Dr. Thomas Glaser

Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
(Seminar für Literaturwissenschaft)
Mitarbeitergebäude 1 / Raum 410
Sprechzeiten
nach Vereinbarung
zur Profilseite
Ina Theilich
Sekretariat der Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
(Seminar für Literaturwissenschaft)
Mitarbeitergebäude 1 / Raum 306

Weitere Informationen

Curriculum vitae

Curriculum vitae

Nach dem Abitur in Stuttgart studierte Thomas Glaser Germanistik, Geschichte und Philosophie an den Universitäten München und Tübingen. Er war in der freien Theaterszene in Stuttgart aktiv und arbeitete als Regieassistent am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Nach seinem Studium war er mehrere Jahre als Wissenschaftlicher Angestellter am Landesmuseum Württemberg in Stuttgart tätig und war im Gründungsvorstand des Landesverbands für Museumspädagogik Baden-Württemberg. Er promovierte an der Universität Erfurt mit einer Arbeit über „Physikalische, anthropologische und mathematische Modellierungen ästhetischer Mitteilung bei Kant, Schiller, Fr. Schlegel und Novalis“ und war PostDoc am Forum Texte.Zeichen.Medien sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft der Universität Erfurt. Im Rahmen eines umfänglichen EU-Projektes verwaltete er zusammen mit Anselm Haverkamp die Professur für Rhetorik an der Leuphana Universität Lüneburg.

Seit 2016 ist Thomas Glaser wieder als Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt tätig; im WS 2019/20 bekleidete er eine Gastprofessur an der Leuphana Universität Lüneburg.

Thomas Glaser studied German Literature, History and Philosophy at the Universities of Munich (LMU) and Tübingen. He worked as an assistant director at the Badisches Staatstheater Karlsruhe and as a research assistant at the Landesmuseum Württemberg in Stuttgart. He was a founding board member of the Association of Museum Education Baden-Württemberg and did his PhD at the University of Erfurt on the problem of aesthetic communication in the works of Kant, Schiller, Friedrich Schlegel and Novalis. He was postdoctoral research fellow at the Forum Texte.Zeichen.Medien at the University of Erfurt. At Leuphana University Lüneburg he held a professorial chair of Rhetoric with Anselm Haverkamp.

Since 2016 he works as a Wissenschaftlicher Mitarbeiter in the departement of Neuere Deutsche Literaturwissenschaft at the University of Erfurt. 2019-2020 he was visiting professor at the Leuphana University Lüneburg.

Forschungsgebiete

Forschungsgebiete

Seine Forschungsgebiete sind:

  • Literatur und philosophische Ästhetik
  • Theorie und Geschichte der Rhetorik, Rhetorik kultureller Konstrukte
  • Literatur und Konzepte der Bildung (Platon, Rousseau, Schiller, Stifter)
  • Rhetorisch-literaturwissenschaftliche Verfahren und kompetenzorientierter Unterricht

In seinem Habilitationsprojekt geht es um „Rhetorik ästhetischer Erziehung“.

His areas of research are:

  • Literature and Philosophical Aesthetic
  • Theory and History of Rhetoric, Rhetoric of Culture
  • Literature and Concepts of Bildung (Platon, Rousseau, Schiller, Stifter)
  • Rhetorical Procedures and Teaching at Schools.

His current research project deals with the rhetoric of aesthetic education.

Publikationen

Publikationen

Mongraphie

Geteiltes Empfinden

Modellierungen ästhetischer Mitteilung nach der Rhetorik

Kadmos, Berlin 2020 (im Druck).

Sammelbände

(Mit Karin Beck, Thorsten Bothe, Claudia Heuer, Andreas Seifert, Julia Schütz): Bildung und Hochschule. Neue Ansätze für Studium und Lehre, Waxmann, Münster, New York 2016.

(Mit Bettine Menke): Experimentalanordnungen der Bildung. Exteriorität, Theatralität, Literarizität, Wilhelm Fink, München 2014.

Beiträge in Sammelbänden und Zeitschriften

Roland Barthes’ Critical Writing from the Materials of Cy Twombly—and the Criticism of Form in the Early Texts of Lukács and Benjamin, in: Sami Khatib, Holger Kuhn, Oona Lochner, Isabel Mehl, Beate Söntgen (Hgg.), Critical Stances. The Stakes of Form, Diaphanes, Berlin / Zürich 2020.

