Prof. Dr. Bettine Menke

Inhaberin der Professur für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Mitarbeitergebäude 1 / Raum 417

Aktuelle Hinweise

Möglichkeit zur Sprechstunde am 16.06.2020 ab 14.00 Uhr.

Eine Voranmeldung per Mail an bettine.menke@uni-erfurt.de ist unbedingt erforderlich!

Es wird um die Anmeldung für einen halbstündigen timeslot per email gebeten. Es wird ein Treffpunkt auf dem Campus: draußen, mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz verabredet.

Weitere Informationen

Curriculum vitae

Curriculum vitae

Professorin für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt (seit 1999).
Unterrichtete zuvor an der Universität Konstanz, Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, sowie: J.W. Goethe-Universität Frankfurt/Main und Philipps-Universität in Marburg.
Diss. (1988) Sprachfiguren. Name - Allegorie - Bild nach Walter Benjamin, München 1991 (Neuaufl. 2001). Habilitation (1996), Prosopopoiia. Stimme und Text bei Brentano, Hoffmann, Kleist und Kafka (München 2000).
Bettine Menke studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Konstanz.
Studium und Aufbaustudium unter anderem bei: Anselm Haverkamp, Wolfgang Iser, Renate Lachmann, Wolfgang Preisendanz, Albrecht Wellmer.

Lebenslauf:

  • Schulbesuch in Köln, 1969-74 in Barcelona (Colegio Alemán San Alberto Magno).
  • Juni 1976 Reifeprüfung am Städtischen Gymnasium Köln-Mühlheim

Studium und wiss. Ausbildung:

  • Ab WS 1976/77 Studium der Fächer Philosophie und Ger­ma­nistik  an der Universität Konstanz.
  • 1981 u. 1982 erstes Staatsexamen und Magister in Philosophie und Ger­ma­ni­stik­.
  • Ab 1982  PostGrad.Progr. Litwiss. an d. Univ. Konstanz.
  • 1987  Abschluß der Dissertation ‘Sprachfiguren - Fi­gu­ren des Umwegs in der The­orie Ben­jamins’. ­­26. 1. 1988 Rigorosum­­. Doktorgrad der Philosophischen Fa­k. der Univ. Konstanz (summa cum laude).
  • 26. 6. 1996  Habilitation an der Europa-Universität Viadrina, Ha­bil.­-Schrift: Die Rhe­to­rik der Stimme und die Stummheit des Textes. Geräusche und Rauschen in und nach der Ro­man­tik, (Doppel-) venia le­gen­di: Allgemeine und Vergleichende Literaturwissen­schaft und Ger­ma­­nistik.
  • 7. 1. 1997   Antrittsvorlesung („Ent-Rahmungen - Die Ordnung der Sichtbarkeit und die der Geschlechter“), Ernennung zur Privatdozentin.

Beschäftigungsverhältnisse, Lehrtätigkeit:

  • 1986-88    Wiss. Hilfskraft in DFG-Forschergruppe: „In­ter­tex­tuali­tät und Fik­­tionalität“ der Konstanzer Li­tera­tur­wis­sen­schaft, zugleich Lehraufträge in der Literaturwis­sen­­schaft und der Philosophie­.
  • 1988 - 1992    Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni­­v. Konstanz (Germanistik und Graduiertenkolleg Theorie der Li­­teratur)
  • 1992 - 1993    Zwei Gastprofessuren am Institut für Deutsche Li­­te­ra­­tur II der J. W. Goethe Universität in Frankfurt a.M.­
  • 1993 - 1995    Wiss. Mitarbeiterin an­­­ der Univ. Konstanz­ (Germanistik und GK Theorie der Literatur).
  • 1995 - 1999    Wiss. Mitarbeiterin an der Europa-Universität Viadrina Frank­furt (Oder) (Westeuropäische Literatur und GK Repräsentation. Rhetorik. Wissen­).
  • 1997/98     Vertretung einer C 4-Professur für Neuere Deutsche Literatur, Philipps-Universität Marburg.
  • 1. 2. ‘99      Ernennung zur Hochschuldozentin (C2) an der Europa-Universität Viadrina.
  • Seit 1.3. 1999 C 4-Professur für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt (Ernennung 30. April 2000).
  • Seit Sept. 2005 W 3-Prof. für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt.

Preise, Stipendien:

  • 1976-1978  Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • 1984 - 1986    Stipendium der Gra­duiertenförderung des Landes Baden-Wür­temberg.  ­­
  • 1988           Dissertations-Preis der Stadt Konstanz.
  • 1995/96     DFG-Habilitationsstipendium (bewilligt Febr. 1995, angetreten Okt. 1995 - Juli 1996).
  • 2006/07     Max Kade Visiting Professor at UCSB (Fall 2006-07-11)
  • Oct. 2010 DAAD Kurzzeitdozentur: Santiago de Chile, Universidad de Chile (Santiago)
  • 2010/11     Research-Fellowship am IKKM (Internationales Kolleg für Kulturtechnik und Medienphilosophie), Bauhaus Univ. Weimar.
  • WiSe.u. SoSe 2015/16 Senior Research Fellows am Kulturwissenschaft Kolleg des Exzellenzclusters 16 der Universität Konstanz (Projekt: Agon und Theater, Flucht und Szene)
  • Seit Jan. 2005 (Stellvertretende) Sprecherin des DFG geförderten Graduiertenkollegs Mediale Historiographien (der Universitäten Weimar, Erfurt, Jena) an der Univ. Erfurt.
  • 2008-2011 Sprecherteam Graduiertenschule “Religion in Modernization Pro­ces­ses” (gefördert durch das Land            Thüringen), Sprecherin des Forschungsteam „Übertragungen: Medien und Religion“ (transfers and transmissions. media and religion), getragen vom GK „Mediale Historio­gra­phien“; 2012-2014: im Direktorium der Graduiertenschule „Religion“ der Univ. Erfurt.
  • Mitglied des General Board der International Walter Benjamin Association (begründet Amsterdam 1997, 2006-2011 Berlin).
  • Mitglied des editorial board  IWBS online journal
  • Mitglied in der Auswahlkomission des DAAD Programms ISTAP (2005 – Ende 2009).

Div. Ämter in der Selbstverwaltung der Univ.:

  • gegenwärtig (seit Juli 2008) Mitglied im Ausschuß für Forschung des Senats der Univ. Erfurt

Andere Tätigkeiten:

  • Seit 1981 am Theater im Bereich der bildenden Kunst: ­The­a­ter­grup­pe der Uni­versität Konstanz
  • (zuletzt 1994) und Stadttheater Konstanz (zuletzt 1990)­­.
  • Seit 1985 Durch­füh­rung von Kur­sen: Masken­, Entwurf und Bau, in Zusammenarbeit mit dem­­­­ Stadt­the­a­ter Kon­stanz, so­wie im Rahmen des Studium Generale und der jährlich statt­fin­denden Som­mer­theaterschule an der Uni­ver­­sität Konstanz (seit 1987, zuletzt 1994).

 

Publikationen

Publikationen

Monographien:

  • Sprachfiguren. Name - Allegorie - Bild nach Walter Benjamin, München 1991(Buchfass. der Diss. Konstanz 1986).
  • Prosopopoiia. Stimme und Text, München (Fink) 2000 (Buchfass. der Habil.-Schrift 1996).
  • Korr. Neuaufl. von Sprachfiguren. Name – Allegorie – Bild nach Walter Benjamin, Weimar 2001.
  • Das Trauerspiel-Buch. Der Souverän – das Trauerspiel – Konstellationen – Ruinen, Bielefeld 2010.

(Mit-)Herausgaben:

  • Erika Greber / Bettine Menke (Hgg.): Manier, Manieren, Manierismen, Tübingen: G. Narr Vlg. 2003.
  • Bettine Menke / Barbara Vinken (Hgg.): Stigmata. Poetiken der Körperinschrift, München: Fink, 2004.
  • Eva Horn, Bettine Menke, Christoph Menke (Hgg.): Literatur als Philosophie. Philosophie als Literatur, München: Fink, 2006.
  • Bettine Menke, Christoph Menke (Hgg.): Tragödie. Trauerspiel. Spektakel, Berlin: Theater der Zeit (Reihe Recherche), 2007.
  • Bettine Menke, Wolfgang Struck (Hgg.): Wieland/Übersetzen. Sprachen, Gattungen, Räume. Berlin, New York: de Gruyter 2010.
  • Bettine Menke, Armin Schäfer, Daniel Eschkötter (Hg.): Das Melodram: ein Medienbastard, Berlin: theater der zeit (Recherchen 98), 2013.
  • Bettine Menke, Thomas Glaser (Hg.): Experimentalanordnungen der Bildung: Exteriorität – Theatralität – Literarizität, München: Fink, 2014.
  • (Mitherausgeberin, Sekt. II): Allegorie: (DFG-Symposion 2014), hgg. von Ulla Haselstein, unter Mitarbeit von Friedrich Teja Bach, Bettine Menke, Daniel Selden, De Gruyter, 2016.
  • Bettine Menke, Juliane Vogel (Hg.): Flucht und Szene, Berlin: Theater der Zeit, (Mai) 2018 (peer reviewed) [ISBN 978-3-95749-119-0 ]. http://www.theaterderzeit.de/buch/flucht_und_szene/Klappentext

Aufsätze, Artikel in Zeitschriften und Sammelbände

Im Druck:

  • „Kafkas Zerstreuungen“ in: Franz Kafka im interkulturellen Kontext , hgg. von Stefan Höhne/ Manfred Weinberg, Böhlau 2019 (nach Fahnenlauf, im Druck), 229-262.
  • [„Heinrich von Kleists „Anekdote aus dem letzten Kriege“: w-hole, und ihr Witz/ the joke an anecdote (nearly) made.“], in: Exemplary Singularity: Faultlines of the Anecdotal (engl.), hgg. von MaryAnn Snyder-Körber mit James Dorson, Florian Sedlmeier, Birte Wege, De Gruyter: Anglia (Sept. 2018: Druck in Vorbereitung, in Übersetzung), 2019.
  • „‘Para una crítica de la violencia’: Técnicas del acuerdo, diplomacia, mentira”, in: Horst Nitschack, Miguel Vatter (Hg.): Esperanza, pero no para nosotros. Capitalismo, técnica y estética en W. Benjamin, Santiago de Chile: LOM ediciónes (im Druck) 2019?, 84-103.
  • „Buchstaben-Alchimie oder der Witz der buchstäblichen Spiele. Kombinationen und Effekte“, in JJPG (2018/9?), hg. von Ralf Simon (Sonderband: Alchemie und magia naturalis), (Druck in Vorb.).
  • „Aus-Schreiben – aus allen vier Enden der Welt auf gut Glück zusammengetrieben. Jean Pauls Techniken und Operationen (über Exzerpte)“, (engl.) Beitrag für [Kulturtechnikforschung], (Sept. 2018, Druck in Vorbereitung, in Übers.), hgg. von Jörg Dünne u.a..
  • [(doch ein) Register der „Thorheiten“], in: Universalenzyklopädie menschlicher Klugheit, hgg. von Harun Maye, Markus Krajewski, Dez. 2019 (Druck in Vorbereitung).
  • „trompe l’œil: Mosaik und Auskehricht“, in: Exzessiv Spaces. Metamorphoses of the Surface, (fertiggestellt: Juli 2016), hgg. von Helga Lutz, Bernhard Siegert, München: Silke Schreiber Verlag (Herbst) 2018? (Druck in Vorbereitung).

Rezensionen für Fragmente, Arbitrium, Jahrbuch Rhetorik, Frankfurter Rundschau.

Wissenschaftliche Mit-Editorin der Zeitschrift Springer. Hefte für Gegenwartskunst (Wien).

