin an der Universität Erfurt und seit März 2019 associate researcher/wissenschaftliche Mitarbeiterin des Orient-Institut Beirut für das Projekt: „Relations in the Ideoscape: Middle Eastern Students in the Eastern Bloc 1950’s to 1991".

"Der interdisziplinäre MESH-Studiengang ermöglichte es mir Kenntnisse aus verschiednen Bereichen zu erlangen. So konnten nicht nur historische Perspektiven und Werkzeuge, sondern auch soziologische Theorien und Konzepte sowie anthropologische Sichtweisen erlernt und angewendet werden. Darüber hinaus spielte die sprachliche Komponente eine wichtige Rolle, sodass sowohl Französisch und Englisch als auch Arabisch während dem Studium gefordert und gefördert wurden. Das Auslandssemester im Libanon trug nicht nur zur sprachlichen Entwicklung bei, sondern ermöglicht es, Forschungsfragen und erlernte Konzepte und Theorien in der Praxis anzuwenden. Das Studium zeichnet sich durch seine Breite aus -und ermöglicht damit individuelle Spezialisierungen auf unterschiedlichen Gebieten, welche durch die gemeinsamen Seminare in einen Gesamtzusammenhang gebracht werden."

 

Johanna: Bildungsbegleitung für geflüchtete SchülerInnen, die den Übergang von der Schule zu einem Beruf anstreben

"Ich bin seit ein paar Wochen erst wieder in Deutschland, ich war die letzten acht Monate im Libanon nochmal, habe  dort ein Praktikum gemacht und gearbeitet und jetzt arbeite ich für eine Stiftung - das ist so eine Assistenzstelle. Die Stiftung setzt sich ein für die politische Teilhabe von jungen Leuten - so ein bisschen Empowerment. Wir machen Kampagnenarbeit.

Das ist aber eigentlich nicht das was ich machen will, weil ich eigentlich thematisch schon gerne Naher Osten bzw. Integration, Interkultureller Dialog machen möchte. Deswegen arbeite ich noch nebenher - ich mache ein Praktikum, aber leider unbezahlt bei einer Organisation die ein Projekt hat wo sie Geflüchtete ins Ehrenamt vermitteln und quasi bzw. vor allem für - also das heißt Engagierte Newcomer - vor allem für Leute die neu nach Deutschland gekommen sind, die vielleicht noch in keinem Sprachkurs angemeldet sind, noch keine Arbeitserlaubnis haben, die so ein bisschen in der Luft hängen, dass man das aufhängt; dass man das aufhängt und abholt und denen so ein bisschen eine Perspektive gibt, denen vielleicht so etwas wie einen ersten Start in das Arbeitsleben in Deutschland vorschlägt; dass die was machen können was sie interessiert; dass sie das Gefühl haben sie machen etwas sinnvolles und gleichzeitig werden sie mit Workshops und so etwas betreut.

Also es ist ein ziemlich cooles Projekt, aber die können halt im Moment noch nicht zahlen - das ist ein Start-up - deswegen mache ich noch den anderen Job nebenbei."