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Zeit für etwas Neues...

Mit dem Jahresrückblick auf 2020 verabschiedet sich das Campus-Magazin der Universität Erfurt in seiner bisherigen Form. "Es ist Zeit für etwas Neues", sagt Carmen Voigt, die Leiterin der Hochschulkommunikation, die in den vergangenen elf Jahren für das Heft verantwortlich zeichnete, in unserem Interview...

Mehr als 20 Jahre CAMPUS sollen nun Geschichte sein, Frau Voigt, warum?
In einem Satz? Das Heft ist, so wie es jetzt ist, nicht mehr zeitgemäß.

Das bedeutet?
Das Campus-Heft erschien in den vergangenen Jahren als Jahresrückblick der Universität Erfurt – i.d.R. im März des Folgejahres. Es deckte Themen aus Forschung, Lehre und Campusleben ab. In Artikeln, die - das ist die Crux bei Jahresrückblicken - zum Teil vergleichsweise alt, also unaktuell, waren. Zudem mussten wir die Geschichten oftmals stark kürzen, weil das Heft nicht den Platz für lange Lesegeschichten bot. Klar, wir haben uns immer gefreut, wenn ein neues, frisches Heft aus der Druckerei kam und haben uns immer wieder auch Gedanken darüber gemacht, wie man das Heft weiterentwickeln und verbessern kann. Das hat auch Spaß gemacht. Aber trotz der stetigen Weiterentwicklung - sowohl inhaltlich als auch optisch und seit einigen Jahren wurden alle Artikel ja sowohl in deutscher als auch englischer Sprache angeboten - ist die Nachfrage immer weiter gesunken. Obwohl wir in den vergangenen Jahren deutlich weniger Hefte gedruckt haben, verstaubten auch diese zunehmend in den Auslagen. Vor diesem Hintergrund ist das Heft nicht nur nicht mehr zeitgemäß, sondern sowohl was den personellen als auch den finanziellen Aufwand betrifft, auch nicht mehr wirtschaftlich. Von der Nachhaltigkeit ganz zu schweigen. Und bei solchen Magazinen ist es wie bei vielen anderen Produkten auch: Der Wurm muss dem Fisch schmecken - nicht dem Angler.

Carmen Voigt

Aber es gibt doch nach wie vor unzählige Geschichten auf dem Campus, die erzählt werden wollen...
Und die wollen wir natürlich auch weiterhin erzählen, ganz klar. Nur eben in einer Form. Um im Bild zu bleiben: die den Fisch eben mehr an die Angel locken als bisher. Mit dem Relaunch unserer Website haben wir 2020 dafür beste Voraussetzungen geschaffen: So haben wir seither die Möglichkeit, unsere News und Pressemitteilungen, aber auch die Veranstaltungen der Uni ohne Umwege auf unserer Startseite abzubilden. Somit konnten wir unseren einstigen Newsblog "WortMelder" in einen Forschungsblog umwandeln, in dem wir seitdem Forschungsergebnisse und Veröffentlichungen präsentieren, Forscherpersönlichkeiten und interessante Forschungsprojekte vorstellen können - und zwar tagesaktuell und in der Länge, die es braucht, um all diese wunderbaren Geschichten zu erzählen. Und auch Gastbeiträge zu tagesaktuellen Fragen, z.B. im "Nachgefragt" sind jetzt unkomplizierter möglich.

Mit dem Relaunch der Website haben wir zugleich unseren Campus-Blog "Ich mag meine Uni" komplett überarbeitet. Auch er ist zeitgemäßer geworden und einfach schicker, technisch auf der Höhe und viel flexibler. Hier erzählen wir Geschichten rund um das Studium, darüber was unsere Studierenden tun, wenn sie nicht im Hörsaal sitzen, wo sie sich engagieren, welche Erfahrungen sie im Auslandssemester machen und so weiter. Eine ganz andere Zielgruppe als der "WortMelder", aber auch sehr spannende Einblicke in die Universität Erfurt und die Menschen, die sie ausmachen.