 

Vorabveröffentlichungen

Vorträge

Vorträge

Eine Auswahl aus den Jahren 2005-2009:

  • [Entzüge der Sichtbarkeit – Auftritte. Kleists Penthesilea]. Beitrag auf dem workshop Auftrittsformen I: Auftreten und Erzählen, 7.-9. Mai 2009, Universität Konstanz. 
  • Lesen Lesen. ‚Faltungen der Theorie’: Witz-Wissen, auf der Internationalen Tagung „Theorie/Theorie“ am IVC Dubrovnik, 26.-29. März 2009, org. von O. Jahraus, J. Hörisch u.a.. 
  • „Stimmen/ Gemurmel. Marthalers Murx den Europäer, ...“ 10. März 2009, Vortrag auf der Tagung: Stimmen. Wissenschaftliche Tagung des Zentrums für Moderneforschung (Universität zu Köln) und des Deutschen Literaturinstituts Leipzig (Universität Leipzig) Leipzig 10.-12. März 2009. 
  • „Souverän, Tyrann, Martyrer und Intriganten: Metatheatrale Figuren“, Vortrag am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft Universität Gießen, 10. Februar 2009. 
  • Multivocität – zu Marthalers Murx den Europäer, ... , workshop: Kollektive Auftrittsformen, Institut für Theaterwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, 5. Februar 2009. 
  • „Zitieren“- Präsentation und Vorlage Probe-Artikel für Poetik literarischer Praktiken (workshop Univ. Hildesheim, 16./17. Jan. 2009. 
  • „Echo und Echos“. Zu Ovids Metamorphosen. Ringvorlesung der Univ. Basel, 17. Nov. 2008. 
  • „Sumpf und Mauer“, für die Konferenz „ZUM BEISPIEL“ des Grad.Koll: Lebens-Formen, Potsdam, Frankfurt/ Oder, 24. /25. Okt. 2008. 
  • „ZUR EINLEITUNG: STEKEN-PFERDE ZUM DEUTSCHEN SHAKESPEARE“, Vortrag auf der Tagung: Wieland/ Übersetzungen. Erfurt u. Oßmannstedt 26.- 28. Juni 2008. 
  • „Stimmen/ Gemurmel“, Tagung: „Pfropfen. Impfen. Transplantieren“, Romainmotier CH, 9.-12.8. 2007. 
  • „Medialität der Techniken“, auf der Abschlußkonferenz des Grad. Kollegs „Codierung von Gewalt“ 26.–27. 4. 2007, im Grünen Salon der Volksbühne Berlin. 
  • „Einfälle aus Exzerpten, buchstäbliche Inventionen“. Vortrag an der LMU München, 2. Februar 2007. 
  • “The Utility of Schiller’s Chorus…”. Vortrag an Johns Hopkins Univ. Baltimore, Oct. 13th. 2006; und Vortrag an North Western Univ. Evanston Chicago Dec. 10th. 2006. 
  • Echoes: the Evanescent Presence of Sound in Walter Benjamin’s Texts, Vortrag für “Eye Or Ear: Walter Benjamin On Optical And Acoustical Media.” conference at UCSB, Dec. 1st 2006, u. Vortrag an UCI, Nov. 28th. 2006. 
  • „... beim babylonischen Turmbau. Kafkas Fremdheit“, 1.9. 2006 an der Yonsein University Seoul (Korea) 
  • „Rhetorik der Echo“ Plenarvortrag (31. 8.) auf Internationale Jahrestagung: Kulturwissenschaftliche Germanistik in Asien. Seoul National University, Korea, 28. 8. – 31. 8. 2006. 
  • „Kafkas Schweigen der Sirenen“ am 26. 8. 2006 vor der Koreanischen Kafka Gesellschaft Hanyang University Seoul (Korea). 
  • „– Gedankenstriche –“, Beitrag zum Workshop: Am Rande bemerkt, Univ. Erfurt 28.6. – 30.6. 2006. 
  • „Stimme-Geben“, Vortrag für „Gabe, Tausch, Verwandlung: Clemens Brentanos Poesien der Zirkulation“, Tagung, 20.-22. 4. 2006, org. von R. Simon, U. Landfester, an der Univ. Basel. 
  • “holes and excesses. On the joke in Kleist’s „Anecdote of the last War“”. Vortrag at Yale Univ., German Department, Comparative Literature, 17. 2. 06. 
  • Ein-Fälle aus „Exzerpten“, Vorträge in verscheidener Fass. auf den Tagungen „Rhetorik als kulturelle Praxis“ (org. v. Lachmann, Nicolosi, Strätling), Berlin 10. –12. Nov. 2005; „Rhetorik der Übertragung“, Universität Zürich, 24.-26. Nov. 2005. 
  • „Wozu Schiller den Chor gebraucht ...“ Vortrag für Many Happy Returns. Schiller – Feier, 5.-7. Oktober 2005, Haus Dacheröden, Erfurt. 
  • „Das Gestöber des Realen und die Fetische der Realität“. (Zu Stifter), Vortrag für „Literarischer Realismus in Europa und der Absolutismus der Wirklichkeit“, org. von B. Vinken, A. Koschorke, Venice International University, San Servolo, 18. – 20. September 2005. 
  • „Exzeß der Performanz – Interventionen der/ in die Schrift. Kleists Witz der Lettern und der Löcher.“ Vorträge verschiedener Versionen: 6. 6. 2005, Humboldt-Universität zu Berlin (GK „Codierung der Gewalt“); Grad. Koll. „Die Figur des Dritten“ Universität Konstanz Nov. 2004; Bauhausuniversität Weimar, Nachwuchswissenschaftlergruppe: „Leben Schreiben“, 18. Mai 2004. 
  • „‚Gelehrtenleben’ und ‚wissenschaftliche Praxis’ des Jean Paul“, für: „Wissenschaftliche Praxis und Gelehrtenleben – in Selbstzeugnissen“ (Tagung 29./ 30. Okt. 2004, Erfurt).

Aktuelle Tagungen

Theater-Maschinen/ Maschinen-Theater

Poster Theatermaschinen

Forschungsbibliothek  Gotha

4.7. 2019  – 6.7.2019 

Das Gothaer Hoftheater wird im ausgehenden 18. Jahrhundert zum Schauplatz eines ungewöhnlichen theaterhistorischen Experiments. Mit dem Engagement der nach dem Weimarer Schloß- und Theater­brand 1774 heimatlos gewordenen Seylerschen Schauspieltruppe treffen hier Schauspielerinnen und Schau­spieler, die an den Theaterreformen der Aufklärung geschult sind, auf eine Bühne, die über eine – trotz mehrerer Umbauten nicht grundlegend veränderte – barocke Theatermaschine verfügt. Dieses Zu­sammentreffen möchten wir zum Ausgangspunkt nehmen, um über das Verhältnis von Theater und (auch, aber nicht nur maschineninduziertem) Spektakel nachzudenken.

An der Tagung nehmen teil: Evelyn Annuss (FU Berlin/ Univ. Wien), Raphaël Bortolotti (Hochschule der Künste Bern), Jörg Dünne (HU Berlin), Ulrike Hass (JWG Univ. Frankfurt), Nicola Kaminski (RUB), Annette Kappeler (Univ. Basel), Sebastian Kirsch (NYU USA), Gertrud Koch (FU Berlin), Adrian Kuhl (JWG Univ. Frankfurt), Jan Lazardzig (FU Berlin), Bettine Menke (Univ. Erfurt), Ethel Matala de Mazza (HU Berlin), Dirk Niefanger (Univ. Erlangen), Armin Schäfer (RUB), Marion Schmaus (Univ. Marburg), Dörte Schmidt (UdK Berlin), Julia Schmidt-Funke (Forschungs- und Sammlungsverbund Gotha), Wolfgang Struck (Univ. Erfurt), Viktoria Tkaczyk (HU Berlin/MPIWG)

Themen:

Maschinen-Theater, Machinationen: Maschinen an Gothas Hoftheater: Imitation, Verwaltung, Koope­ration * Der barocke Hamlet in Gotha * „Horazens Geist“. Zu Kaspar Stielers „Bellemperie (1680) * Bühnenbilder und -maschinen im 18. Jahrhundert (Ein kleines Theater in Feltre) * Die technische Seite des Theaters: Zum Stellenwert der mechané im Theater über den Spektakelzeitraum des 17./18. Jahrhunderts hinaus * Was ist maschinisch am Maschi­nen­theater? Zum Verhältnis zwischen Theater-Maschine und Theater-Ap­parat. Melo­dram/ Mischformen: Theatralische Wirkungen in Gotters Singspielen * Funktion der Musik für den Einsatz von Maschinen * Märchenoper/-singspiel * Melodram des 19. Jahrhun­derts. Transformationen: Wissen, Technik, Spektakel: Theatralität von Sammlungen und Experimenten * Von barocken Theatermaschinen zu den Maschinendiskursen der Aufklärung (Schillers Polizei-Fragment) * Zur Vertikalität des Wunderbaren. „La Mouche d’or“ * Theater-Maschinen-Kino.

Programm

Zum ausführlichen Tagungsexposé

Bilder

Flucht und Szene. Elemente eines Theaters der Fliehenden

Plakat Flucht und Szene

Tagung 07.07. – 09.07.2016

Stadttheater Konstanz, Werkstatt, Inselgasse 2-6

Bettine Menke, Juliane Vogel

Beginn Donnerstag, 07.07.2016, 14:00 Uhr

14:00 Uhr – Eröffnung

1. Flucht und Szene in der antiken Tragödie und im Ausgang von dieser

14:30 Uhr –  Susanne Gödde: Asyl als Übergang: Transiträume in der griechischen Tragödie

15:30 Uhr – Winfried Schmitz: Die Schutzflehenden des Aischylos und das Asyl im klassischen Athen

16:30 Uhr – Kaffeepause

17:00 Uhr – Rüdiger Campe: Flucht und Fuersprache in Aischylos‘ Eumeniden

18:00 Uhr – Pause

18:30 Uhr – Abendvortrag : Hans-Thies Lehmann: "Entscheiden für das Asyl". Affekt und Denken in Aischylos' "Schutzflehenden" und Jelineks "Schutzbefohlenen"

20:00 Uhr – Abendessen

Freitag, 08.07.2016

09:30 Uhr – Christopher Wild: Davonkommen: Aus Troja und anderswo

10:30 Uhr – Kaffepause

2. Transformationen von Flucht und Szene

11:00 Uhr – Christina Wald: “Traitorous innovator“: Shakespeares Coriolanus als Tragödie der Verbannung und Rückkehr

12:00 Uhr – Katrin Truestedt: Speak not you for him: Stellvertretung auf der Theater-Insel der Gestrandeten.

13:00 bis 14:30 Uhr – Mittagspause

14:30 Uhr – Bettine Menke: Agon und Theater. Fluchtwege: die Sch(n)eidung und die Szene.
 (zu und nach den aitiologischen Fiktionen F.C. Rangs und W, Benjamin)

15:30 Uhr – Nikolaus Müller-Schoell: Fluchtpunkt Theater. Theaterflucht. (Zu Brecht)

16:30 Uhr – Kaffeepause

3. Zwischenräumlichkeit

17:00 Uhr – Ulrike Haß:  Flüchtige Konfigurationen

18:00 Uhr – Jörn Etzold: Bühne und Lager

20:00 Uhr – Abendessen

Samstag, 09.07.2016

4. Fluchtauftritt

10:00 Uhr – Martin Schäfer, Ewelina Benbenek: Flucht und die Hamburger Bühnen nach 2013

11:00 Uhr – Evelyn Annuss: Panorama und Banopticon

12:00 Uhr – Abschluss

ca. 13:00 Uhr – Ende der Tagung

Mediorama - Attraktionen Medialer Historiographie

Mediorama Programm

Abschlusstagung des Graduiertenkolleg "Mediale Historiographien" vom 5. - 7.12.2013 in Weimar (Mon Ami - Goetheplatz 11, 99423 Weimar)

Informationen zu dieser Tagung finden Sie auf der tagungseigenen Homepage.

Tagungen/ Drittmittel

Tagungen und Workshops (Planung & Organisation):

Leitung der 2. Sektion des Internationalen literaturwissenschaftlichen DFG-Symposion „Allegorie“, 19.-23 Mai 2014 in der Villa Vigoni (It.).