Zeichen an der Schrift – Zeichen der Schrift? Gedankenstriche und Schriftauszeichnung als „Désœvrement“ bei Novalis, in: Helga Lutz, Nils Plath, Dietmar Schmidt (Hgg.), Szenen der Schrift, Kadmos, Berlin 2017, S.77-83.

Der verschwindende Akoluth. Zur unheimlichen Aufhebung des Ereignisses im Erzählen von Adalbert Stifters „Kalkstein“, in: Anna Häusler, Martin Schneider (Hgg.), Ereignis Erzählen. Zeitschrift für Deutsche Philologie, Sonderheft zum Band 135, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2016, S.143-165.

Kultur Können. Rhetorik und die Möglichkeit universitärer Bildung, in: Karin Beck, Thorsten Bothe, Thomas Glaser u.a. (Hgg.), Bildung und Hochschule. Neue Ansätze für Studium und Lehre, Waxmann, Münster, New York 2016, S.33-52.

(Mit Karin Beck, Thorsten Bothe, Claudia Heuer, Julia Schütz, Andreas Seifert), Bildung und Hochschule: Warum?, in: Karin Beck, Thorsten Bothe, Thomas Glaser u.a. (Hgg.), Bildung und Hochschule. Neue Ansätze für Studium und Lehre, Waxmann, Münster, New York 2016, S.9-15.

Ästhetische Erziehung und die Politik der Allegorie. Rousseau - Schiller - Rancière, in: Ulla Haselstein (Hg.), Allegorie, Walter de Gruyter, Berlin 2015, S.469-498.

Ästhetische Erziehung zur armen Gemeinschaft. Zum vierten Buch von Rousseaus Émile. Ou de l‘éducation, in: Maud Meyzaud (Hg.), Arme Gemeinschaft: Die Moderne Rousseaus, S.98-129, b_books, Berlin 2015.

Disziplinierte Töchter - Väterliche Bildungsversuche in Schillers Der versöhnte Menschenfeind und Stifters Turmalin, in: Bettine Menke, Thomas Glaser (Hgg.), Experimentalanordnungen der Bildung. Exteriorität, Theatralität, Literarizität, Wilhelm Fink, München 2014, S.147-170.

(Mit Bettine Menke): Experimentalanordnungen der Bildung. Exteriorität – Theatralität – Literarizität. Ein Aufriss, in: Bettine Menke, Thomas Glaser (Hgg.), Experimentalanordnungen der Bildung. Exteriorität, Theatralität, Literarizität, Wilhelm Fink, München 2014, S.7-21.

Translatio imperii als Katachrese. Gestörte Politik der Übertragung in Ottos III. Rede an die Römer, in: Jörg Dünne, Martin Jörg Schäfer, Myriam Suchet, Jessica Wilker (Hgg.), Intraduisibles - Unübersetzbarkeiten. Sprachen, Literaturen, Medien, Kulturen / Langues, Littératures, Médias, Cultures, Collection du Centre d'Études Poétiques, Édition des Archives Contemporaines, 2013, S.285-295.

SCHÖNES LEHREN - SELBSTZITAT. Schillers ästhetischer Briefwechsel und seine Wiederkehr als Werk der Editorik, in: Rudolf Helmstetter, Holt Meyer, Daniel Müller-Nielaba (Hgg.), Schiller. Gedenken - Vergessen - Lesen, Wilhelm Fink, München 2010, S.123-160.

Opera seria? - Zum Eros ornamentaler Sichtweisen in fünf Bildern von Paul Breinig, in: Paul Breinig, ringsum, hg. v. Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg i. Br., S.78-87, Matthes & Seitz, Berlin 2005.

- Zuvor diverse Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte Südwestdeutschlands und zur Museumspädagogik -

