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Neuer Sonderforschungsbereich in Erfurt und Jena widmet sich Fragen zum Eigentum

An der Friedrich-Schiller-Universität Jena findet am 8./9. Juli die Eröffnungstagung des neuen Sonderforschungsbereichs/Transregios (SFB) 294 „Strukturwandel des Eigentums“ statt, der Anfang des Jahres an den Universitäten Jena und Erfurt die Arbeit aufgenommen hat und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.

Den Strukturwandel des Eigentums erforschen in 23 Teilprojekten Wissenschaftler*innen aus der Soziologie, der Politik-  und Geschichtswissenschaft, der Philosophie, den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, den China- und Südasienstudien sowie der Religionswissenschaft. Thematisch befasst sich der Sonderforschungsbereich mit der Geschichte des Eigentums seit der Antike, mit aktuellen Konflikten um Eigentum sowie mit zukünftigen Eigentumsverhältnissen und Alternativen zum Privateigentum. Geforscht wird nicht nur im europäischen Kontext, sondern etwa auch in Indien, China oder Brasilien. Denn die zukünftigen Strukturen des Eigentums, so die drei Sprecher*innen Hartmut Rosa, Silke van Dyk und Tilman Reitz, werden heute ohne Zweifel im globalen Rahmen ausgehandelt. Bei der Auftakttagung diskutieren die Forscher und Forscherinnen mit Gästen aus Wissenschaft, Praxis und Medien über die Eigentumsverhältnisse der Gegenwart und Zukunft.

Die Ausgangsdiagnose des interdisziplinären Forschungsverbunds lautet, dass Auseinandersetzungen um Form, Bedeutung, Verteilung und Verpflichtung von Eigentum in den nächsten Jahren deutlich an Intensität gewinnen werden.

„Dabei geht es nicht nur um die Verteilung von Einkommen und Vermögen, sondern um eine Vielzahl an Themen, etwa das Eigentum an Daten, an Gensequenzen, an globalen Ressourcen bis hin zum Wind und zu den Rohstoffen auf dem Mond, um die Frage, wem die Stadt gehört, oder ob Körperorgane eigentumsfähig sein können,“

sagt Hartmut Rosa, der Sprecher des Sonderforschungsbereich. Die Berliner Bürgerinitiative Deutsche Wohnen & Co enteignen zur Vergesellschaftung großer Immobilienfirmen, aber auch der Versuch der Bundesregierung, Schlüsselindustrien vor dem chinesischen Zugriff zu schützen und gegebenenfalls sogar zu verstaatlichen, seien nur zwei aktuelle Beispiele für die zu erwartenden Auseinandersetzungen. Zugleich beobachten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, dass sich auch verändert, was es überhaupt bedeutet, Eigentum zu haben:

„Die dominante Vorstellung von Eigentum beinhaltet, dass der Eigentümer einerseits über seinen Besitz verfügen, ihn gestalten kann, andererseits aber auch, dass er für ihn Sorge trägt. Wenn heute etwa Wohneigentum von großen Immobilienfonds erworben und oft in Sekundenbruchteilen wieder weiterverkauft wird, dann wissen Eigentümer, die Fondsanteile halten, in aller Regel gar nicht, an was sie Eigentum haben, und die Mieter wissen nicht, wem sie die Miete zahlen. Das ändert den Charakter dessen, was Eigentum ist und heißt“,

erklärt Silke van Dyk, Co-Sprecherin des SFB. Ähnliche Verschiebungen lassen sich beobachten, wenn etwa Musiktitel oder literarische Erzeugnisse auf digitalem Wege nicht nur beliebig und kostenfrei vervielfacht werden können, sondern wenn sie gar nicht mehr als persönlicher Besitz erworben, sondern nur temporär genutzt bzw. ‚gestreamt‘ werden.

„Dann wird das Eigentum an Kulturprodukten durch technische Zugriffsrechte ersetzt. Auch das ändert den Charakter des Eigentums“,

erläutert Tilman Reitz, ebenfalls Co-Sprecher. In jedem Fall zeige sich, dass nach Jahrzehnten der teils aggressiven und globalen Privatisierung von Eigentum in nahezu allen ökonomisch relevanten Bereichen bis hin zum Wasser und zum Wind inzwischen überall politische und auch technische Gegentendenzen zu beobachten sind. Die bringen nicht nur neue Formen des Eigentums hervor, die sich beispielsweise in vielfältigen Ausprägungen von Sharing Economies oder von Commons niederschlagen, sondern haben auch ein weltweites Nachdenken über Alternativen zur Eigentumsförmigkeit der Gesellschaft in Gang gesetzt.

Interessenten können die Veranstaltung online verfolgen (Kenncode: SFB_294)

Gern stehen die Sprecher*innen des SFB auch für individuelle Interviews zur Verfügung (Kontakt: koordination.sfb-eigentum@uni-jena.de)

Die Sprecher und Sprecherinnen des SFB laden am Vortag der Eröffnungstagung, am Mittwoch, 7. Juli 2021, um 16.30 Uhr, zur Pressekonferenz ein. Über den unten stehenden Link können Sie an der Pressekonferenz teilnehmen. Der Kenncode lautet SFB_294.

Link zur Pressekonferenz

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(Hochschulkommunikation)
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