Das Schreiben schwacher Silben

(DFG-gefördertes Projekt)

 

Promotionsprojekt von Jasmin Wend

 

Für Kinder stellt das Schreibenlernen eine besondere Herausforderung dar. Im Deutschen besteht eine besondere Schwierigkeit in der komplexen Beziehung zwischen prosodischen Mustern der gesprochenen Sprache und ihrer Verschriftlichung. Die gleichen Buchstaben können dabei z.B. unterschiedliche Sprachlaute repräsentieren.

Im Projekt Writing Weak Syllables wird untersucht, wie die prosodische Prominenz (Betonung) die Schreibung von Vokalen beeinflusst. Unter anderem wird untersucht, ob die Vokale in schwachen Silben in geschriebenen (Pseudo-) Wörtern systematisch ausgelassen, ersetzt oder in ihrer Ausführung reduziert werden. Analysiert wird dabei auch die graphetische Realisierung der einzelnen Buchstaben, beispielsweise Buchstabengröße, Stiftdruck, Schreibgeschwindigkeit, Strichlänge oder Abstände zwischen den Buchstaben.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Graphem <e>, da es im Deutschen in Abhängigkeit von der prosodischen Struktur lautlich unterschiedlich realisiert wird (z. B. in gelesen, kennen oder Hose), orthographisch jedoch konstant bleibt.

Geplant ist ein Diktat-Experiment mit Wörtern und Pseudowörtern, an dem Kinder der 2., 3. und 4. Klassenstufe teilnehmen. Neben den fertigen Schreibprodukten wird insbesondere der Schreibprozess selbst mithilfe eines digitalen Stifts und Tablets aufgezeichnet, um untersuchen zu können, wie sich Schreibbewegungen, Reduktionen und Buchstabenrealisationen in Abhängigkeit von prosodischer Prominenz und Schreibkompetenz unterscheiden und wie sich das Schreiben schwacher Silben über die Grundschulzeit entwickelt.

Ein ähnliches Diktat-Experiment wird mit erwachsenen Teilnehmenden mit und ohne Zeitdruck durchgeführt, um zu untersuchen, ob erhöhte zeitliche Anforderungen mit Veränderungen in der graphetischen Realisierung einhergehen und ob dabei Reduktionsphänomene auftreten, die im alltäglichen Schreiben Erwachsener typischerweise nicht zu erwarten sind.