Vorträge

Vorträge

  • "Urgeschichte der Moderne" als aparte Parekbase? Zu Goethes Pandora-Festspiel (Vortrag im Rahmen des Workshops "Parenthese und Parekbase: Rhetoriken und Notationen von 'Ausstiegsfiguren' an der Universität Erfurt am 25.06.2019)
  • Rhetorik und Darstellung. Zur doppelten Perspektive der Rhetorik als Möglichkeit der Kritik (Einführender Vortrag im Rahmen des Workshops "Kritik und Rhetorik: Verhältnisse implikativer Spannung?" an der Ruhr Universität Bochum, 25.04.2019 - 26.04.2019)
  • L’aventure d’un certain sujet incertain. Cy Twombly und die Möglichkeit von Barthes‘ kulturellen Lektüren.(Vortrag im Rahmen des Workshop „Twombly, Barthes, Hrabal: a perverse palimpsest“ an der Universität Erfurt am 01.02.2018)
  • In breve: Rhetorica Regina (Einführender Vortrag im Rahmen des Workshop „Überzeugen – Unterbrechen. Rhetorik als Technik, Wissenschaft und Widerstand“ am Graduiertenkolleg „Kulturen der Kritik“ der Leuphana Universität Lüneburg am 05.05.2017)
  • Rhetoric and Ostranenie. Breaking up the chiastic structure in von Kleist’s „Improbable Veracities“ (Vortrag im Rahmen der Internationalen Konferenz “A Hundred Years of Ostranenie”, an der Universität Erfurt am 16.12.2016)
  • Das Zivile der Zivilgesellschaft als Möglichkeit ihrer Bildung? (Vortrag im Rahmen des College Kolloquiums an der Leuphana Universität Lüneburg am 21.01.2015)
  • Über die Verfertigung der Gedanken beim Reden und Schreiben. Rhetorik als „Kulturtechnik“ (Vorlesung im Rahmen der Forumsveranstaltung des Moduls „Wissenschaft lehrt Verstehen“ im Leuphana Semester der Leuphana Universität Lüneburg am 31.10.2014)
  • Ökonomie der Bildungsverweigerung. Stifter mit Kleist (Im Rahmen des Arbeitstreffens: "Bildungsverweigerung. Zur kritischen Verhandlung von Bildung in der modernen Tradition des Romans von Anton Reiser bis zu Jakob von Gunten", veranstaltet vom Exzellenzcluster der Universität Konstanz "kulturelle Grundlagen von Integration", Konstanz, 09.04.2013)
  • Paul de Man: Impersonality in the Criticism of Maurice Blanchot (Im Rahmen des workshops "Blanchot Lesen", veranstaltet vom Graduiertenkolleg "Mediale Historiographien", Weimar, 31.01.2013)
  • Theater vs. Archi-Politik. Zur Einrichtung der Politik durch die Mimesis in Platons Politeia. (Im Rahmen des internationalen Symposiums "Zwiespältige Mimesis. Positionsbestimmungen der Literaturwissenschaft und ihrer Nachbarwissenschaften", Universität Siegen, 10.-12.01.2013)
  • Ästhetische Erziehung aus Rache. Schillers Der versöhnte Menschenfeindals gescheitertes Bildungsexperiment (Vortrag an der Universität Köln im Rahmen der Vorlesung von Prof. A. Lemke zu "Klassik", 09.01.2013)
  • Erfinden - Üben. Die Bildung des Ästhetikers. Zu Baumgartens Aesthetica§§47-75, 130-141. (Im Rahmen von "Die Bildung der Ästhetik. Ein workshop mit Texten und Lektüren von Shaftesbury, Baumgarten, Herder und Jean Paul", Erfurt 26.01 - 27.01.2012, Konzept/Organisation: Thomas Glaser)
  • Spiel, Mensch! Das Theater als ästhetische Bildungsanstalt? (Im Rahmen der von der Universität Erfurt zusammen mit der Fachhochschule Erfurt veranstalteten Ringvorlesung "Ästhetische Bildungsräume. Zu Bildungspotentialen von Kunst und Kultur", 25.10.2011) 
  • Rousseaus Éducation négative und Herders Theorie von Sprache und Empfindung. (Im Rahmen der Tagung "Rousseau - Arme Gemeinschaft", Universität Erfurt, 18.10.2011)
  • Disziplinierte Töchter. Erziehungsversuche aus väterlicher Rache in Schillers Der Menschenfeind und Stifters Turmalin. (Auf der Tagung "Experimentalanordnungen der Bildung. Exteriorität, Theatralität, Literarizität", Erfurt 23.06. - 25.06.2011)
  • Translatio imperii als Katchrese? Gestörte Politik der Übertragung in Ottos III. Rede von der Engelsburg (Auf der deutsch-französischen Tagung "UNÜBERSETZBARKEIT II: Grenzen und Störungen sprachlicher, medialer und kultureller Übertragungsprozesse", Erfurt, Januar 2011)

Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen

SoSe 2020

Literatur, Kritik und Mondialisation

M Lit 2011 A01#01

M Lit 2011 B01#01

M Lit 2011 B03#01

M Rel 2011 E01#01

„Kritik“ scheint schon in hellenistischer Zeit auf Literatur bezogen gewesen zu sein: seit ca. 300 v.Chr. bezeichnete „kritikos“ (neben „grammatikós und philologós) den philologischen Beruf, später denjenigen, dessen Aufgabe die allegorische Auslegung von Texten war. Seine Blütezeit hatte der Begriff der „Kritik“ in der (europäischen) Aufklärung. Analytische Verfahren der Interpretation, wie sie die ramistische Logik entwickelt hatte, erhielten ihre Pointe in der Ars Critica (1697) von Jean Le Clerc: sofern die mentale Disposition der Adressaten deren Verstehen von Texten steuere, gelte es, sich in die Kunst einzuüben, Texte so zu verfassen, dass sie auch so verstanden werden, wie die Verfassenden es wollen. Dazu seien die alten scriptores daraufhin zu lesen, wie sie genau dies verfertigten, das heißt, der hinter ihren Worten verborgene Sinn muss gefunden werden. Und dabei gehe es nicht um die Wahrheit der in diesen Texten dargestellten Dinge, sondern um die authentische Ansicht der Dinge in den Texten.

Die aufklärerische Kritik, die über die äußere Form poetischer Texte die innere Disposition des Autors erschließen wollte (Gottsched, Bodmer, Breitinger), ein Ansatz, der sich in der Literaturwissenschaft bis weit ins 20 Jahrhundert (im schulischen Deutschunterricht leider noch länger) gehalten hat, wurde aber bereits in der deutschen Frühromantik kritisiert. So verstanden Fr. Schlegel und Novalis „Form“ im Anschluss an Fichte keinesfalls als äußere Gestalt eines inneren Gehalts, sondern als Reflexionsmedium und verwischten die Differenz zwischen kritischem und literarischem Schreiben, sofern das kritische als potenzierte Reflexion immer schon literarisch sei – wie das literarische kritisch. Entsprechend verwehrte sich Walter Benjamin Anfang des 20. Jhs. im Anschluss an die Frühromantik gegenüber einem Kritikverständnis, das über das „Subjektive“ literarischer Texte zu Werturteilen zu gelangen suchte und prägte damit das Kritikverständnis einer avancierteren Moderne.

Gegenwärtig erfährt der kritische Diskurs auf unterschiedlichsten Feldern (der Kunst, der Medien, des Sozialen) radikal neue Impulse: So haben postkoloniale, dekoloniale und transkulturelle Perspektiven grundlegende Annahmen über Kritik in Frage gestellt. Kritik unter Bedingungen von Globalität oder besser: „Weltweit-Werdung“ („mondialisation“) wirft verstärkt Fragen nach Geltungsansprüchen, der Rahmung, dem Subjekt und Objekt der Kritik, sowie deren Formen, Medien und Effekten auf. In unserem Kurs wollen wir anhand von Texten Schlegels, Benjamins, Adornos, Foucaults, Rancières etc.) den Einsatz moderner Kritikformen diskutieren, um dann Literatur und Kritik unter Bedingungen von Mondialisation (Derrida), Kosmopolitik (Latour u.a.), „schwarzer Vernunft“ (Mbembe), des Posthumanen (Braidotti u.a.), des Planetarischen (Spivaks Infragestellung der traditionellen Komparatistik, Terra Critica u.a.), des De-Linking (Mignolo) etc. zu untersuchen.

Diese Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Kritikformen soll eigenes kritisches Schreiben informieren, das im Kurs geübt werden soll.

 

Schillers Schurken. Grenzgänge zwischen Ethik und Ästhetik

B Ger 2012 FFL#02, #03 

B Ger 2012 XX#01

B Lit 2012 Kern2#02, #03 

B Lit 2012 NdL1#02, #03 

B Lit 2012 XX#02

M Lit 2011 C01#01, #02, #04

Als die US-amerikanische Regierung unter Geoge W. Bush nach 9/11 eine Reihe von Staaten als „rogue states“ (dt. „Schurkenstaaten“) bezeichnete, löste dies eine Debatte darüber aus, unter welchen Voraussetzungen, mit welchem Recht und welchen Konsequenzen Staaten andere als „Schurken“ anklagen, inwiefern Staaten überhaupt „Schurken“ sein können (vgl. Derrida, Voyou, 2002). Damit stellte sich die alte Frage nach dem Recht der Macht und der Macht des Rechts: ist dieses nur Recht des Stärkeren? Was berechtigt eine Gemeinschaft (von Staaten oder Individuen) Einzelne als „Schurken“ auszugrenzen, als „aggresive Einzelgänger“, wie „rogue“ in seiner zoologischen Bedeutung zu übersetzen wäre? Bedarf es des bedrohlichen Außenseiters, um das rechtliche Innere zu markieren, zu legitimieren?

