Die Geschichte der Universität Erfurt

Geschichte der Universität Erfurt

Die Universität Erfurt ist eine der ältesten und jüngsten Universitäten Deutschlands. Was auf dem ersten Blick paradox klingt, verweist auf eine lange und wechselhafte Geschichte. Die einstige Alma Mater Erfordensis gilt mit ihrem Gründungsprivileg von 1379 als die älteste Universität vor Heidelberg (1385) und Köln (1388). Jedoch wurde das spätmittelalterliche Bildungszentrum, an dem schon Martin Luther sein Studium der „Freien Künste“ absolvierte, im Jahr 1816 geschlossen. Ihr Andenken blieb stets lebendig, dennoch sollten einige Jahre ins Land gehen, bis die Universität 1994 wiedergegründet wurde.

Die Universität Erfurt verbindet so jahrhundertealte Tradition mit lebendiger Gegenwart. Im Stadtbild verdichtet sich dies im historischen Hauptgebäude Collegium Maius in der Altstadt und im modernen Campus an der Nordhäuser Straße. Für das Nebeneinander von gestern und heute steht auch die einstige Heimstatt des Erfurter Humanistenkreises, die als Studentenzentrum Engelsburg wesentlich zum Flair der Universitätsstadt beiträgt. Zudem ist die Universität Erfurt eine echte Bürgeruniversität. Ihre Gründung ging zum einen vom mittelalterlichen Stadtrat und zum anderen von der heutigen Universitätsgesellschaft aus. Letztere war 1987 als DDR-Bürgerbewegung entstanden, die nicht nur die Wiedergründung der Universität auf den Weg brachte, sondern auch der friedlichen Revolution 1989 wichtige Impulse verlieh.

nach Dr. Steffen Raßloff, Erfurter Historiker

Historie

Die "alte" Universität Erfurt – von der Gründung bis zur Schließung

Collegium maius
Martin Luther und Eobanus Hessus
Humanistenstätte Engelsburg

1293 | Die Stifts- und Klosterschulen werden zu einem „studium generale” zusammengeschlossen.
1379 | Papst Clemens VII. in Avignon erteilt das Stiftungsprivileg für die Universität Erfurt, die damit als älteste Universität im heutigen Deutschland gilt.
1389 | Infolge des Schismas muss das Privileg durch Papst Urban VI. in Rom erneuert werden.
1392 | Die städtische Universität wird eröffnet.
1396 | Der Erzbischof von Mainz wird Kanzler der Universität.
1398 | Die Statuten werden zunächst an die juristische Fakultät vergeben. 1412 folgen die philosophische und theologische Fakultät, sowie 1417 die medizinische Fakultät.
1412 | Amplonius Ratingk de Berka stiftet seine 635 Bände umfassende Bibliothek.
1433 | Das Collegium amplonianum (porta coeli) erhält die Stiftungsurkunde des Amplonius Ratingk de Bercka.    
1436 | Das Collegium universitatis wird zum Collegium maius.
1501 | Martin Luther beginnt das Studium der freien Künste in Erfurt.
1510 | Es kommt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Erfurter Bürgern. Das Collegium maius wird zerstört.
1515 | Der erste Teil der „Dunkelmännerbriefe“ (Epistolae obscurorum virorum) erscheint.
1516 | Der Humanistenkreis tagt unter Eobanus Hessus in der „Engelsburg“.
1521 | Martin Luther wird im Festzug nach Erfurt geleitet – der Anlass für den Erfurter Pfaffensturm.
1530 | Der Hammelburger Vertrag zwischen dem Erzbischof von Mainz und der Stadt Erfurt garantiert Katholiken und Protestanten ihre Glaubensausübung.
1632 | Während der schwedischen Besetzung wird die Uni in eine evangelische Universität umgewandelt.
1648 | Der Zustand der multikonfessionellen Universität wird wiederhergestellt.
1664 | Die Universität Erfurt wird Kurmainzische Landesuniversität.
1681 | Das Collegium maius wird der Hauptsitz der Universität.
1754 | Die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt wird gegründet.
1778 | Christoph Martin Wieland erstellt ein Gutachten zur Reform der Universität, jedoch scheitert der Reformversuch von Dalberg.
1808 | Während des Erfurter Fürstenkongresses unterstützt u.a. Napoleon die letzten Rettungsversuche für die Universität.
1816 | Die Universität Erfurt wird durch Preußen geschlossen.