Panel: „theories of media“ (zus. mit D. Schöttker) der Biennial Conference der International Walter Benjamin Society: Schrift. Writing and Image-Chracter in the Work of Walter Benjamin, Princeton 2.-5. Nov. 2011.

Das Melodram: ein Medienbastard, Tagung, org. mit A. Schäfer, 2-4. Juni 2011 (in Zusammenarbeit mit dem Graduiertenkolleg „Mediale Historiographie“)

„Experimentalanordnungen der Bildung“, Erfurt 23.-25. Juni 2011 (in Zus.Arb. mit Forum: Texte. Zeichen. Medien) (gefördert durch VW-Stiftung).

Panel: „Synkretismus“ der Internationalen Tagung Wissen von Religion, Erfurt 23.-25. Sept. 2010.

Panel: „Buchstabentreue“ für die Internationale Tagung der W. Benjamin Association: „Walter Benjamins ‚Treue’ – true to Benjamin“, 14. -17. Sept. 2009, Antwerpen.

Wieland/ Übersetzungen. Org. zus. mit W. Struck, Erfurt u. Oßmannstedt 26.- 28. Juni 2008, gefördert durch DFG).

Panels 9. Akustische Figuren: Stimmen und Geräusche / Acoustical Figures: Voices and Noises (zus. mit U. Wirth, ZFL), NOW. Internationales Benjamin-Festival , Berlin 17. – 21. Okt. 2006.

Tragödie. Trauerspiel. Spektakel, Tagung am 16./17. Dez. 2005 im Roten Salon der Volksbühne (Berlin) (in Zusam¬men¬arbeit des GK „Mediale Historiographien“ und SFB „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ (Berlin).

Witz, Rhetorik und Performanz, (Workshop) Erfurt Nov. 2004.

X. Literatur und Philosophie, Org. zus. mit E. Horn, 17. / 18. Juli 2003, (in Zusammenarbeit mit dem GK: Repräsentation, Rhetorik. Wissen (Frankfurt/O), Berlin: Literaturhaus Fasanenstraße.

Evidenz als Verfahren, DFG-Rundgespräch in Erfurt, 23.-25. 5. 2002.

Die Bühne der Kastraten in Zusammenarbeit mit G. Brandstetter (Basel), Erfurt 14.-16. Dez. 2001.

Manier, Manieren, Manierismen. Org. zus. mit E. Greber (München) in Konstanz 9./10. Nov. 2001 (in Zusammenarbeit mit SFB Literarische Anthropologie, Konstanz).

Stigma. Körperinschriften, Internationale Tagung, konzipiert u. geplant mit B. Vinken, Warburg-Haus Hamburg 6.-8. 12. 2000. 

Kritik der Gewalt - Homo sacer. Workshop Erfurt 16./17. 11. 2000 in Zusammenarbeit mit dem Graduiertenkolleg Frankfurt (Oder) u. Poetic’s Institute New York (NYU).

Drittmittel:

DFG-Förderung für:

(Mit-Organisatorin) des Internationalen literaturwissenschaftlichen DFG-Symposion "Allegorie" (U. Haselstein, mit T. Bach, B. Menke, D. Selden), 19.-23. Mai 2014, Villa Vigoni; mit Publikation im de Gruyter Verlag.

CFP (Englisch)       CFP (Deutsch)

Graduiertenkolleg „Mediale Historiographien“ in Zusammenarbeit der Universitäten Weimar, Erfurt und Jena (Stellvertretende Sprecherin des Kollegs), laufend seit 1. Januar 2005, verlängert bis 31. Dez. 2013.

Wieland/ Übersetzungen. Internationale Tagung org. zusammen mit W. Struck, Erfurt u. Oßmannstedt 26.- 28. Juni 2008.

Evidenz als Verfahren, DFG-Rundgespräch in Erfurt, 23.-25. 5. 2002.

Das Melodram: ein Medienbastard, Tagung, 2-4. Juni 2011 (Tagung des Graduiertenkollegs „Mediale Historiographie“)

Tragödie. Trauerspiel. Spektakel, Tagung am 16./17. Dez. 2005 im Roten Salon der Volksbühne (Berlin) (Veranstaltung des GK „Mediale Historiographien“ und SFB „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ (Berlin)).

X. Literatur und Philosophie, Org. zus. mit E. Horn, 17. / 18. Juli 2003 (Veranstaltung des GK: Repräsentation, Rhetorik. Wissen (Frankfurt/O)

Stigma. Körperinschriften, Internationale Tagung, konzipiert u. geplant mit B. Vinken, Warburg-Haus Hamburg 6.-8. 12. 2000.

Manier, Manieren, Manierismen. Tagung org. in Zusammenarbeit mit E. Greber (München) in Konstanz 9./10. Nov. 2000 (SFB Literarische Anthropologie, Universität Konstanz, Druck¬ko¬sten¬zu¬schuß für den Tagungsband im G. Narr Verlag, 2003).

 

VW-Stiftung:

„Experimentalanordnungen der Bildung“, Erfurt 23.-25. Juni 2011 (in Zusammenarbeit mit dem Forum: Texte. Zeichen. Medien der Litwiss. der Univ. Erfurt).

 

Förderung des Landes Thüringen (HWP III): Die Bühne der Kastraten in Zusammenarbeit mit G. Brandstetter (Basel), Erfurt 14.-16. Dez. 2001.

[2006/7 beteiligt an der Exzellenzinitiative der Universität Erfurt Graduate School “Religion in Moderni¬za¬tion Pro¬ces¬ses” (Sprecher: Prof. Dr. H. Joas) (in der Endrunde nicht erfolgreich)] 

Proexzellenz-Mittel des Landes Thüringen: 

2008-2012 Graduiertenschule in Modernisierungsprozessen, Sprecherin des Forschungsteam „Übertragungen: Medien und Religion“ (transfers and transmissions. media and religion).

Forschung

Forschungskooperationen

Forschungskooperationen

Zu den aktuellen Forschungsprojekten der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt führen Sie die folgenden Links:

Forum: "Texte. Zeichen. Medien."

Nachwuchskolleg Literaturwissenschaft: "Texte. Zeichen. Medien."

Prosopopoiia

Prosopopoiia. Stimme und Text, Geräusche und Rauschen

Die Frage nach dem Zusammenhang von Text und Stimme meint zuerst eine Ausprägung der 'Stimme' als Figur der Lesbarkeit, die mit der Rhetorik der Prosopopoiia möglich ist. Diese Frage richtet sich rückwärts vor allem an Texte der Romantik, die Textualität in Klanglichkeit zu hintergehen und sich in einer Emphase der Stimme als Echo oder Nachhall zu begründen versuchen.
In diesem reliteralisierten Sinne stellt sich diese Frage dann aber neu im Ausgang von den ganz anderen akustischen Phänomenen, wie den unsituierbaren Klängen, den Geräuschen und dem Rauschen, den Disartikulationen der Stimme, wie sie etwa in Texten Kafkas Platz greifen. Eine Funktion, die ästhetischen Konzepte der Töne und Stimmen (seit 1750) unterscheidend zu profilieren, haben zudem auch (rhetorische, musikwissenschaftliche, akustische u.a.) Schriften des Barock.
Unter dem Titel der Verstimmlichung kann das historisch spezifische Programm der romantischen Texte wie auch ihre inneren Brüche und Blindheiten lesbar gemacht werden. Dafür spielen mythopoetische Figuren wie die Memnon-Statue, Echo und Sirenen eine organisierende Rolle. Darüber hinaus läßt sich im Horizont der romantischen Konzeptionen von Klanglichkeit, der Akustik und des Hörens die Spezifik des Vorgehens von Kafkas Texten als Programm einer Disartikulation der Stimme im Geräusch ausmachen.

Bearbeitungsstand:

Das Projekt wurde mit der im April 2000 in Buchform erschienenen Habilitationsschrift Prosopopoiia. Stimme und Text bei Brentano, Hoffmann, Kleist und Kafka, deren Bearbeitung für den Druck und einigen weiteren Aufsätzen abgeschlossen.
Eine Fortführung erfährt dieses Forschungsprojekt 1. im Bereich "Echo - als Figur", der zu den Projekten "Gedächtnis" und "Rhetorik" gehört (im Druck: "Wie man in den Wald hineinruft ..." Die Echos des Übersetzens, in: "Übersetzen: Walter Benjamin", hg. v. C. Hart-Nibbrig, Ffm.: Suhrkamp (es 2041) 2001, 366-393; "Über die Wiederholung, die die Echos sind", in: Wunsch-Maschine-Wiederholung, Freiburg: Rombach 2001); 2. im Bereich einer Rückkehr der rhetorischen Figur Prosopopoiia auf die Bühne, von der herzustammen ihr nachgesagt wird; dieser Bereich wird im Dissertationsvorhaben von Evelyn Annuß (MA): "Auftrittsformen der weiblichen Stimme im postdramatischen Text. Elfriede Jelineks frühe Theaterstücke" (Teil des Vorhabens: Elfriede Jelineks Theater des Nachlebens) bearbeitet.

Projektmitarbeiterin:

Evelyn Annuß (MA)

Semiologien des Körpers

Semiologien des Körpers

Prof. Dr. Bettine Menke
Dr. Dietmar Schmidt
Dr. des. Julika Funk

Ohne lediglich am gängig gewordenen Körperthema zu partizipieren, soll das Projekt Fragestellungen nachgehen, die historisch spezifische Relationen zwischen Körpern und Zeichenoperationen, Darstellungslogiken und Formen des Wissens zum Gegenstand haben. Im Blick auf stigmatisierte, animalische, fetischisierte bzw. unter dem Bann von Fetischen stehende Körper - denen jeweils Teilprojekte gewidmet sind - wird es darum gehen, nach den Modi zu fragen, in denen Körper zum Schauplatz von Zeichen werden oder auf spezifische Zeichenordnungen bezogen sind. Dabei werden charakteristische Schnittstellen deutlich, die stets einen Plural semiotischer Prozesse zum Vorschein bringen: Schnittstellen zwischen religiösen Modellierungen und säkularen Diskursen, zwischen heterogenen Ordnungen des Wissens und zwischen verschiedenen Kulturen. Diese auf Körper bezogenen Zitationen des Sakralen, epistemologischen Brüche und interkulturellen Kontakte legen Zeichenverfahren und Darstellungsweisen frei, deren Funktionieren und deren Problematik gerade in literarischen Texten aufgegriffen und durchgespielt worden sind.