Wie dies bereits um 1800 verhandelt wurde, zeigen in äußerst instruktiver Weise literarische und theoretische Texte Friedrich Schillers: dort spielen „Schurken“ – wie schon in den „Räubern“ – nicht nur eine prominente Rolle, an ihnen soll gleichermaßen – wie in den sogenannten „Kallias“-Briefen an Körner – die Schönheit rechtlichen Handelns zu demonstrieren sein. Die Möglichkeit durch schöne Literatur (bzw. schön dargestellte Schurken) bessere Menschen zu bilden, ein Projekt, das Schiller zeit seines Lebens interessierte, ist demnach in merkwürdiger – und problematischer – Weise mit der Figur des „Schurken“ verknüpft. In unserem Kurs wollen wir Schurken-Figuren in Balladen (Der Gang nach dem Eisenhammer u.a.), Dramen (Wilhelm Tell u.a.), Erzählungen bzw. Fallgeschichten (Pitaval u.a.) und theoretischen Texten Schillers aufsuchen und diskutieren, was solche Grenzgänge(r) zwischen Ethik und Ästhetik für das Verhältnis von Recht und Macht wie für dasjenige von Literatur und (gutem) Handeln zu sagen haben.

 

Experiment Bildung. Versuchsanordnungen in Literatur, Film und Theater

B Fö 2012 PEB211#03 

B PEB 2012 GerG210#04 

B PEB 2012 GerV210#04 

MEd BS 2017 FWADe01#01 

MEd BS 2017 FWADe02#01 

MEd R 2014 FWDe01#01

MEd R 2014 FWDe02#01

Die pädagogischen Überlegungen und Projekte des 18. Jahrhunderts, eines Jahrhunderts, das auch als das „pädagogische“ benannt wurde, reagieren auf eine spezifische Herausforderung: die Vervollkommnung oder „Ausbildung“ des noch „unfertigen“ Menschen wurde nicht mehr als Prozess betrachtet, der auf die Nachahmung eines göttlichen Urbilds ausgerichtet wäre, sondern als einer, der allein nach menschlichen Maßstäben zu organisieren sei – sowohl ontogenetisch im Hinblick auf die Bildung des Kindes zum Erwachsenen, als auch phylogenetisch hinsichtlich der Vervollkommnung des Menschen an sich. Doch woran, wenn nicht mehr an der Ebenbildlichkeit Gottes, kann dieser Prozess sich orientieren, welches sind seine Voraussetzungen und Ziele, inwiefern ist er kontrollierbar, woran messen sich Erfolg oder Misserfolg, Bildung oder Missbildung?

Antworten auf diese Fragen versprach sich der pädagogische Diskurs von der ebenfalls im 18. Jahrhundert sich formierenden Naturwissenschaft mit ihrem zentralen Instrument des „Experiments“. In unserem Kurs beschäftigen wir uns mit fiktionalen und nicht-fiktionalen Aufzeichnungen solcher Bildungsexperimente seit dem 18. Jahrhundert bis heute. Wir wollen diskutieren, wie darin das (unsichtbare) Bildungsgeschehen des Menschen durch unterschiedliche Medien sichtbar gemacht werden soll. So wird anhand literarischer (Rousseau, Kleist, Stifter, Kafka u.a.), filmischer (Truffaut, Lanthimos u.a.) und theatralischer (Ibsen, Heckmanns u.a.) Darstellungen von Bildungsexperimenten zu diskutieren sein, inwiefern solche Darstellungen selbst als Bildungsexperimente auftreten und inwiefern äußerliche Versuchsanordnungen das innere Bildungsgeschehen bestimmen.

WS 2019/20

Im Wintersemester 2019/20 war Dr. Thomas Glaser Gastprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg. Es fanden keine Lehrveranstaltungen an der Universität Erfurt statt.

 

Alle weiteren Lehrveranstaltungen von SoSe 2002 - SoSe 2018.