 

Tradition und neue Wege – zwischen alter und neuer Universität

1882 | Eines der neun historischen Wandbilder im Erfurter Rathaus widmet sich der "alten" Universität. Die dort abgebildeten Gelehrten stehen für die vier mittelalterlichen Fakultäten: Martin Luther (Theologie), Eobanus Hessus (Philosophie), Henning Goede (Jura) und Amplonius Ratingk de Berka (Medizin).
1929 | Die Pädagogischen Akademie wird gegründet. Diese muss allerdings 1932 während der Weltwirtschaftskrise wieder geschlossen werden.
1952 | Die katholische Kirche gründet das Philosophisch-Theologische Studium, aus dem später die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt hervorgehen wird.
1952 | Die Arbeiten für eines der größten Bauprojekte der Erfurter Geschichte beginnen: Der Campus an der Nordhäuser Straße. Hier siedelt sich 1994 auch die neue Universität Erfurt an.
1953 | Das Pädagogische Institut wird eröffnet und 1969 feierlich durch Volksbildungsministerin Margot Honecker zur Pädagogischen Hochschule „Dr. Theodor Neubauer“ Erfurt-Mühlhausen aufgewertet.
1954 | Die Medizinische Akademie wird gegründet.
1987 | Erfurter Bürger gründeten um den Mitarbeiter der Medizinischen Akademie, Aribert Janus Spiegler, die Interessengemeinschaft „Alte Universität Erfurt“. Ihr Ziel: Die Wiedergründung der Universität Erfurt.
1990 | Die Interessengemeinschaft veröffentlicht den Aufruf für eine „Europäische Universität Erfurt“ und konnte neben der Stadt Erfurt auch Bundespolitiker wie den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker für sich gewinnen.
1994 | Im Januar tritt das Gesetz zur „Wiedergründung der Universität Erfurt und zur Aufhebung der Medizinischen Hochschule“ in Kraft. Mit der Renaissance der traditionsreichen Alma Mater Erfordensis hatte sich eine zentrale Zielstellung der Bürgerinitiative verwirklicht.

Lesetipp

Im Rahmen der Reihe „25 Köpfe“ erzählt Dr. Aribert Janus Spiegler von der bewegten Zeit auf dem Weg zur Wiedergründung.
Beitrag: Dr. Aribert Janus Spiegler – Wie alles begann

Aribert Spiegler
Dr. Aribert Janus Spiegler

Die "neue" Universität Erfurt

Die Anfangsjahre (1994-1999)

04/1994 | Unter dem Motto „Neues wagen!“ wird die Wiedergründung der Uni Erfurt mit einem Festakt im Augustinerkloster besiegelt.
11/1996 | Prof. Dr. Peter Glotz wird zum Rektor der Universität bestellt.
04/1997 | Prof. Dr. Dieter Langewiesche wird Gründungsdekan der Philosophischen Fakultät.
04/1998 | Mit Prof. Dr. Wolfgang Schluchter als Gründungsdekan nimmt das Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien seine Arbeit auf.
09/1998 | Gemeinsam mit dem Thüringer Ministerpräsidenten, Dr. Bernhard Vogel, und dem Thüringer Wissenschaftsminister, Dr. Gerd Schuchhardt, legt Rektor Prof. Dr. Peter Glotz den Grundstein für den Neubau der Universitätsbibliothek.
04/1999 | Mit der Neufassung des Thüringer Hochschulgesetzes bildet die Forschungsbibliothek Gotha zusammen mit der Universitätsbibliothek Erfurt die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha.

Lesetipp

Bettina Hollstein war von der „Stunde Null“ an am MWK und erzählt für die Reihe „25 Köpfe“ von ihren Erfahrungen:Beitrag: Bettina Hollstein – Zwischen Forschung und Wissenschaftsmanagement

Bettina Hollstein
PD Dr. Bettina Hollstein

Von der Reform- zur Profiluniversität (1999-2010)

10/1999 | Mit der feierlichen Immatrikulation der ersten 139 Studierenden nimmt die Universität Erfurt den Studienbetrieb in der Philosophischen Fakultät auf.
10/2000 | Mit den Studienrichtungen Rechtswissenschaft, Sozial- und Wirtschaftswissenschaft nimmt die Staatswissenschaftliche Fakultät den Studienbetrieb auf.
01/2001 | Die Pädagogische Hochschule Erfurt-Mühlhausen wird in die Uni Erfurt eingegliedert, gleichzeitig erfolgt die Gründung der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät.
11/2003 | Das Philosophisch-Theologische Studium wird als Katholisch-Theologische Fakultät integriert.

