Alumni

Was kann man dann damit machen? Wozu braucht man das? Kann das nicht alles die KI?
All diese Fragen können einem durch den Kopf gehen, wenn man überlegt, (Angewandte) Linguistik zu studieren. Beantworten lassen sie sich teils im Laufe des Studiums, teilweise aber auch erst in der Rückschau.

Auf dieser Seite erzählen Alumni von Ihrem Werdegang: von den Höhen und Tiefen Ihres vergangenen Studiums, Ihrem Arbeitsbereich heute und den Verbindungen dazwischen. Dabei zeigt sich, welch vielfältige Wege das Studium der Angewandten Linguistik ermöglicht.

Unter den Studierenden der ersten Stunde war Sandra Schmidt: Sie hat das Studium der Angewandten Linguistik begonnen, als der Studiengang gerade neu eingeführt worden war. An der Uni ist sie geblieben und arbeitet heute im Internationalen Büro. Sie hat sich als Erste unseren Fragen gestellt. Viel Spaß beim Lesen ihrer Antworten!

Sandra Schmidt

Wer bist du?

Hallo! Mein Name ist Sandra. Ich habe im ersten Jahrgang den Master Angewandte Linguistik studiert und 2017 den Abschluss gemacht. Ursprünglich komme ich aus Berlin, lebe aber schon seit echt langer Zeit in Erfurt. Ich bin großer Spanien- und Griechenlandfan.  In meiner Freizeit gehe ich gerne bouldern, spiele Tischtennis und lese phasenweise absurde Mengen an Büchern. Bei uns leben zudem vier wuselige Vögelchen, die bemerkenswert passioniert alles und jeden zuschnattern – es ist also immer was los!

Was arbeitest du?

Seit August 2017 arbeite ich im Internationalen Büro der Uni Erfurt hauptsächlich als Beraterin für internationale Austauschstudierende, die für ein Semester oder ein ganzes Studienjahr nach Erfurt kommen. Obwohl das Internationale Büro in der Verwaltung angesiedelt ist, würde ich schon sagen, dass die Arbeit dort kein ganz klassischer Verwaltungsjob ist. Man sollte insgesamt jedoch Spaß an Büroarbeit mitbringen. Da möchte ich an dieser Stelle auch gleich eine Lanze für Verwaltung brechen, denn sie ist unerlässlich für Institutionen wie Universitäten!

Was ist dein Aufgabenbereich?

Ich begleite und berate internationale Austauschstudierende vor und während ihres Auslandssemesters an der Uni Erfurt! Pro Jahr treffe ich um die 60 bis 80 neue Menschen, die aus einer Vielzahl von Ländern und von unseren Partneruniversitäten nach Erfurt kommen. Wie cool ist das bitte?! Ich prüfe die Bewerbungen der Austauschstudierenden und erstelle die Zulassungen zum Austauschstudium. Außerdem organisiere ich die Anreise, diverse Q&As und Infoveranstaltungen, das Onboarding, Exkursionen, einen Teil der Immatrikulation und die Abreise. Ich arbeite jedes Semester mit einer neuen heterogenen Gruppe von Menschen zusammen, auf die ich mich neu einstellen muss. Das kann herausfordernd sein! Anreisen klappen nicht immer wie geplant. Visaverzögerungen treten auf. Manche müssen ihr Studium bei uns auch absagen. Man muss in der Lage sein möglichst gelassen auf dynamische Situationen zu reagieren und lernen, dass manche Faktoren einfach nicht beeinflussbar sind. Das ist natürlich keine nur auf das Internationale Büro zutreffende Erkenntnis. Die Austauschstudierenden sind sehr dankbar und ich bekomme sehr gutes Feedback für meine Arbeit, manchmal Postkarten oder kleine Dankeszettel zur Abreise. Außerdem arbeite ich in einem tollen Team!

Ich koordiniere das Buddyprogramm für internationale Austauschstudierende! Kurz vor Semesterbeginn matche ich die angemeldeten lokalen studentischen Buddies mit den internationalen Austauschstudierenden. Dann briefe ich die Buddies für ihre Aufgaben. Ich möchte sowohl die Buddies als auch die Austauschstudierenden mit der Auswahl zufriedenstellen und beide Gruppen bestmöglich begleiten – das ist nicht immer so einfach! Das Monitoring über das Semester hinweg ist ein Prozess, den wir jedes Semester versuchen zu optimieren. 

Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür, wer mit wem ein gutes Buddy-Match sein könnte. Man lernt die lokalen Studierenden besser kennen und grüßt auf dem Campus ständig neue Menschen! Ohne die Buddies wäre es wirklich sehr schwierig das Level an Onboarding-Betreuung zu bieten, das wir haben. Daher an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön, sollten das einige unserer Buddies lesen!

Ich pflege unseren Instagram-Account @unierfurtinternational: Ich habe Spaß am Erstellen von Inhalten und Posts und kann mich ab und zu kreativ ausleben. Oft fehlt mir jedoch die Zeit meine Ideen umzusetzen. Zum Glück arbeiten wir eng mit dem Team der Hochschulkommunikation @unierfurt zusammen, das uns mit Rat und Tat zur Seite steht!

Ich bearbeite die Bewerbungen zukünftiger internationaler BA-Studierender. In diesem Arbeitsbereich habe ich fachlich am meisten dazugelernt. Ich bewerte nach bestimmten Vorgaben Zeugnisse und erstelle die Bescheide. In den Hochphasen – besonders von Mai bis Juli – arbeite ich hauptsächlich Bewerbungen ab. Das kann sich dann schonmal anfühlen wie ein bisschen arg viel Büroarbeit. Mir persönlich macht es aber Spaß und ab und zu – wenn ich Grund- oder Fortgeschrittenenkenntnisse in der Sprache eines Zeugnisses hab – lese ich das lieber im Original. Ab und zu kann man also gut und gern mal den Linguistik-Nerd raushängen lassen.