Teilprojekt: Körperzeichen zwischen religiöser Einschreibung und medizinischer Diagnose

(Prof. Dr. Bettine Menke in Kooperation mit Prof. Dr. Barbara Vinken)

Im Zentrum dieses Projektes steht die darstellungslogische Frage nach Evidenz als semiologischem Unternehmen. Diese Frage wird als die nach der Versicherung von semiotischen Praktiken und der Darstellungen gestellt, und zwar in einer Perspektive der Nachträglichkeit im Ausgang von der neuen Beunruhigung über das mögliche Fehlen der Referenz (im 19. Jahrhundert), die sich zeigt in einem Begehren nach der, in religiösen Phänomenen und Figuren aufgesuchten, Evidenz.
Das Vordringen religiöser Modellierungen im 19. Jahrhundert ist Symptom einer Sucht nach Referenz als Realpräsenz, die sowohl poetische als auch wissenschaftliche Diskurse kennzeichnet. Evidenz wird damit als Versicherung paradoxerweise eben dort gesucht, wo sie Sichtbarwerden des schlechthin Unsichtbaren sein muß. Prägend ist das Modell der Eucharistie als Garantie der Realpräsenz des geopferten Körpers in figura und die Präsenz dieses Körpers in der Imitatio Christi des von den Wundmalen gezeichneten Körpers. Darin sind Mimesis und Theatralität zwei 'Verfahren' der Evidenz: Mimesis an die Passio in den empfangenen Stigmata und mise en scéne des Körpers des Herren. Die Tagung Stigma. Körperzeichen (Hamburg, Dez. 2000) widmete sich dem paradigmatischen Wert, den die geistige Wunde, die sich körperlich realisiert, als Übertragung einer geistigen Liebeserfahrung in ein leibhaftiges Zeichen für die Frage nach der Möglichkeit einer Versicherung des Sinns der Zeichen(ordnung) gewinnt. Die Evidenz des Stigmas ist diejenige der spür- und sichtbaren Niederschrift einer transzendenten und transzendentalen Ordnung. Der Zusammenhang von Geist und Zeichen wird in der Deutung von Körper-Inschriften als geistigen Wunden beglaubigt. Die den religiösen Diskurs durchziehende Ambivalenz zwischen der figuralen und der verbuchstäblichenden Vorstellung von Realpräsenz erreicht im 19. Jahrhundert eine neue Virulenz in der Konkurrenz zwischen theologischem und medizinischem Diskurs. Hier ergeben sich Fragen nach den Modi der Zitationen, der Umschriften und der Performanzen. Die religiösen Modelle der Evidenz (aus Mittelalter und Barock) werden 'verfleischlichend' reinszeniert in charakteristischen Kontaminationen von erotisch-religiösem und medizinisch-naturwissenschaftlichem Diskurs, von Heiliger und Hysterikerin. Die Bühne der Evidenz ist der Körper der Frau. - Er ist Schauplatz der Evidenz; und dies benennt die performative Angewiesenheit des Effektes, der Evidenz heißt, wie -umgekehrt die (Szene der) Bühne zum Ort eines anderen passionierten Körpers wird: der Körper, der nicht regiert, der geopfert, der detailliert wird, der nicht-antike, der zergliederte Körper - im Zeichen der Reliquie (bis zu den Performances von Marina Abramovic). Die Auf-Sprengung der Tragödie im Trauerspiel des 19. Jahrhunderts kann in dieser Perspektive der passionierter Realisierung der christlichen Wundenmetaphorik, die Marter und Passion Christi zitiert, gelesen werden.

Teilprojekt: 'Bioglyphen'. Repräsentationsformen des Animalischen im 19. Jahrhundert

(Dr. Dietmar Schmidt) (Habilitationsprojekt)

Unter der Leitfrage nach dem Verhältnis von Poesie und Wissen untersucht das Projekt historische Umbrüche und Verschiebungen, die sich in spezifischen Relationen zwischen Körpern und Zeichen ereignet haben. Mit den im ausgehenden 18. und im 19. Jahrhundert entstehenden Biowissenschaften macht sich - weit über die Bereiche dieser Wissenschaften hinaus - eine Art von Zeichen bemerkbar, die den bis dahin vertrauten Kausalitäten nicht unterworfen scheinen. Mit dem Wissen vom Organismus als eines 'Un-Bedingten' (Schelling), als eines Körpers, der sich selbst zugleich Ursache und Zweck ist (Kant) und der sich, wie Th. Roose formuliert, den im Reich der leblosen Materie gültigen Naturgesetzen entzieht, sind Zeichen ins Spiel gebracht, die sich nicht einem Mechanismus oder einer naturhistorischen Ordnung der physikalischen Welt zuschreiben lassen, sondern die allein als Äußerungen eines Belebten, als Lebenszeichen, denkbar sind.
Die von den Paläontologen des 19. Jahrhunderts in Augenschein genommenen sogenannten Bioglyphen oder Spurensteine sind dafür ein Beispiel. Dabei handelt es sich um versteinerte Formen, die weder von Menschenhand gefertigt noch die Zufallsprodukte einer planlosen Mechanik toter Materie sind, sondern die (als versteinerte Fährten, Exkremente oder Ähnliches) von lebenden Organismen hervorgebracht sein müssen und von diesen Zeugnis ablegen können. Das Beispiel der Bioglyphen, denen ungeachtet ihrer Unscheinbarkeit wie anderen Fossilien eine weitreichende Leitfunktion als Zeitmarke geologischer Schichten zugetraut wird, verdeutlicht zugespitzt die Beschaffenheit der Lebenszeichen, mit denen man es zu tun hat: Es sind Zeichen einer Abwesenheit, die als solche nur in einer doppelten Operation, in einer metonymischen Bewegung auf ein Ganzes hin und in einer evidentiellen Ersetzung von Unbelebtem durch Belebtes (gleichsam einer ursprünglichen Rückverwandlung von Stein in Leben) gegeben sein können. Effekt dieser elementaren Operation ist eine totalisierende Verkörperung, mit der zugleich die Überwindung von Zeichendeutung zugunsten 'unmittelbarer' Wahrnehmung projektiert ist.
Von diesem mit der Bioglyphe sich besonders deutlich verbindenden Verfahren her sollen die im 19. Jahrhundert als Objekte des Wissens ebenso wie als solche der ästhetischen Reflexion vor Augen tretenden organischen Körper problematisiert werden. Unter diesen Bedingungen erhält vor allem das Tier eine privilegierte Funktion: Es kann als "verkörperte Gegenwart" (Schopenhauer) erscheinen. Dabei sind jedoch seine Merkmale, über die sich eine solche Verkörperung vollzieht, einem spezifischen Paradox unterstellt. Die äußerlichen Merkmale des Tiers können nicht, wie dies der taxonomisch verfahrenden Naturgeschichte des 18. Jahrhunderts noch möglich war, als distinkte Kennzeichen aufgefaßt werden, sondern sie zeigen die vielfach determinierte Außenseite komplexer Korrelationen, von denen angenommen wird, daß sie den Organismus als lebende Ganzheit formieren. So wird die Physiognomie des Tiers opak; sie kann den Praktiken von Physiologie und Anatomie keine wesentlichen Anhalte liefern. Gerade dadurch aber erhält die animalische Physiognomie eine verrätselte Signifikanz, in der Poesie und Wissen sich überlagern. Wie letzteres versucht auch die Poesie, über das Äußere der tierischen Gestalt hinauszugelangen, indem sie nämlich am Ideal der Merkmallosigkeit orientiert ist. Entsprechend der von Goethe auf den Organismus bezogenen Formel, daß Schönheit Vollkommenheit plus Freiheit sei, gerät jedes einzelne, besonders bestimmte Detail zu einer Gegebenheit, in der sich gerade nicht das spezifisch Lebendige aussprechen kann, sondern nur ein determinierender Anschluß an physikalische Außenbedingungen deutlich wird, so daß sich das Unbedingte in lebloser Bedingtheit verliert. Auf diese Weise findet die ästhetische Aufmerksamkeit für den tierischen Körper an den in unbelebter Materie hinterlassenen Spuren eines abwesenden Lebens und also an den Bioglyphen ihr Grundmodell.
Anhand von wissenschaftsgeschichtlichem und literarischem Material und insbesondere anhand von Texten einer sich im 19. Jahrhundert im Zwischenbereich von Poesie und Wissen fortsetzenden physiognomischen Tradition (C. G. Carus, S. Schack u. a.) sollen die Beschaffenheit und die Konsequenzen der paradoxen Erfordernis einer Verkörperung in Unbestimmtheit genauer untersucht werden. Gefragt werden soll, welcher Status den Tiergestalten dabei zukommt, und in welcher Relation sie zu den Entwürfen einer Anthropologie stehen, die seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert gerade dem Menschen die Stelle eines prinzipiell unbestimmten, unbedingten, nicht von vornherein durch äußere Determinanten geprägten Lebens zuweisen will. Ferner ist zu prüfen, ob sich von hier aus erläutern läßt, warum im 19. Jahrhundert gerade mit spezifischen Kategorien menschlicher Abweichungen (wie etwa der Rasse oder des Geschlechts) hartnäckig Merkmale des Animalischen verbunden sind.

Teilprojekt: Zwischen Magie und Perversion: Fetischismus und Literatur im 19. Jahrhundert

(Dr. des. Julika Funk)

Das Projekt untersucht diejenigen spezifischen semiologischen Operationen, die mit dem Wissensfeld des Fetischismus (zwischen Magie und Perversion) in Frage stehen, in dem sich im 19. Jahrhundert Bedeutungen und Ansprüche aus Ethnologie, Religionswissenschaft, ökonomischer Theorie und später Psychoanalyse überlagern. Nach der Kritik an der rassistischen "Pseudotheorie des Fetischismus" als einem "ungeheuren Mißverständnis zwischen zwei Zivilisationen" steht das Projekt dieser anthropologie-historischen Hypothek eingedenk im Kontext einer Revision der Kulturgeschichte des Fetisch(ismus), die mit kulturkritischen und diskursanalytischen Fragestellungen untersucht, was mit dem Fetisch(ismus) historisch verhandelt wurde, wofür er steht, bei welchem Anlaß und wie man von ihm spricht. Eine solche Revision läßt vermuten, daß der Wert von Gegenständen, auch der symbolische, aber auch die Frage des Kulturkontakts selbst, der interkulturellen Verständigung und des Machtverhältnisses zwischen Kulturen, verhandelt wird. Beides wird als Problematik unterschiedlich kodierter semiotischer Prozesse sichtbar, als Problematik von Zeichenhaftigkeit (von Identitäten) schlechthin. Der magische Fetisch wird für die Literatur interessant, wenn die Präsenz von Bedeutung und die Evidenz ihrer Darstellungslogik in Frage steht. Die Texte lassen sich von den metaphorischen und wörtlichen Bedeutungen affizieren, die sich im ‚Fetisch' überlagern, exponieren und figurieren. Die Literatur bietet als Lösungen unterschiedliche diskursive Strategien an, die Gegenstand der Untersuchung sein sollen und in Beziehung zu setzen sind zu wissenshistorischen Diskursformationen. Das Projekt verfolgt zwei verschiedene Fragerichtungen: eine wissenshistorische, die sich für die epistemologischen Konstellationen, die an die europäische Kolonialgeschichte anschließen, interessiert und für den Weg des Begriffs Fetischismus von der Ethnologie in die Psychoanalyse. Literaturhistorisch werden zwei Fragen untersucht werden: auf welche Weise diese Konstellationen Eingang in die Literatur finden und auf welche Weise sie sich auch aus der Literatur speisen, insbesondere aus der Reiseliteratur.

Bearbeitungsstand

Das aktuelle Projekt Körperzeichen zwischen religiöser Einschreibung und medizinischer Diagnose wurde gemeinsam mit Prof. Dr. B. Vinken (Hamburg) konzipiert (als Teilprojekt für das transuniversitäre Projekt "Evidenz als Verfahren", einzureichen bei der DFG). Bereits stattgefunden hat die Internationale Tagung: Stigma. Körperinschriften, Konzeption von Prof. Dr. Menke und Prof. Dr. Barbara Vinken (Hamburg), Warburg-Haus Hamburg 6.-8. 12. 2000 (gefördert durch die DFG). Das Projekt wurde in Vorträgen vorgestellt.

Die Ergebnisse des Projekts 'Bioglyphen'. Repräsentationsformen des Animalischen im 19. Jahrhundert (Dr. Dietmar Schmidt) sollen im Rahmen einer Monographie (Habilitationsschrift) dargestellt werden, die sich in Arbeit befindet. Darüber hinaus wurden Teilbereiche des Projekts in Vorträgen und Aufsätzen ausgeführt.