Neuere Entwicklungen (2010-heute)

2013 | Die Erfurt School of Education, das Forschungszentrum Gotha sowie die Willy-Brandt-School werden als zentrale Einrichtungen bestimmt.
10/2016
| Das Kommunikations- und Informationszentrums (KIZ) wird eröffnet. Darin sind das Universitätsrechen- und Medienzentrum (URMZ) und zwei Veranstaltungssäle untergebracht.
01/2018 | Die Forschungsbibliothek Gotha wird eine eigenständige wissenschaftliche Einrichtung der Universität Erfurt.
2019 | Die Universität Erfurt feiert mit zahlreichen Veranstaltungen ihr 25-jähriges Bestehen.
07/2019 | Die Universität Erfurt wird Mitglied in der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
10/2019 | Für den Forschungsneubau „Weltbeziehungen“ auf dem Campus erfolgt der feierliche erste Spatenstich.

Martin Luther und Eobanus Hesses
Alumni: Martin Luther & Eobanus Hessus auf einem Gemälde im Rathaus
Haupteingang PH
Haupteingang der Pädagogischen Hochschule an der Nordhäuser Straße
Studienbeginn an der Uni Erfurt
1999: Offizieller Studienbeginn an der Universität Erfurt

Campus Baugeschichte

Die Universität Erfurt residiert in denkmalgeschützten Gebäuden, die überwiegend in den 1950er und frühen 1960er Jahren für ein Lehrerbildungsinstitut errichtet worden waren. 

Bauten für das Pädagogische Institut

  • 1953 wurde das “Pädagogische Institut Erfurt” (PI) gegründet (1965 erhielt es den Namen “Dr. Theodor Neubauer”, 1969 wurde es mit dem PI Mühlhausen zur  “Pädagogischen Hochschule”). Für die Neugründung dieses PI wurde in Erfurt seit 1952 der Campus an der Nordhäuser Straße errichtet:
  • 1952-1954 entstand das Lehrgebäude I (Entwurf: Johannes Saal), ein dreigeschossiger langgestreckter Putzbau mit regelmäßig angordneten hochrechteckigen Fenstern und Walmdach. An dessen Westseite wurde ein Hörsaalanbau errichtet (daran drei Hochrelief-Friese von Hans Walther und Helmut Braun), an der Nordostseite ein zweigeschossiger, teils großflächig mit Travertinplatten verkleideter und mit relieferten Brüstungszonen im Blumen- und Rosettendekor geschmückter Bau für die Bibliothek (heute für Büros und Lehrräume genutzt).
  • 1955-1958 entstanden die Wohnheime I, III (heute Mitarbeitergebäude III) und IV, dreigeschossige Putzbauten mit regelmäßig angeordneten hochrechteckigen Fenstern und Walmdächern, die den Südteil des Campus nach Osten und Westen umschließen. (Das großflächige Wandbild an der Nordfassade des Wohnheims I schuf erst 1969 Herbert Reiher.)
  • 1956-1958 entstand im Zentrum des Campus das Verwaltungsgebäude (Entwurf: Hermann Schmidt und Günter Krummbein), ein zweigeschossiges Gebäude mit E-förmigem Grundriß und flachem Walmdach. Klassizistisch wirken die antikisierende Pilastergliederung und die Kolonnaden.
  • 1956-1961 entstand der große Baukörper des Auditorium Maximum (Entwurf: Hermann Schmidt), ein hoher Rechteckiger Putzbau unter flachem Walmdach über einer Attika.. Das Erdgeschoß ist allseits mit Travertinplatten verkleidet, die oberen Stockwerke sind verputzt und von hohen schmalen Fenstern und Pilastern gegliedert. Mit dem Bau entstand über dem Traufgesims an der Schauseite zur Nordhäuser Straße im Osten eine Figurengruppe von Helmut Braun.
  • 1961 wurde im südlichen Teil des Campus mit dem Wohnheim II (heute Mitarbeitergebäude II) der Campus nach Süden abgeschlossen; der dreigeschossige Putzbau folgt in der Bausprache noch den benachbarten älteren Wohnheimen I, III und IV.