Darüber hinaus wollen wir ein ganz neues Kapitel in der Hochschulkommunikation aufschlagen: Wir planen einen Podcast, mit dem wir unseren zentralen Forschungsblog um ein Audio-Format ergänzen wollen. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange, wir sind gespannt und freuen uns, hier noch einmal ganz neue Wege der Hochschulkommunikation an der Uni Erfurt gehen und damit vielleicht auch noch einmal eine ganz neue Zielgruppe erreichen zu können.

Das heißt, ein Leseheft zum Blättern wird es künftig nicht mehr geben?
Doch, aber eines, dessen "Halbwertszeit" deutlich länger und das damit sozusagen "zeitlos schön" sein wird. Einen ersten erfolgreichen Aufschlag hat es seinerzeit im DFG-Wissenschaftsjahr „Arbeitswelten der Zukunft“ gegeben, an dem sich die Uni Erfurt mit einem Themenheft beteiligt hat, in dem unsere Wissenschaftler*innen das zentrale Thema aus ihrer fachlichen Perspektive beleuchtet haben. Das gedruckte Heft war damals schnell vergriffen, die digitale Version ist nach wie vor einsehbar und aktuell. Das Corona-Themenheft der Katholisch-Theologischen Fakultät, das 2020 in Zusammenarbeit mit der Hochschulkommunikation entstanden ist, war ein ähnlicher Erfolg. Aus unserer Sicht ist ein solches Themenheft deutlich nachhaltiger als der "CAMPUS"-Jahresrückblick.

Und wer legt die Themen für ein solches Heft fest?
Die Hochschulkommunikation wird dazu jeweils zu Beginn eines jeden Jahres mehrere Vorschläge machen - natürlich berücksichtigen wir dabei auch gern Vorschläge, die aus der Hochschule heraus an uns herangetragen werden. Das Präsidium und das Concilium Decanale sollen sich dann gemeinsam auf eines der Themen verständigen. Wichtig ist es uns dabei, dass das Thema gesellschaftliche Relevanz besitzt und dass möglichst viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Fachbereichen ihre jeweiligen Perspektiven dazu beitragen können. Auf diese Weise zeigen wir nicht nur, was hier jeden Tag auf dem Campus wissenschaftlich geleistet wird, sondern auch, dass wir mit dieser Arbeit einen wichtigen Beitrag für das gesellschaftliche Leben leisten und getreu dem Motto auf unserer Website "gemeinsam die Welt bewegen" oder zumindest Anstöße dazu geben.

Wie können sich die Forscherinnen und Forscher der Universität denn an diesem Heft beteiligen?
Wir werden zu Beginn eines jeden Jahres das Thema unseres "Wissenschaftsjahres" an der Uni bekanntgegeben und um Rückmeldung bitten, wer mit welcher Fragestellung daran mitwirken möchte. Wenn wir alle Rückmeldungen eingesammelt haben, machen wir uns Gedanken über die optische Gestaltung. Bis Mitte des Jahres sammeln wir alle Beiträge ein und setzen sie im Heft um. Klar, dass es dann auch noch einmal eine Freigabeschleife unter allen Mitwirkenden geben wird. Zum Beginn des jeweiligen Wintersemesters wollen wir das Heft dann veröffentlichen - sowohl in gedruckter als auch digitaler Form.

Steht das Thema für 2021 schon fest?
Ja. Wir wollen uns aus aktuellem Anlass der Globalisierung und damit auch den "Weltbeziehungen" widmen. Dazu können viele der Kolleginnen und Kollegen auf dem Campus etwas aus ihrer jeweiligen Fachrichtung beitragen. Ob aus dem Bereich Politik, Bildung, der Kommunikation, der Geschichte, Wirtschaft oder Theologie, da ist so vieles denkbar. Das könnte ein wunderbares Heft werden - Voraussetzung ist natürlich die Mitwirkung unserer Forscher*innen. Aber die beiden Themenhefte über die Zukunft der Arbeit und die Corona-Pandemie lassen mich da optimistisch sein. Solch ein Heft bietet überdies auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine schöne Plattform, seine Forschung einmal einer größeren Leserschaft vorzustellen. In Kürze werden wir einen entsprechenden Aufruf starten, ich bin sehr gespannt, auf welche Resonanz wir hier stoßen.