Das Projekt Zwischen Magie und Perversion: Fetischismus und Literatur im 19. Jahrhundert (Julika Funk) wurde 2000 begonnen und wird fortgeführt; Sichtung der Forschungsliteratur und des Materials sind noch nicht abgeschlossen. Erste Zwischenergebnisse wurden auf einer Tagung präsentiert. Eine weitere Präsentation zu Fetisch und Literatur im 19. Jahrhundert ist geplant für Winter 2001 im Rahmen des Kollegs zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen Ablösung oder Erneuerung? Zur Literaturwissenschaft als Kultur- und Genderwissenschaft, Universität-Gesamthochschule Siegen (Prof. Renate Kroll, Prof. Hedda Ragotzky)

Berichte, Publikationen

Bettine Menke

"Mund und Wunde, zur Begründung der poetischen Stimme" (C. v. Brentano, A. K. Emmerick), Vortrag auf der Tagung Stigma. Körperinschriften, Warburg-Haus Hamburg 6. - 8. 12. 2000.
"Stigmata. Körperzeichen und Literatur", Vortrag im Rahmen des Forum Kulturwissenschaft, 22.1. 2001 Erfurt.
"Leiche als Emblem", in: Fundorte des Körpers. Kulturelle Konstruktion und kulturwissenschaftliche Aktualität, hg. v. Dietmar Schmidt, Weimar 2001.
Stigma. Körperinschriften, hg.v. Bettine Menke, Barbara Vinken, Veröffentlichung der Tagungsbeiträge in Vorbereitung (Freiburg oder Weimar).
Art. "Eucharistie" für das Lexikon Gedächtnis und Erinnerung, hg. von N. Pethes, J. Ruchatz, Reinbek (Rowohlt) 2001.

Dietmar Schmidt

"'Viehsiognomik' - von Lavater bis Darwin", Vortrag am Institut für Germanistik der Universität Rostock, Januar 1999
"Fundorte des Körpers. Kulturelle Konstruktion und kulturwissenschaftliche Aktualität". In: Kaleidoskopien. Heft 3/2000
"Klimazonen des Geschlechts. Zeugung um 1800", in: Metis. Jg. 9 (2000), H. 17, S. 8-29 Fundorte des Körpers, hg. v. D. S., Weimar 2001
"'Possierlichkeit'. Die Physiognomie des Versuchstiers", in: Fundorte des Körpers, Weimar 2001
"Fossilien. Das Insistieren der Körper im Diskurs der Kulturwissenschaften", in: Grenzverläufe. Der Körper als Schnitt-Stelle, hg. von Annette Barkhaus, Anne Fleig (erscheint München 2001)
"Das Gesicht der Mikroskopie", in: Mediale Anatomien, hg. v. Annette Keck, Nicolas Pethes (erscheint Bielefeld 2001)
"'Viehsionomik'. Repräsentationsformen des Animalischen im 19. Jahrhundert", Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Forum Kulturwissenschaft, Universität Erfurt, April 2001

Julika Funk

"Fetisch des Fremden. Zum Singulären in Achim von Arnims Melück Maria Blainville, die Hausprophetin aus Arabien", Vortrag auf der Tagung Singularitäten, Universität Hamburg 2000, (Veröffentlichung in: Marianne Schuller, Elisabeth Strowick (Hg.): Singularitäten, 2001)

Kooperationspartner

Das Projekt Körperzeichen zwischen religiöser Einschreibung und medizinischer Diagnose wurde in Kooperation mit der Romanistin und Kulturwissenschaftlerin Prof. Dr. B. Vinken (Universität Hamburg) konzipiert.

Projekttyp

Das Projekt Körperzeichen zwischen religiöser Einschreibung und medizinischer Diagnose ist ein Teil des transuniversitären Projekts "Evidenz als Verfahren", einzureichen bei der DFG.

Titel des Oberprogramms

"Evidenz als Verfahren"

Literarische (Un)Ordnungen der Geschlechter

Literarische (Un)Ordnungen der Geschlechter

Prof. Dr. Bettine Menke
Dr. Dietmar Schmidt
Dr. des. Julika Funk

Das Projekt greift Forschungshypothesen der literaturwissenschaftlichen Gender-Theorie auf und umfasst literaturanalytische sowie diskurs- und wissenshistorische Fragen an das Verhältnis von Literatur und Ordnung der Geschlechter seit 1800. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Frage, wie die kulturelle Konstruktion von Geschlechterdifferenz beschaffen ist, die die Grenzen der Wahrnehmung, des Wissens und der literarischen und diskursiven Rede von Geschlechterdifferenz strukturiert und instituiert. Eine der zentralen Forschungsfragen betrifft die Verfahren der Stabilisierung einer oppositiven und hierarchischen Ordnung der Geschlechter als kulturelle Konstruktion unter modernen Bedingungen. Das Projekt setzt sich mit der These auseinander, daß sich die moderne Ordnung der Geschlechter über spezifische Verfahren der Naturalisierung konstituiert, und spannt das Problem der Naturalisierung der Kategorie Geschlecht und ihres Stellenwerts für eine Ordnung der Geschlechter in komplexe Bezüge von literaturtheoretischen sowie diskurs- und wissenshistorischen Fragestellungen ein. Das Projekt will ausgehend von diesen Leitfragen zum einen bedeutungskonstitutive Strategien der Etablierung einer essentialistisch festgeschriebenen Opposition der Geschlechter rekonstruieren, zum anderen Prozesse der Auflösung eines binären Modells von Geschlechterdifferenz, sowie Momente der Transgression und Subversion in ihrer eigenen Dynamik zeigen. Es verfolgt das Anliegen, die funktionalen und dysfunktionalen Wechselwirkungen zwischen diskursiver Etablierung und Rhetorik der Transgression oder Subversion, zwischen Ordnung und Unordnung der Geschlechter darzustellen.

Teilprojekt: Romantische Verwirrung der Geschlechter - Zum Geschlechterdispositiv in romantischen Texten

(Dissertation, Dr. des. Julika Funk)

Das Projekt wendet sich gegen die Forschungshypothese eines übergreifenden androgynen Ideals des Geschlechterverhältnisses in romantischen Texten. Es geht stattdessen davon aus, daß im Begriff der Androgynie ein polares Geschlechtermodell aufgehoben ist, das erst in romantischen Texten in einem spezifischen konstitutiven Zusammenhang von philosophischen, naturwissenschaftlichen und poetischen Konzepten erschrieben und entfaltet wird. Das Projekt verfolgt dabei ein doppeltes Anliegen: zum einen die bedeutungskonstitutiven Prozesse zu rekonstruieren, zum anderen Prozesse der Auflösung des starren Modells einer Opposition der Geschlechter in ihrer symbolischen Dynamik ernst zu nehmen. Es geht der Frage nach, welche funktionalen Prozesse und Wechselwirkungen zwischen der diskursiven Etablierung einer essentialistisch festgeschriebenen, hierarchischen Opposition der Geschlechter und ihrer Subversion durch eine Rhetorik und Metaphorik geschlechtlicher Uneindeutigkeit bestehen. Die Perspektive einer "romantischen Verwirrung der Geschlechter" benennt einen Begriff, der in der Romantik poetologische Relevanz entfaltet und Literarizität und das Funktionieren von Textualität, die rhetorische und performative Dimension literarischer Texte, ihre eigenen, einer ästhetischen oder poetologischen Programmatik folgenden Mechanismen und Strategien betrifft. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es daher, die in diesem konstitutiven Zusammenhang spezifische Verquickung von Sexualität und Textualität genauer zu verfolgen und zu beschreiben. Eine kulturwissenschaftliche und diskursanalytische Rekonstruktion soll zeigen, daß die poetologische Programmatik der Texte keiner linearen Diskursivität oder Repräsentationslogik entspricht, sondern ein kulturelles Dispositiv offenbart, das die Rede von Geschlechterdifferenz strukturiert und die Grenzen der Wahrnehmung, des Wissens und der rhetorischen Verfaßtheit von Geschlechterdifferenz (in Romantik und Moderne) instituiert und bearbeitet.
Das Projekt skizziert in einem ersten Teil zunächst geschlechtertheoretische, kulturwissenschaftliche und diskurshistorische Überlegungen, die das moderne Dispositiv der Geschlechter im Bezug auf Signifikationsprozesse und Repräsentationslogiken einer Natur- und Kultur-Dichotomie, von Identitätskonzepten und Körperpolitik, und einer soziokulturellen Ordnung der Geschlechter einordnen. In einem zweiten Teil werden in der Auseinandersetzung mit ästhetischen und (natur-)philosophischen Texten spezifische epistemologische Umbrüche um 1800 beschrieben, die die Utopie des Androgynen als romantische Hermeneutik der Geschlechter zeigen, die im naturphilosophischen ‚Geheimnis der Natur' die strukturelle Doppelgeschlechtlichkeit entdecken und die schließlich Geschlechterdifferenz als ästhetische Konstruktion verhandeln in Metaphorisierungen des Hermaphroditen und des Weiblichen. Ein dritter Teil verfolgt anhand kanonischer und weniger kanonisierter literarischer Texte die Metamorphosen, in denen sich die ambivalente Struktur von Konstruktion und Transgression der Geschlechteropposition zeigt und modelliert.

Teilprojekt: "Die Natur haßt das Geschlecht" - De-Markierungen sexueller Differenz

(Dr. Dietmar Schmidt)

Anknüpfend an wissenschaftshistorische Problemkonstellationen und an die mit ihnen verbundenen Darstellungsstrategien setzt sich das Projekt mit einem gendertheoretischen Gemeinplatz auseinander. Dieser besagt, daß die Ordnung der Geschlechter sich - vor allem seit dem 19. Jahrhundert - in spezifischen Verfahren der Naturalisierung konstituiert und befestigt, und er impliziert als politische Schlußfolgerung, daß, um diese Ordnung zu hinterfragen oder zu erschüttern, vor allem der Schein ihrer 'Natürlichkeit' zerstreut werden müsse. Dieser Befund soll mit einer Position konfrontiert werden, die mit einer Äußerung Schellings (1799) auf den Punkt gebracht ist: "Die Natur haßt das Geschlecht". Mit der Entstehung der organischen Welt, so konstatiert Schelling, entsteht in der Natur zugleich die Trennung der Geschlechter als deren unhintergehbare Voraussetzung. Diese Trennung - die Geschlechterdifferenz - sei von Anfang an natürlich beschaffen, stehe aber dennoch zur Natur in einem unaufhebbaren Widerspruch, den diese ebenso beständig wie vergeblich zu tilgen versuche. Diese Vorstellung, daß der Unterschied der Geschlechter einerseits natürlich und daß er andererseits gegen die Natur und die Natur gegen ihn ist, erinnert daran, wie sehr die Idee der Natürlichkeit der Geschlechterdifferenz historisch von dem Gedanken begleitet gewesen ist, daß auch der Widerstand gegen die Natürlichkeit der Geschlechter naturgemäß sei. Damit stellt sich die Frage, inwiefern Strategien, die darauf zielen, die Naturalisierung der Geschlechterkategorien zu unterlaufen, ihrerseits immer schon Bestandteil des Komplexes sein mögen, den sie aufzulösen suchen. Im Rahmen des Projektes soll diese Frage in zweifacher Hinsicht vertieft werden: Einerseits werden einzelne historische Konstellationen in den Blick genommen, in denen zugleich mit der Rede vom natürlichen Geschlechtsunterschied dessen Rücknahme und Widerruf im Namen einer identischen Natur erfolgt. Aufschlußreich sind dabei etwa die um 1800 entstehenden Zeugungstheorien, die die Notwendigkeit entdecken, Fortpflanzung als geschlechtlich zu denken, und dennoch zugleich Modelle fortschreiben, in denen Reproduktion ohne systematischen Rekurs auf einen Geschlechtsunterschied konzipiert worden war. Andererseits ist zu zeigen, wie ein solches Ineinander von Markierung und De-Markierung sexueller Differenz in anderen Feldern des Wissens - für die die Psychoanalyse und ihre Kontexte um 1900 exemplarisch stehen mögen - als eine von ‚natürlichen' Geschlechtern abgelöste symbolische Praxis begriffen und vollzogen wird. Von beiden Seiten her gewinnt das Problem der Naturalisierung von Geschlecht und die Frage nach ihrem Stellenwert für den Bestand einer Ordnung der Geschlechter erheblich an Komplexität.