Neue Formensprachen

  • 1958-1962 entstand im Norden des Campus das Lehrgebäude II (Entwurf: Ingo Gerth und Willi Fieting), ein dreigeschossiger Stahlbeton-Skelettbau mit einer Rasterfassade über einem Souterrain; gegliedert werden die Längsseiten der Fassade durch regelmäßig angeordnete quer-rechteckige Fenster. Im Norden sind Hörsäle und Werkstätten angebaut.
  • 1963 wurde der Haupteingang des Campus parallel zur Nordhäuser Straße errichtet: Ein von Säulen getragenes Flachdach verbindet einen zunächst als Buchhandlung genutzten Glaskasten im Süden mit der Pförtnerloge im Norden. Zur Straße hin schmückt den Bau ein aus dem Baujahr stammendes Metall-Wandbild von Heinz Scharr.
  • 1963-1964 wurde das Wohnheim V (heute: Mitarbeitergebäude I) errichtet (Entwurf: Helmut Seeland), ein elfgeschossiger monolithisch wirkender Baukörper mit einer außen angebrachten Fluchttreppe; mit dem Haupteingang ist dieses Hochhaus durch einen eingeschossigen Flachbau verbunden.
  • Seit 1967 entstanden am westlichen Rand des Campus weitere, seither abgerissene Bauten: 1967 eine aus Fertigteilen errichtete Turnhalle (Entwurf: VEB Hochbauprojektierung Erfurt) und 1975 eine V-Station (Entwurf: VEB BMK Süd in Karl-Marx-Stadt) sowie ein zweigeschossiges Mehrzweckgebäude, das dem Neubau der Universitätsbibliothek (s.u.) wich.
  • 1983 wurde die Mensa nördlich an das zentrale Verwaltungsgebäude angebaut  (Entwurf: VEB BMK Erfurt - Industrieprojektierung). Der großflächige Flachbau ist in Pfosten-Riegel-Konstruktion ausgeführt und durch Wandscheiben und Kassettendeckenplatten ausgesteift.
  • 1987 entstand das Wohnheim Plauener Weg aus zwei zueinander versetzten, durch ein zentrales Treppenhaus verbundenen Gebäudeteilen. Der sechsgeschossige, mit einem Flachdach gedeckte Bau besteht aus Schwerbeton-Platten mit gleichförmig angeordneten, rechteckigen Fenstern.
  • 1988 wurde am Westrand des Campus eine Sporthalle errichtet (Entwurf: G. Rgola und A. Bernat, Wissenschaftlich-Technisches Zentrum [WTZ] für Sportbauten Leipzig) als Stahlkonstruktion mit Außenwänden aus Gasbetonelementen und durchlaufenden Fensterbändern; vorgelagert ist ein eingeschossiger Anbau. Die Sporthalle wurde 2008 erweitert.

Bauten für die Universität Erfurt

  • 1994 wurde die Universität Erfurt wiedergegründet; für sie wurden die denkmalgeschützten Ensemble auf dem Campus des früheren Pädagogischen Instituts bzw. der Pädagogischen Hochschule genutzt. Der erste Neubau für die Universität war der erste (und bisher einzige) Bauabschnitt der Universitätsbibliothek 1995-2000 (Entwurf: Koch und Partner, München; zu weiteren Projekten des Teams gehören das Terminal II des Flughafens München 1998-2003 und das Klärwerk München-Großlappen 2002-2008).
  • 2005 wurde die 1923/24 erbaute Familien-Villa des Erfurter Samenzüchters Franz Martin saniert und als Villa Martin der campus-nahe Sitz der Theologischen Fakultät.
  • 2010 wurde die Außenfassade des Hochhauses auf dem Campus der Universität Erfurt saniert. Dabei wurde der für das Fluchttreppenhaus neu errichtete Anbau an der Fassade mit einer Photovoltaik-Anlage versehen.
  • 2014 wurde mit dem Bau des Kommunikations- und Informationszentrums begonnen, in dem das Universitätsrechen- und Medienzentrum (URMZ) und zwei Veranstaltungssäle untergebracht sind. Das URMZ zog 2016 ein, die Hörsäle stehen seit 2017 für (Lehr-)Veranstaltungen zur Verfügung.
  • 2019 erfolgte der Spatenstich für den Forschungsneubau "Weltbeziehungen" auf dem Campus.

