Forscher*innengruppe "Contested Democracy"

Bild zeigt Protest und Vororte in den USA

Die von der Gerda Henkel Stiftung geförderte Forscher*innengruppe "Contested Democracy. Gender, race und sex in der US-amerikanischen Zeitgeschichte" am Lehrstuhl für Nordamerikanische Geschichte der Universität Erfurt wird am 01.02.2021 ihre Arbeit aufnehmen. Im Fokus stehen dabei Kämpfe um Hegemonie und Demokratie entlang von gender, race und sex in den USA in der zweiten Hälfte des 20. Jhs. und im beginnenden 21. Jahrhundert. Gleiche Lebenschancen, Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen und demokratische Partizipation waren nie selbstverständlich, sondern beruhten stets auf kollektiven Kämpfen und dem persönlichen Einsatz einzelner Personen. Dies für die US-Geschichte von der Mitte des 20. bis zum frühen 21. Jh. zu zeigen, wird eine der wesentlichen Leistungen der Forschungsgruppe sein.

Kurze Projektbeschreibung

Die Thematik wird über zwei komplementäre Teilprojekte bearbeitet werden:


Teilprojekt A: Women’s history als Demokratisierung: Gerda Lerner (1920-2013)

Teilprojekt A, bearbeitet von Frau Dr. Vera Kallenberg, beschäftigt sich mit der aus Wien geflohenen Jüdin und Emigrantin, linken Aktivistin, feministischen Schriftstellerin, öffentlichen Intellektuellen und amerikanischen Geschichtsprofessorin Gerda Lerner. Lerners Arbeits- und Denkweise zeichnete sich auf der Ebene der akademischen Wissensproduktion wie des politischen Engagements durch einen Blick für den Zusammenhang verschiedener Formen von Machtrelationen aus – race, Ethnizität, Geschlecht, Klasse und globale Ungleichheit. TP A analysiert, wie Lerners Erfahrungswissen als linke jüdische Migrantin aus dem nationalsozialistisch besetzen Europa und als jüdische Frau ihren beruflichen, politischen und künstlerischen Werdegang und ihr Selbstverständnis als Agentin demokratischer Politik prägten. Ihr Einfluss auf die Geschichtswissenschaft sowie die feministische Wissensproduktion insgesamt wird ebenfalls untersucht. Ziel des Teilprojekts ist die erste auf Archivalien sowie Gerda Lerners gedrucktes Werk gestützte wissenschaftliche Monographie.


Teilprojekt B: Identitätspolitik als entscheidende Politikform: Hegemoniale Kräfte im Konflikt um demokratische Partizipation in den USA seit den 1970er Jahren

Das Disserationsprojekt "Identitätspolitik als entscheidende Politikform" nimmt jüngste politische Auseinandersetzungen um Identitätspolitik in den USA zum Anlass, um die in den 1970er Jahren beginnende Formierung weißer, männlicher bzw. geschlechterkonservativer heteronormativer Kräfte zu untersuchen. Diese entstanden in Opposition zu durch subalterne Gruppen im Kampf um Emanzipation als politisches Instrument genutzten Identitätspolitiken. TP B fragt, wie sich „reaktionäre“ Kräfte in den 1970er und 80er Jahren die identitätspolitische Strategie demokratischer Reformkräfte aneigneten. Mit „reaktionär“ bezeichnen wir mit Mark Lilla (2016) eine Politikform, die mit Rekurs auf Vergangenheit und Tradition gestaltend auf den gesellschaftspolitischen Prozess und die Zukunft einwirken will. Wie TP A wird TP B akteurszentriert forschen, um damit der Verwobenheit menschlichen Denkens und Handelns mit diskursiven Mustern und gesellschaftlichen Strukturen gerecht zu werden.


Assoziiertes Teilprojekt: “Let's Make America Great Again”

Das assoziierte Teilprojekt “'Let's Make America Great Again': A History of Nostalgia as a United States Identity Ideology in the 1980s", bearbeitet als Dissertationsprojekt von Lisa Patt an der Universtität Erfurt, beschäftigt sich mit nostalgischer Rhetorik als diskursiver Strategie während der Präsidentschaft Ronald Reagans in den USA.

Kurzbeschreibung