Teilprojekt: Paradoxien einer modernen Ordnung der Geschlechter

(Dr. des. Julika Funk)

Für das 19. Jahrhundert haben Soziologie und Geschichtswissenschaft eine moderne Ordnung der Geschlechter beschrieben, in der einerseits im Zuge der Ausdifferenzierung der Wissenschaften das Thema Geschlechterdifferenz in eine Sonderanthropologie des Weiblichen abgedrängt wurde, andererseits aber ein strikter Dualismus der Geschlechter unter der Oberfläche moderne ‚Meisterdiskurse' seine essentialistischen Spuren hinterläßt. Das Ergebnis ist ein "gespanntes Zugleich von menschlichen Verallgemeinerungen und geschlechtlichen Besonderungen" (Claudia Honegger), das in die "Herzkammer der Moderne" eingelassen ist. Das Projekt widmet sich diesem latenten Geschlechterdualismus um 1900, der nun im Kontext einer ‚Ökonomie der Alterität' steht und in der das Begriffspaar weiblich/männlich zur "Metapher der modernen Krise der Kultur" (Jacques Le Rider) mutiert. Die weibliche Position im besonderen wird zum Ort einer Selbstreflexion einer prekären Subjektivität. Moderne Kulturtheorien beziehen sich zwar auf Ausdifferenzierungen und Komplexitätssteigerungen der sozio-kulturellen Geschlechterordnung, operieren aber weiterhin mit traditionellen Weiblichkeitsmythen, die den Prozessen der Modernisierung eine entdifferenzierende ‚natürliche' Ordnung entgegenzusetzen scheinen. Diese Unentschiedenheit läßt widersprüchliche Diskurse entstehen, die nicht zuletzt in der Literatur ihre Entfaltung finden.
 

Teilprojekt: Queer Representations

(Dr. des. Julika Funk)

Das Projekt nimmt Anregungen aus der Queer Theory auf, die Repräsentationen von Homosexualität nicht als Ausdruck sexueller Identitäten versteht, sondern als geschlechtliche Konstruktionen, die sich in spezifischer Weise auf dominante heteronormative Modelle des Geschlechterverhältnisses beziehen. Das Projekt interessiert sich sowohl für die theoretischen Entwürfe einer Subversion von Geschlechtsidentitäten und die theoretische Thematisierung der Grenze von Geschlechterordnungen als auch für spezifische Repräsentationen von Homosexualität in der modernen Literatur. Das Projekt unternimmt aus dieser Perspektive eine Revision literarischer Texte der Moderne, die explizit oder implizit das Verhältnis homo- und heterosexueller Begehrenstrukturen verhandeln.
 

Bearbeitungsstand

Das Gesamtprojekt ist ein laufendes Projekt, das auf bereits veröffentlichte Vorarbeiten aufbaut und weiter verfolgt wird.
Das Dissertationsprojekt Romantische Verwirrung der Geschlechter - Zum Geschlechterdispositiv in romantischen Texten (Julika Funk) ist abgeschlossen. Die beiden Teilprojekte Paradoxien einer modernen Ordnung der Geschlechter und Queer Representations sind laufende Projekte, von denen Zwischenergebnisse in Aufsätzen und Vorträgen präsentiert wurden. Vorträge zu Monströse Körper. Fremde Körper in kulturwissenschaftlicher Perspektive (Universität Greifswald, 2001) und Identität versus Hybridität? Kulturwissenschaftliche Konzepte und theoretische Ansätze in der Diskussion (Universität Zürich, 2001) sind geplant. Lexikonartikel für das Lexikon Gender Studies (hg. v. Renate Kroll, Metzler-Verlag) zu Geschlechterforschung, Gay Studies, Sexuelle Identität, Sexuelle Orientierung, Transgender People, Drag, Judith Butler, Teresa de Lauretis sind in Arbeit.
Das Projekt "Die Natur haßt das Geschlecht". De-Markierungen sexueller Differenz (Dr. Dietmar Schmidt) baut auf Problemstellungen einer bereits veröffentlichten Arbeit auf (vgl. D. S.: Geschlecht unter Kontrolle. Prostitution und moderne Literatur. Freiburg i. Br. 1998). Ergebnisse wurden in Vorträgen präsentiert und in zwei Aufsätzen ausgearbeitet.

Berichte, Publikationen

Bettine Menke

"Penthesilea - Das Bild des Körpers und seine Zerfällung", in: Erotik und Sexualität im Werk Heinrich von Kleists (Heilbronner Kleist-Kolloquien II). Heilbronn 2000, 117-136.
NachWort zu Judith Butler: "Antigones Verlangen. Verwandtschaft zwischen Leben und Tod", Veröffentl. d. Einstein-Forum Potsdam, hg. v. Gary Smith, Ffm.: Suhrkamp 2001, 139-155.
"Penthesilea, Die Ordnung der Geschlechter und ihr Riß", in: Grenzüberschreitungen: "Feminismus" und "Cultural Studies", hg. v. D. Buchwald u.a., Aisthesis-Verlag 2001 (im Druck), 221-254.
"Fontanes Melusinen. Realismus, Bild und Phantastische Digressionen", in "Das verortete Geschlecht" (im Druck) 2001.

Julika Funk

"Das iterative Geschlecht. Zur verzögerten Historizität von Geschlechterdifferenz", in: Hannelore Bublitz/ Susanne Omran (Hg.): Jahrhundertende - Geschlechterwende?, metis. Zeitschrift für historische Frauenforschung und feministische Praxis, Nr. 17, 9. Jg., 2000, S. 67-86.
"Die melancholische (Un-)Ordnung der Geschlechter in der Moderne und die Androgynie-Utopie", in: Androgynie. Vielfalt der Möglichkeiten, hg.v. Ulla Bock/ Dorothee Alfermann, Jahrbuch für Frauenforschung ‚Querelles' Bd. 4, 1999, 35-55.
gemeinsam mit Cornelia Brück (Hg.): Körper-Konzepte, Tübingen 1999.
"The lesbian body - a monstrous or a transcendental signifier? Lesbian representation and cultural construction", (Workshop im Rahmen der Internationalen Frauen Universität, Bremen, 2000; Publikation 2001).
gemeinsam mit Ralph J. Poole: "Was sind Lesben? Was sind Schwule?", in: Quergedacht: Geschlecht, Wissenschaft, Disziplin, Vortragsreihe im Wintersemester 1999/2000, (Reader Gender Studies an der Universität Konstanz), hg.v. Frauenrat der Universität Konstanz, Konstanz 2000, 158-185.

Dietmar Schmidt

"Bargeldloser Verkehr. Zu einem ökonomischen Phantasma moderner Prostitution", Vortrag am Evangelischen Studienwerk, Villigst, August 1999.
"Klimazonen des Geschlechts. Zeugung um 1800", in: Metis. Jg. 9 (2000), H. 17, S. 8-29

Kulturwissenschaftliche Perspektiven in der Literaturwissenschaft

Kulturwissenschaftliche Perspektiven in der Literaturwissenschaft

  • Fremd-Körper und Ordnung der Zeichen (Julika Funk)

  • Spuren des Fremden: Kulturanthropologische Konzepte in der Literaturwissenschaft. (Julika Funk)

Gedächtnis der Texte

Gedächtnis der Texte.

Prof. Dr. Bettine Menke
Dr. Dietmar Schmidt

Das Projekt "Gedächtnis der Texte" widmet sich zum einen der Ausarbeitung von Modellen und Formen jener Arbeit, die das Erinnern ist, und die es notwendig macht, deren konstitutive Produktivität für das, was gewöhnlich für den Gegenstand des Erinnerns gehalten wird, zu konzipieren. Solche Modelle sind die Mnemotechnik ebenso wie Archäologie und Archiv. Zum anderen werden damit jene Figuren (der Sprache, der Rhetorik) relevant, die die Texte organisieren und sie als Orte des Gedächtnisses (anderer Texte, anderer Diskurse und Archive) ausprägen. Solche Figuren sind das Zitat, als traditionelle Formulierung der Intertextualität der Texte, ebenso wie Echo und Paronomasie, die als Figuren der Wiederholung Gedächtnis ausbilden.
 

Teilprojekt: Ausgrabungen. Metapher und Methode

(Dr. Dietmar Schmidt)

Seit geraumer Zeit kommt dem Begriff der 'Archäologie', aber auch der Rede von geologischen 'Schichtungen', 'Ablagerungen' oder 'Formationen' in den Kulturwissenschaften ein zentraler Stellenwert zu. Indiziert ist damit die Frage nach den spezifisch historiographischen Verfahrensweisen dieser Wissenschaften, das heißt nach der kulturwissenschaftlichen Relevanz geschichtlicher Kontinuitäten und Brüche, umfassender Zeiteinheiten (Epochen) und singulärer Ereignisse, historischer Gleichzeitigkeiten, Abfolgen und Kausalitäten. Die Metaphorik des Archäologischen und Stratigraphischen erscheint dabei innerhalb der Kulturwissenschaften mindestens zweifach zur Bezeichnung bestimmter Konstruktionsweisen von Historizität autorisiert: nämlich zum einen durch die Arbeiten Foucaults, die die Zirkulation der in Frage stehenden Metaphern in neuerer Zeit entscheidend beschleunigt haben, und zum anderen durch Schriften Freuds, in denen er die Vorgehensweisen und Objekte psychoanalytischen Wissens in Relation zu denjenigen des Archäologen erläutert. Gerade diese mehrfache Herkunft der archäologischen Metaphorik ist es, die sie sowohl produktiv als auch unscharf werden läßt. Soll die archäologische Grabungswissenschaft bei Freud die Funktionsweise des Gedächtnisses und die Arbeit des Erinnerns bezeichnen, so wird die Rede von der Archäologie bei Foucault mit dem Konzept des 'Archivs' verbunden und dem des Gedächtnisses (auch im Freudschen Verständnis) explizit entgegengesetzt. Beide zusammen wiederum - Freud und Foucault - nehmen auf sehr komplexe, wenn nicht entstellende Weise auf archäologische Formen des Wissens bezug, die nicht unbedingt durch die Geschichte dieser Disziplin motiviert erscheint. Archäologie ist wie kaum eine andere Wissenschaft ursprünglich mit dem Historismus des 19. Jahrhunderts verbunden, von dem sich Psychoanalyse und diskursanalytische Historiographie (wenn auch auf je andere Weise) entschieden abzusetzen versuchen. Diese Absetzbewegung gilt erst recht für Kontexte, in denen Kulturwissenschaft heute ihre jeweilige Methode als 'Archäologie' deklariert. Um so ungewisser ist daher, welche spezifischen Gegenstände und Verfahrensweisen eine solche Rede jeweils konturiert. Deshalb unternimmt das Projekt in einer doppelten - metaphorologischen und wissenschaftsgeschichtlichen - Perspektive den Versuch, konkrete historische Konstellationen von Ausgrabungsmetaphern und archäologischem Wissen zu untersuchen, um anhand der so gewonnenen Modelle gewisse ‚archäologische' Tendenzen von Kulturwissenschaft umreißen zu können.

Bearbeitungsstand

Das Projekt wurde in Teilen in Form von Artikeln für das Lexikon Gedächtnis und Erinnerung (Rowohlt-Verlag Okt. 2001) realisiert; diese liegen vor und sind in den Druck gegangen.
Im übrigen soll das Projekt, auch in seinem Teilprojekt, als eine Serie von Einzeluntersuchungen verwirklicht werden, in denen jeweils spezifische Aspekte des Problemfeldes im Zentrum stehen. Ergebnisse wurden bisher in mehreren Vorträgen präsentiert und zur Publikation ausgearbeitet. Weitere Beiträge werden folgen. Weiter geplant sind u. a.: "Rhetorik des Echos, Rhetorik des Erinnerns", für Weibliche Rhetorik, Münster, Juli 25.-27. 7. 2001. "Intertextualität der Penthesilea" (das Opfer der Amazonen), für: Campe/ Theisen (Hg.): Penthesilea - Jenseits der Methode. Exemplarische Analysen literarischer und literaturwissenschaftlicher Referenz, Freiburg 2002.