Bau für das Studierendenwerk Thüringen auf dem Campus

  • 2014 wurde das Max-Kade-Haus auf dem Campus eingeweiht; es bietet Wohnraum für 50 Studierende und beherbergt das "Campus-Kinderland" mit Betreuungsplätzen für 80 Kinder.
  • 2019 wurde das Studierendenwohnheim an der Nordhäuser Straße 78 eingeweiht; es bietet Wohnraum für 247 Studierende.

Quellen: Günther Lucke, Anlage zur Eintragung in die Denkmalliste, Az. EF EIN 1 L 09-013 (1993); St. Burucker, Projekt 31: Pädagogische Hochschule Erfurt, in: J. Behrens, M. Mann, B. Zimmermann (Hgg.), Architektur in Erfurt von den 20ern bis zur Gegenwart. Erfurt: VHT 1999, 76-81; eigene Recherchen. | Zusammengestellt von Prof. Dr. Kai Brodersen.

Lesetipp

Broschüre Universitätsgesellschaft Erfurt

Erfurt. Die älteste und jüngste Universität Deutschlands.
2014 | 52 Seiten | kostenlos erhältlich bei der Universitätsgesellschaft und Pressestelle der Universität

Broschüre als Download
Website der Universitätsgesellschaft

Campus Kunstwerke

Die Gebäude der Universität Erfurt sind mit zahlreichen zeitgenössischen Kunstobjekten, Wandbildern und Bauschmuck geziert.

Haupteingang (1963)

Stahlskulptur

Kunst am Eingangsbereich der Uni Erfurt

Anlässlich der Umgestaltung des Eingangsbereichs nach der Errichtung des Wohnheimes V (heute Mitarbeitergebäude 1) wurde im selben Zeitraum eine von Heinz Scharr (*1924) entworfenen Stahlskulptur errichtet, die den Eingangsbereich der Pädagogischen Hochschule auffallend prägte.

Die Gesamtkomposition ist durch deutlich konturierte Personen (was in der Natur der Technik liegt), aber auch durch starke Schwarzweiß-Kontraste geprägt. Die Figurenauffassung erinnert - gerade, was die Darstellung der Gesichter anbetrifft - deutlich an Fernand Leger. Da in dessen Werke tatsächlich Elemente eines sozialistisch-heroischen Impetus’ enthalten, ist eine Einflussnahme des Franzosen auf den Urheber der Metallplastik durchaus vorstellbar.

Auditorium Maximum (1956-1961)

Stein-Mosaiken

Campuskunst Audimaxreliefs

Im Foyer des Hörsaals sind drei von Gottfried Schüler (1923-1999) gestaltete Stein-Mosaiken angebracht. Sie thematisieren Aufbau (links), Freizeit - Freundschaft - Liebe - Familie (Mitte) und Musik - Lernen - Kunst (rechts).

Aufgrund des Materials sind sie wenig buntfarbig. Die Figuren werden eckig und abstrahierend dargestellt, so dass die Farbwahl zusammen mit den kubischen Formen entfernt an kubistische Bildfindungen denken lassen. Gleichermaßen erinnern einige - stark im Profil dargestellte - Figuren vor hellem Hintergrund an Malereien in ägyptischen Pyramiden. Eine schwarze Konturierung lässt die Figuren deutlichvor dem Hintergrund hervortreten.

Figurengruppe

Campuskunst Akt am Audimax

Die Figurengruppe am Giebel oberhalb des neoklassizistischen Portikus wurde von Helmut Braun (*1925) entworfen, der auch an den Hochreliefs am Hörsaalanbau des Lehrgebäudes I beteiligt war.

Dargestellt sind eine weibliche und eine männliche allegorische Figur, die unbekleidet mit vor ihrer Scham verschränkten Beinen in ihrer Mitte einen Globus mit ihren Armen halten, auf dem eine Friedenstaube abgebildet ist. Die Ausführung in Kalkstein oblag dem Erfurter Steinmetzmeister Otto Lehmann.