Tagungen und Trainings gehören dazu! Ich nehme regelmäßig an Tagungen und Fortbildungen teil. Ab und an kann ich auch ins Ausland. Besonders gern erinnere ich mich an mein Erasmus-gefördertes Staff Training in Madrid vor ein paar Jahren, wo ich mein Spanisch auffrischen konnte und viele neue Menschen getroffen habe. Das war großartig und Madrid ist eine so schöne und lebendige Stadt! 

Tagungen und Trainings sind toll, erfordern aber auch eine gute Planungsfähigkeit. Die Arbeit muss gegebenenfalls auch mal liegen bleiben oder so gut es geht übergeben werden. Es gibt natürlich Zeiten im Jahr, zu denen wir im Internationalen Büro besonders eingespannt sind. Das sind vor allem die zwei Onboarding-Phasen, jeweils im Winter- und im Sommersemester. Im Oktober zum Beispiel, wenn alle neuen internationalen Austausch- und Vollstudierenden anreisen, ist unser Team praktisch im Marathon-Modus – ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Kolleginnen mir da zustimmen :D

Einige Skills aus dem Studium, die in meinem Job relevant sind

  1. Sensibilität für interkulturelle Kontexte und interkulturelle Kommunikation. Ich hatte im Studium mehrere Seminare, die sich mit Inter- und Multikulturalität befassten. Das hilft mir bis heute, mich bei möglichen critical incidents zu erden und die Perspektiven unserer Studierenden besser zu verstehen.

  2. Spaß am Umgang mit Sprachen. Ich nutze Englisch täglich – in E-Mails, Beratungen, Telefonaten, Vorträgen. Die Sprache ist jedoch so allgegenwärtig, dass andere Sprachkenntnisse auch gut und gern mal ein bisschen einrosten. Zudem sind Übersetzungstools aus meinem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken, wenngleich ich es etwas schade finde, weniger selbst zu übersetzen. Es ist jedoch eine unfassbare Zeitersparnis.

  3. Planungs- und Organisationsfähigkeiten/Multitasking. Diese Fähigkeiten sind bei der Koordination des Austauschprogramms und bei Veranstaltungen hilfreich.

  4. Soziolinguistische Sensibilität. Das Wissen über sprachliche Diversität und soziale Faktoren können Kommunikation positiv beeinflussen.

  5. Diskursanalyse. Das klingt erstmal weit hergeholt, aber die Fähigkeit, kommunikative Kontexte und sprachliche Interaktionen zu analysieren, hat mir schon so manches Missverständnis in meinem Job verhindert.

Wie kommt man eigentlich an den Job?

Auslandserfahrungen sind sehr wichtig. Wenn ihr es möglich machen könnt, lege ich euch ans Herz mal ins Ausland zu gehen, wenn ihr im Bachelor noch nicht im Ausland wart. Eine Möglichkeit ist natürlich ein Auslandssemester, man kann aber auch, kürzer – für ein Praktikum – ins Ausland gehen. Das Erasmus+-Programm bietet tolle Fördermöglichkeiten für einen Auslandsaufenthalt in Europa! Es wird nie wieder so einfach sein ins Ausland zu gehen wie im Studium, das ist einfach wirklich wahr! 

Zudem sind sehr gute Englischkenntnisse und Kenntnisse in mindestens einer weiteren Fremdsprache gefragt (je nach Ausschreibung). 

Unerlässliche Soft Skills sind Teamfähigkeit, Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Empathie und Stressresilienz. Es sollte dir auch Spaß machen mit Menschen zu arbeiten. 

Ein Pluspunkt für die Arbeit im Internationalen Büro ist natürlich ein vorheriges Praktikum in dem Bereich. Warum nicht gleich bei uns?! Wir schreiben voraussichtlich im Mai 2026 wieder aus – stay tuned @unierfurtinternational

Welche Tipps hast du für (baldige) M-ALi-AbsolventInnen?

Gönnt euch Pausen während der Masterarbeit! 

Seid dann extrem stolz auf eure Masterarbeit!!! 

Ich wünsche euch zudem Selbstbewusstsein auf dem Arbeitsmarkt! Linguistik ist ein vielfältiges geisteswissenschaftliches Fach und ihr seid hervorragend ausgebildet. Den akademischen Feinschliff aus dem Masterstudium könnt ihr in allen möglichen Bereichen anwenden. 

Weitere Fragen

  1. Welches Seminar oder welche Hausarbeit verfolgt dich bis heute?
    Oh Gott, die Masterarbeit! Ich hatte mir ein riesiges Projekt vorgenommen und kriege eigentlich heute noch Schnappatmung davon, haha! Mein Projekt war sehr spannend, aber es war auch eine echte akademische und mentale Herausforderung. 
  2. Was war dein größter „Aha-Moment“ im Studium?
    Zeitmananagement is your best friend. 
  3. Welche Fähigkeit aus dem Studium hattest du damals unterschätzt, brauchst sie heute aber ständig?
    Stressresilienz! 
  4. Uni Erfurt in drei Worten?
    Campusunis fetzen voll! 
  5. Dein Studium als Filmtitel?
    Bibgerton 
  6. Was ist/war dein Lieblingsort in Erfurt?
    Zur Zeit mag ich besonders die Nordwand-Kletterhalle.
Sandra Schmidt
Sandra Schmidt