Berichte, Publikationen

Bettine Menke

"Zur Frage der Gespenster", Beitrag zu Rembert Hüser: "We are Familiy - (remix 98)", in: Jörg Schönert (Hg.): Literaturwissenschaft und Wissenschaftsforschung, Stuttgart, Weimar (Metzler) 2001, 573-599 [589/90].
Art. "Eucharistie", Lexikon Gedächtnis und Erinnerung, hg. von N. Pethes, J. Ruchatz, Reinbek (Rowohlt) 2001.
Art. "Zitat", Lexikon Gedächtnis und Erinnerung, hg. von N. Pethes, J. Ruchatz, Reinbek (Rowohlt) 2001.
"Exzitationen", in: Zitierfähigkeit, Tagungsband hg. v. R. Poole, Berlin: E. Schmidt Vlg. 2001.
"Über die Wiederholung, die die Echos sind", in: Wunsch-Maschine-Wiederholung, Freiburg (Rombach) 2001

Dietmar Schmidt

"Abfallarchäologie. Virchow - Schliemann - Freud", Vortrag am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, Juni 2000
"Die Wiederkehr des Verdrängenden. Archäologien der Geschlechterdifferenz um 1900", in: Mannsbilder, hg. von Karin Tebben, Bielefeld 2001
Art. "Archäologie", in: Lexikon Gedächtnis und Erinnerung, hg. von N. Pethes, J. Ruchatz, Reinbek 2001
Art. "Fossil", in: Lexikon Gedächtnis und Erinnerung, hg. von N. Pethes, J. Ruchatz, Reinbek 2001
Art. "Konservierung", in: Lexikon Gedächtnis und Erinnerung, hg. von N. Pethes, J. Ruchatz, Reinbek 2001
"Fossilien. Das Insistieren der Körper im Diskurs der Kulturwissenschaften", in: Grenzverläufe. Der Körper als Schnitt-Stelle, hg. von Annette Barkhaus, Annette Fleig, ersch. vorauss. München 2002

Rhetorik

Rhetorik. Figuren und Tropen

Prof. Dr. Bettine Menke

Die Rhetorik in ihren zentralen der elocutio angehörenden Bereichen Stilfiguren und Tropen ist längst als eminentes Reservoir literarischer Formen wie eines analytischen Instrumentariums der Literaturwissenschaft bekannt. Dennoch gab es mit und nach dem Strukturalismus eine Wendung zur Rhetorik, die deren Rehabilitation (bei Gadamer) und mehr noch deren Wiederentdeckung vor allem in Frankreich und in den USA genannt werden kann. Die neuartige Beschreibung der und Arbeit mit den Figuren profiliert die Perspektive der Rhetorik vor der der Ästhetik, die als Entrhetorisierungsprojekt beschrieben werden kann; und sie diskutiert sie im Spannungsfeld der Diskursgeschichte und der Medienanalyse. Dies kann eine ‚Neue Rhetorik' nur, indem sie zugleich über den Bereich der elocutio hinausreicht, etwa in der Perspektive der Performanz in jene der persuasio und der actio.
 

Bearbeitungsstand

Nach den umfänglichen rhetorischen Figuren gewidmeten Untersuchungen zur Prosopopoiia und zur Allegorie soll die weitere Bearbeitung des Projekts als eine Serie von Einzeluntersuchungen verwirklicht werden, in denen jeweils spezifische Aspekte des Problemfeldes im Zentrum stehen. Ergebnisse wurden bisher in mehreren Vorträgen präsentiert und zur Publikation ausgearbeitet. Weitere Beiträge werden folgen. Geplant sind u.a.: Lexikon-Artikel "Personifikation", für: Historisches Wörterbuch Ästhetischer Grundbegriffe, Stuttgart (Metzler, 2002). Mitorganisation der Tagung Manierismus zusammen mit Prof. Dr. E. Greber (München), (Konstanz Februar 2001, verschoben auf 8.-10. Nov. 2001), Veröffentlichung im G. Narr Vlg. (Tübingen), Vortrag: "Ein doppelzüngiger Schelm: Der Witz".
 

Berichte, Publikationen

Bettine Menke

Monographie:

Prosopopoiia. Stimme und Text bei Brentano, Hoffmann, Kleist und Kafka--, München: Fink, 2000.

Artikel in Handbüchern und Sammelbänden:

"Rhetorik der Stimme", in: Medien- und Kulturgeschichte der Stimme, hg. v. Sigrid Weigel, Berlin: Akademie Verlag 2001
Art. "Allegorie: Aesthetica" (mit A. Haverkamp), für: Historisches Wörterbuch Ästhetischer Grundbegriffe, hg. v. Karl-heinz Barck, Martin Fontius, Dieter Schlenstedt, Burkhart Steinwachs, Friedrich Wolfzettel, Stuttgart: Metzler 2000, Bd. I, 49-104.
"'Wie man in den Wald hineinruft ...' Die Echos des Übersetzens", in: Übersetzen: Walter Benjamin, hg.v. C. Hart-Nibbrig, Ffm.: Suhrkamp, 2001, 366-393. (andere engl. Fass. für: Benjamin and Romanticism (hg. v. B. Hansen u. A. Benjamin )
"Über die Wiederholung, die die Echos sind", in: Wunsch-Maschine-Wiederholung, Freiburg: Rombach 2002.
"Rhythmus und Gegenwart", in: Rhythmus (Tagungsband des Graduiertenkollegs Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung), Ffm. 2001.

Polarfahrten

Polarfahrten der Bibliothek

Prof. Dr. Bettine Menke

Mit Polargebieten und in den Expeditionen in diese geben Texte sich eine metatextuelle Metapher. Stellt das Polargebiet einerseits topos der Primarität, der anfänglichen Leere ohne Spuren, so ist anderseits in den literarischen Texten auch die Paradoxie dieser metaphorischen Modellierung zu lesen: Das Erreichen einer Terrains ohne Spuren des Menschen, das noch kein menschlicher Fuß betreten habe, gibt das Modell ab für die Polarfahrt - an die Ende des 19. Jahrhundert einzig noch verbliebenen unbetretenen Orte, die "weißen Flecken" der Landkarten, die in Polargebieten realisiert sind. Aber das gesuchte Gebiet der Spurlosigkeit wird aufgesucht nur mit einer reichen Ausstattung an Mythen und Büchern, im Medium der Intertexte, in der Ordnung der Spuren. Das Polargebiet dementiert als Bibliotheksphänomen, das es ist, durch seine intertextuelle Verfaßtheit das, was in ihm aufgefunden werden sollte, den Ort ohne Spuren. Es wird begangen schon immer in den Spuren von Vorgängern.

Bearbeitungsstand

Das Projekt Polarfahrten der Bibliothek wurde im Berichtszeitraum abgeschlossen. Das Projekt mündete in einem umfänglichen, bereits in der DVjs erschienenen Aufsatz. Weitere Aufsätze sind bereits im Druck, bzw. in der Übersetzung.

Publikationen

"Die Polargebiete der Bibliothek. Über eine metapoetische Metapher", DVjs 4/ 2000, 545-599
"Das Polargebiet als Bibliotheksphänomen und die Polargebiete der Bibliothek: Nachfahren Petrarcas und Dantes im Eis und in den Texten"; in: Imaginatio borealis (Veröffentlichung des Graduiertenkollegs "Bilder des Nordens" Univ. Kiel) 2001, 145-172;
"Polar exterritoriality", in: From Mercator-Projection to Freudian Phantasm: The Myth of the 'Hollow Earth' in Literature, Science and Culture, hg. v. H. Berressem, U. Schwagmeier, Amsterdam, New York (Rodopi) 2001 (+ CD-ROM);
"Polare Apokalypsen oder Enden und Spuren" (Symposion Apokalypse. Der Anfang im Ende, 16-18. März 2000 des Graduiertenkollegs "Pragmatisierung/ Entpragmatisierung"), Tübingen 2001;
"Polargebiete: Räume ohne Spuren"; engl. Fass. für Faltungen, Brüche, Räume, Amsterdam, New York (Rodopi), 2001)

Lehrveranstaltungen

SoSe 2020 BA Übersetzung(en)

Seminarankündigung

Übersetzungen betreffen literarische Texte in mehrfacher Hinsicht: Sie werden übersetzt und in andere Kontexte übertragen; sie können das Übersetzen (etwa mit Übersetzer/in-Figuren) zum Motiv, zum Thema oder auch zur eigenen Struktur machen.

Und umgekehrt wird gerade bezüglich literarischer Texte in Frage gestellt, ob sie überhaupt übersetzbar seien (Jakobson verneint das) oder ob es nicht umgekehrt so ist, dass literarische Texte eine besondere Nähe zu den Übersetzungen habe, weil die einen und die anderen die Sprache ‚selbst‘ fremd machen und sich zur Sprache als keineswegs selbstverständlichem Medium verhalten.

Übersetzungen gehören zu den Phänomene der Intertextualität. Sie sind eine Weise, wie Texte sich auf andere Texte beziehen. Die Beziehung zwischen Über­set­zung und ‚Original‘ kann als Konkurrenz oder ‚dialogische Ergänzung’, als Verstehen und Treue oder als Verrat durch den Über-Träger gedacht werden.

Fraglich ist, ob es einen gemeinsamen Grund ‚jenseits‘ der jeweiligen Sprachen gibt. Und zwar u.a., weil ein jeweiliger Zusammenhang von Sprache und Denken (seit Schleiermacher) angenommen wird, und nicht gut als hintergehbar oder auflösber vorstellbar ist.

Im Übersetzen werden aber nicht nur die Differenzen zwischen den (vermeintlich homogenen) Sprachen angetroffen, sondern auch solche in der jeweiligen Sprache.  Und gerade solche will das Seminar in die Aufmerksamkeit rücken.

Daher kommen auch gerade ‚Migrations’Aspekte zwischen und in den Sprachen zur Geltung, die nicht erst in den letzten Jahren besondere Relevanz erlangt haben. Wieviele Menschen sprechen und schreiben in einer anderen Sprache? Und wie sehr (oder gar nicht) hält die Bindung an die ‚Muttersprache‘, die der romantische Übersetzungstheoretiker Schleiermacher ausgegeben hat und die vor allem im Nationalismus des 19. Jh. eine beschränkende und normierende Dominanz gewann, die der Befragung dringend bedarf.

Die theoretische und literarische Praktiken, die das zeigen können, u.a. von Kafka, Benjamin, Celan, Joyce, Cixous, Derrida, Tawada u.a., sollen im Seminar herangezogen.

In den letzten Jahrzehnten wurde Übersetzen auch in Hinsicht von interkulturellen Re­la­tio­nen, Operationen und Verhandlungen betrachtet. Diese Perspektive wird das Seminar ein­beziehen.

Das Seminar fokussiert dafür insbesondere auf die Vielsprachigkeit und die Andersprachigkeit der Texte.

Über die Texte und Materialien wird in Kooperation mit den Teilnehmer/innen entschieden. Melden Sie sich bitte bei Interesse: bettine.menke@uni-erfurt.de

Die Anmeldung erfolgt in der ersten Seminarsitzung, unter gegenwärtigen Bedingungen wird um eine email (jederzeit) an bettine.menke@uni-erfurt.de gebeten.

Die Literatur zum Seminar kann zugänglich gemacht werden durch eine Anmeldung im Moodle-Raum Übersetzungen (BA), Fragen diesbezüglich bitte an sarah.eckardt@uni-erfurt.de
The seminar-program includes important theoretical texts that reflect on translation, its im-/possibilities and principles, and its relation to language, as well as literary texts that in different ways thematices translations and reflect on the relation between ‘original’ and translations. Also included will be concepts of (so called) ‘intercultural’ transfers and the heterogeneity in each Language and/ or culture.