Lehrgebäude I (1952-1954)

Friese

Kunst am Lehrgebäude 1

Die als Hochrelief ausgeführten Friese stammen von Hans Walther (1888-1961) und Helmut Braun (*1925). Sie thematisieren Literatur, Kunst und Musik (Nordseite, von Braun und Walther geschaffen) und verschiedene Lehrsituationen (Westseite, von Walther geschaffen, Südseite, von Braun geschaffen).

Wandbild

Vor Hörsaal 3 befindet sich ein monumentales Wandbild von 1966, geschaffen von dem Erfurter Künstler Lutz Gode (*1940), das (in einem Stil, der an die Kunst der Neuen Sachlichkeit denken lässt) Studenten zeigt.

Ölgemälde

Ölgemälde im Lehrgebäude 1

Ebenfalls von Lutz Gode aus dem Jahre 1990 stammt ein Ölgemälde vor Hörsaal 4, eine leicht abstrahierte figürliche Komposition.

Auf demselben Flur hängen zwei weitere, querformatige Ölgemälde: "Landschaft mit Erntearbeitern", ein im Stil des Realismus des 19. Jahrhunderts geschaffenes Gemälde des Erfurter Künstlers Karl Ortelt (1907-1972), sowie „Industrielandschaft bei Sondershausen“ des Erfurter Künstlers Wolfgang Taubert (1909-1990), das thematisch und stilistisch ebenfalls an Werke des Realismus im 19. Jahrhundert denken lässt.

Lehrgebäude II (1958-1962)

Glasfenster

Campuskunst im Lehrgebäude 2

Im Treppenhaus des 1958-1962 in einer Stahlskelettkonstruktion errichteten Lehrgebäudes II befindet sich zwei nach Norden ausgerichtete, über mehrere Geschosse ausgedehnte, die Wand komplett ausfüllende Glasfenster in der Größe 6 x 10 m, die 1963 nach einem Entwurf von Otto Kayser (1915-1988) und Gottfried Schüler (1923-1999) entstanden und dessen Herstellung in Glasschliff- und Ätztechnik die Glasfertigung Magdeburg vorgenommen hatte.

Die Fenster füllen jeweils das aus zehn Einheiten bestehende "Gefache" der Wand aus. Jedes der hochrechteckigen "Gefache" ist durch Metallsprossen noch einmal in neun Flächen unterteilt. Ursprünglich hatte das Gebäude unter anderem die Fächer Mathematik und Physik aufgenommen; dieser Thematik trägt die abstrakt gehaltenen Glasfenster Rechnung, auf denen Signaturen und Formeln von Einstein, Planck und Kopernikus zu lesen sind.

Verwaltungsgebäude (1965)

Bronzebüste Dr. Theodor Neubauer

Büste Theo Neubauer auf dem Campus der Universität Erfurt

Vor dem Verwaltungsgebäude findet sich auf einer Stele eine Bronzebüste Theodor Neubauers nebst einer Inschrift. Die Umbenennung des Pädagogischen Instituts in "Pädagogische Hochschule Theodor Neubauer" erfolgte 1965, und aus diesem Jahr stammt auch die Bronzebüste.

Geschaffen wurde sie von Walter Arnold (1909-1979), der in dieser Zeit Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden war.

Wohnheim I (1969)

Wandbild

Wandbild im Wohnheim auf dem Campus

1969 wurde am Nordgiebel des Wohnheims I das Gurtgesims entfernt und stattdessen ein großflächiges Wandbild angebracht, das der Weimarer Künstler Herbert Reiher in Sgrafitto-Technik geschaffen hat.

Das Wandbild zeigt vor graugrünen, erdfarbenen und weißen geometrischen Flächen junge Menschen: ein Mann und zwei Frauen beim Sport. Die Figuren sind durch Umrisslinien gekennzeichnet und besitzen keine eigene Farbigkeit, so dass die Hintergrundfarben durch sie hindurch scheinen.

Eine von Ulrike Wollenhaupt-Schmidt verfasste ausführlichere und bebilderte Darstellung der Kunst auf dem Campus mit Belegen bieten wir zum Download an.