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Freiwilligkeit und Dekolonisation. Die Regulierung der Arbeit im (post-)kolonialen Ghana

Teilprojekt in der Forschungsgruppe "Freiwilligkeit". Dieses Unterprojekt konzentriert sich auf die Freiwilligkeit in einer Ära der Dekolonisierung und damit auf ein politisches Prinzip (post-)kolonialen Regierens. Anhand des Fallbeispiels der britischen Goldküste/Ghana untersuchen wir, wie freiwilliges Handeln die politische und soziale Ordnung während des Übergangs von der spätkolonialen "indirekten Herrschaft" zur Unabhängigkeit prägte und wie Freiwilligkeit zu einer politischen und sozialen Norm und Ressource wurde. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Bedeutung der Arbeit für die Konstruktion neuer Vorstellungen von Staatsbürgerschaft und Zugehörigkeit.

Projektleitung

Inhaberin der Professur für Globalgeschichte (Historisches Seminar)

Hauptprojekt

Verwandte Projekte

Freiwilligkeit als politische Praxis Prof. Dr. Jürgen Martschukat
Freiwilligkeit und Diktatur Prof. Dr. Christiane Kuller
Freiwilligkeit und Heimkehr Dr. Florian Wagner
Freiwilligkeit und Martyrium Prof. Dr. Sabine Schmolinsky

Dieses Unterprojekt untersucht die Art und Weise, in der die Ghanaer aufgefordert wurden, als Bürger an der Gestaltung eines neuen Ghanas und eines neuen Afrikas mitzuwirken. Wir untersuchen auch ausgewählte staatliche Programme wie die "Builder's Brigades", die die Bürger zur Verwirklichung von Entwicklungszielen einsetzten und sie gleichzeitig zu neuen (post-)kolonialen Subjekten formten. Das Teilprojekt untersucht, wie das neue Regime die Selbstmobilisierung durch Arbeit konzeptualisierte. Darüber hinaus wollen wir herausfinden, ob und inwieweit die beteiligten Akteure freiwillige Arbeit als konstitutiven Bestandteil einer westlichen Handlungs- und Denkweise betrachteten oder ob sie über diesen Rahmen hinauswies - etwa als Motor einer zukünftigen afrikanischen Moderne.

Das Projekt untersucht die Dimensionen der Freiwilligenarbeit und ihre koloniale Geschichte sowie die Verflechtung dieser Praxis mit panafrikanischen Bewegungen und mit den neuen sozialistischen Staaten, insbesondere der Deutschen Demokratischen Republik. Wir versuchen, auf die Forderung nach einem durch sozial- und kulturgeschichtliche Erkenntnisse ergänzten Ansatz zur Dekolonisation zu reagieren. Indem wir die Verbindung von Dekolonisation und Freiwilligkeit in den Vordergrund stellen, ermöglicht uns das Teilprojekt, die historische Bedeutung von Freiwilligkeit als Modus politischen und sozialen Handelns jenseits liberaler Gesellschaften in Europa und Nordamerika besser zu verstehen.

In Anlehnung an Studien zur Gouvernementalität untersuchen wir, wie Menschen durch Freiwilligkeit regiert werden und wie sie durch das Zusammenspiel von Fremd- und Selbstregierung zu neuen politischen Subjekten geformt werden. Unter Rückgriff auf Theorien der Subjektivierung untersuchen wir die spezifischen Formen, in denen freiwilliges Handeln in (post-)kolonialen Kontexten mit Fremdbestimmung und Selbstverwaltung verbunden war. Im Lichte zeitgenössischer Studien der Sozialanthropologie untersucht das Projekt auch, wie Freiwilligkeit zum Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung wurde und wie sich dies auf politische Praktiken ausgewirkt haben könnte.

Globalgeschichte Dekolonisation