Literatur zur Vorbereitung

  • Frey, Hans Jost: Übersetzen, in ders.: Der unendliche Text, Ffm. 1990, 24-50.
  • Stockhammer, Arndt, Naguschewkski: „Die Unselbstverständlichkeit der Sprache (Einleitung)“, in dies. (Hg.): Exophonie, Andersspra­chigkeit (in) der Literatur, Berlin 2007, 7-27.
  • Störig, Hans Joachim (Hg.): Das Problem des Übersetzens, (= Wege der Forschung, Band 8), Darmstadt 1963.
  • Tawada, Yoko: Verwandlungen, (Tübinger Poetik Vorlesung), 1998/ 2001; dies.: Sprachpolizei und Spielpolyglotte, Tübingen (Konkursbuch) 2006/ 2011.

SoSe 2020 MA Übersetzung(en)

Seminarankündigung

Übersetzungen betreffen literarische Texte in mehrfacher Hinsicht: Sie werden übersetzt und in andere Kontexte übertragen; sie können das Übersetzen (etwa mit Übersetzer/in-Figuren) zum Motiv, zum Thema oder auch zur eigenen Struktur machen. Und umgekehrt wird gerade bezüglich literarischer Texte in Frage gestellt, ob sie überhaupt übersetzbar seien (Jakobson verneint das), oder ob es nicht umgekehrt so ist, dass literarische Texte eine besondere Nähe zu den Übersetzungen habe, weil die einen und die anderen die Sprache ‚selbst‘ fremd machen und sich zur Sprache als keineswegs selbstverständlichem Medium verhalten.

Übersetzungen gehören zu den Phänomene der Intertextualität. Sie sind eine Weise, wie Texte sich auf andere Texte beziehen. Die Beziehung zwischen Über­set­zung und ‚Original‘ (Frey, Benjamin) kann als Konkurrenz oder ‚dialogische Ergänzung’ (Hirsch) ausgeprägt werden. Sie wird als Verstehen und Treue oder auch als Verrat durch den Über-Träger gedacht.

Und Übersetzungen vermitteln nicht nur zwischen verschiedenen Sprachen, sondern sie handeln auch deren Relation aus und thematisieren damit auch die Sprache als solche, indem sie sich in ein Verhältnis zu ihr setzen. Fraglich ist die Annahme eines gemeinsamen Grundes ‚jenseits‘ der jeweiligen Sprachen, weil ein jeweiliger Zusammenhang von Sprache und Denken, sowie Kultur (seit Schleiermacher) angenommen wird, und nicht gut als hintergehbar oder auflösber vorstellbar ist. Im Übersetzen werden aber nicht nur die Differenzen zwischen den (vermeintlich homogenen) Sprachen angetroffen, sondern auch solche in der jeweiligen Sprache.  Und gerade solche will das Seminar in die Aufmerksamkeit rücken.

Daher kommen auch gerade ‚Migrations’Aspekte zwischen und in den Sprachen zur Geltung, die nicht erst in den letzten Jahren besondere Relevanz erlangt haben. Wieviele Menschen sprechen und schreiben in einer anderen Sprache? Und wie sehr (oder gar nicht) hält die Bindung an die ‚Muttersprache‘, die der so wichtige romantische Übersetzungstheoretiker Schleiermacher ausgegeben hat, und die vor allem im Nationalismus des 19. Jh. eine beschränkende und normierende Dominanz gewann, die der Infragestellung dringend bedarf.

Dafür stehen theoretische und literarische Praktiken ein, die im Seminar herangezogen werden: von Kafka, Benjamin, Celan, Joyce, Cixous, Derrida, Tawada u.a..

In den letzten Jahrzehnten wurde Übersetzen auch in Hinsicht von interkulturellen Re­la­tio­nen, Operationen und Verhandlungen betrachtet. Diese Perspektive wird das Seminar ein­beziehen. Dabei werden problematische Voraussetzungen des Begriffs der Inter-Kulturalität: von gegebenen (homogenen?) Kulturen in Frage gestellt.

Das Seminar fokussiert insbesondere auf die Vielsprachigkeit und Andersprachigkeit der Texte.

Über die Texte und Materialien wird in Kooperation mit den Teilnehmer/innen entschieden. Melden Sie sich bitte bei Interesse: bettine.menke@uni-erfurt.de

Die Anmeldung erfolgt in der ersten Seminarsitzung, unter gegenwärtigen Bedingungen wird um eine email (jederzeit) an bettine.menke@uni-erfurt.de gebeten.

Die Literatur zum Seminar kann zugänglich gemacht werden durch eine Anmeldung im Moodle-Raum Übersetzungen (MA), Fragen diesbezüglich bitte an sarah.eckardt@uni-erfurt.de

The seminar-program includes important theoretical texts that reflect on translation, its im-/possibilities and principles, and its relation to language, as well as literary texts that in different ways thematices translations and reflect on the relation between ‘original’ and translations. Also included will be concepts of (so called) ‘intercultural’ transfers and the heterogeneity in each Language and/ or culture.

Literatur zur Vorbereitung

  • Frey, Hans Jost: Übersetzen, in ders.: Der unendliche Text, Ffm. 1990, 24-50.
  • Haverkamp, Anselm (Hg.): Die Sprache der Anderen, Frankf.a.M., 1997; darin die Texte von Derrida, Wills, Spivak.
  • Stockhammer, Arndt, Naguschewkski: „Die Unselbstverständlichkeit der Sprache (Einleitung)“, in dies. (Hg.): Exophonie, Andersspra­chig­keit (in) der Literatur, Berlin 2007, 7-27.
  • Störig, Hans Joachim (Hg.): Das Problem des Übersetzens, (= Wege der Forschung, Band 8), Darmstadt 1963.
  • Tawada, Yoko: Verwandlungen, (Tübinger Poetik Vorlesung), 1998/ 2001; dies.: Sprachpolizei und Spielpolyglotte, Tübingen (Konkursbuch) 2006/ 2011

Lehrveranstaltungen Archiv

Lehrveranstaltungen Archiv

WinSem 2019/2020

Komödien. Wiederholungen, Störungen, Späße (BA/MA)

In diesem Seminar sollen Komödien (von Aristophanes, Shakespeare, Moliere, Kleist, Tieck, Büchner, Nestroy, Beckett, Jelinek und Pollesch) gelesen und z.T. auch gesehen werden.

Perspektiviert werden diese Lektüren dadurch, dass die Komödie keine ordentliche Gattung ist, dass Komödien auf eine sehr unordentliche, ja obszöne Weise der Tragödie und auch den Poetiken erwidern, dass die Komödie die niedere lit. Form war. (So ist es nicht nur ein Zufall, dass die Komödie in Aristoteles‘ Poetik fehlt).

Komödien sind selbst ‚Wiederholungen‘ und lassen Aktionen und Späße in die Wiederholung(en) laufen. Seit der Antike kommen sie nach den Tragödien und sie kommentieren diese (komisch). Berühmt ist das Diktum von Karl Marx, dass sich in der Geschichte alles „zweimal ereignet“, „das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce“. Komödien konzipieren Handlungen und Charaktere in ganz anderer Weise als Tragödien: Im Raum der Komödie gibt es kein in sich konsistentes Handeln und Sprechen. Das zeigen insbesondere ‚Figuren‘ wie Pulcinella (Agamben) und Formen wie die Farce und die Posse. Und Komödien setzen sich zum Theater, auf dem sie sich ereignen, in ein spezifisches Verhältnis; sie bezeichnen es autoreferentiellen Wendungen, im komischen Bruch mit der dramatischen Illusion (und zwar von Aristophanes an).

Da die Komödie keine in sich geschlossene li­te­rarische Form ist, wurde sie zum einen immer abgewertet, zum andern kann sie aber – als Tragikomödie o.ä.  – auf die Tragödie übergreifen oder diese zu etwas anderem machen (z.B. Shakespeare The tempest). Dies, dass Komödien oder Lustspiele oder Farcen die Scheidung (auch) von Tragödie und Komödie nicht bestehen lassen, gilt insb. für deren neuere Beispiele.

Das Seminar kann mit seinen Komödienlektüren und –sichtungen als eine Ergänzung zu dem vom WinSem 2018/9 zum Lachen und zum Komischen dienen, aber auch ganz unabhängig von diesem besucht werden.

 

Performanz und Theatralität (MA)

Performanz gehört zu den zentralen Begriffen, mit denen sprachliche Äußerungen als Handlungen angesprochen werden. Dabei ergänzt die Perspektive der Performanz nicht nur die der Repräsentation oder Semantik, sondern steht zu dieser auch in Konkurrenz.

Das Seminar wird Austins Vorlesungen How to do things with words  das begründende Werk der Sprechakttheorie, zum Gegenstand von genauen Lektüren machen. Damit sollen die begrifflichen Gründe gelegt werden.

Dies soll auf die in literarischen Texten und an diese gerichtete(n) Fragen führen.

An Beispielen wird zu untersuchen sein, in welcher Weise die Dimension des Performativen für die Analyse literarischer Texte fruchtbar zu machen ist. Denn zwar scheint es offensichtlich zu sein, dass literarische Texte oder theatrale Aufführungen keine Ehen schließen oder Taufen vollziehen können (Austin).

Aber zum einen thematisieren literarische Texte oder theatrale Aufführungen Performative (wie Eide, Wetten, Kontrakte, Versprechen, Verhöre usw.) so, daß deren Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und Problematiken vorgestellt werden.

Dazu gehören u.a. die theatralen Rahmenbedingungen von Performativen (Redebühnen, Skripte, Personen) des Rechts, der Politik usw.. Dazu gehört auch die Frage der Zeitlichkeit des Tuns, das die performativen Sprechakte doch sind: Wann und wodurch ist entschieden, dass und ob sie ge- oder mißlungen sind?

Zum zweiten spricht man in der Literaturwissenschaft auch davon, dass Texte performativ sind, dass sie etwas vollziehen oder aufführen. Wir wollen im Seminar genauer klären, wie das gemeint ist und die Begriffe sinnvoll zu verwenden sind (dahin gehören auch Vorschläge wie die, dass literarische Texte u.a. Verträge mit den Leser/innen schließen (und sie brechen), oder die Frage, ob sie testamentarische Kraft haben.

Es werden literarische Texte u.a. von Shakespeare, Moliere, Kleist, Büchner, und nach Vorschlägen der Seminarteilnehmer*innen herangezogen. Theoretische Ansätze zu diesen Fragen finden sich bei J. Derrida, S. Felman, J. Hillis Miller, u.a.

 

Das Komische / Die Politik (im Kino, auf dem Theater) (StuFu)

Es gibt einen Zusammenhang von Komik und Politik, die auf die antike Komödie zurückdatiert. Das Komische kommt als Wort von der Komödie her, die immer die niedere Form des Theaters war. Das Seminar wird sich also keineswegs nur der sog. Hoch-Komik widmen, sondern den durchaus niederen Formen und Figuren.

Von den klassischen Texten zum Komischen soll insbesondere H. Bergson beigezogen werden. Er fragt vor allem danach, warum 'wir' worüber lachen. Und situiert das Lachen an der Schwelle zwischen Kunst und Leben, Körper und Gesellschaft. Zudem lässt sich von Bergsons Thesen: zum Gegenstand werde das Mechanische, gelacht werde in Gesellschaft, um dieses zu strafen, absehen, dass Lachen keineswegs unbedingt befreiend oder emanzipatorisch ist.

Anders nimmt sich das aber aus, wenn slapstick-Filme (Chaplin, Keaton) angeschaut werden. Wie verhält sich komisches Agieren zum politischen Handeln?

Auch die Problematiken des Lachens und des Komischen, z.B. das rassistische, antisemitische oder sexistische Lachen sollen in den Blick genommen und gefragt werden: Ist Lachen befreiend (wie oft vermutet wird), oder entzaubernd, oder Strafe/ Übermacht von Einzelnen oder der Gesellschaft? Darf man über Schreckliches lachen und Witze machen, wie Roberto Begnini in "La vita é bella"? Dazu wäre Vorschläge aus dem Kreis der Seminarteilnehmer*innen zu Gegenständen sehr erwünscht. Was passiert, wenn Trump zum Lachgegenstand wird?

 

Eine Übersicht aller Lehrveranstaltungen der Jahre 1986 - 2019 finden Sie hier.