| Philosophische Fakultät, Seminar für Literaturwissenschaft

Anekdoten zu den Antikoden - Eine experimentell angehauchte Quizshow

Die Erfurter Studentinnen haben zusammen mit Slawist*innen aus Jena Gedichte von Václav Havel performt.

Eine experimentell angehauchte Quizshow. Die Erfurter Studentinnen haben zusammen mit Slawist*innen aus Jena Gedichte von Václav Havel performt.

Wie lassen sich Gedichte, die im Zweifel nur aus einem einzigen Wort bestehen, auf die Bühne übertragen? Wer war eigentlich Václav Havel und welche Botschaft tragen seine in den 1960er Jahren erschaffenen experimentellen Gedichte für die heutige junge Generation?

Studierende aus Erfurt und Jena haben sich im Sommersemester 2026 der Aufgabe angenommen, konkrete Poesie sowie die Biografie von Václav Havel in einem Theaterstück zu verarbeiten. Am 03. und 05. Juli war es dann so weit und die Anekdoten zu den Antikoden wurden in Jena und in Erfurt vor Publikum performt.

Die Rahmengeschichte stellte eine Quizshow über das Leben des tschechischen Schriftstellers und Politikers Václav Havel dar. In ihr konnte das Publikum erfahren, dass Havel zwar nie Skilehrer geworden ist, sehr wohl aber der erste tschechoslowakische (und nach der Teilung auch der erste tschechische) Präsident nach der Wende 1989. Im Fokus der Performance stand jedoch nicht sein politisches Vermächtnis, sondern sein literarisches Werk. In seiner Poesiesammlung Antikódy spricht er Themen an, deren Relevanz bis heute andauert. So konnten die Beteiligten das Funktionieren von Kommunikation und Sprache hinterfragen und den Missbrauch der Letzteren durch ideologische Parolen entlarven. Aber auch humorvolles Sprachspiel und Ironie waren reichlich dabei.

Nach der Performance gab es jeweils ein Gespräch mit dem Publikum, in dem die ersten Eindrücke geteilt und Fragen zum Entstehungsprozess gestellt werden konnten. Besonders am Sonntag konnte man dank des Besuchs von Frau Eugenie Trützschler von Falkenstein Havel aus der Perspektive einer Zeitzeugin in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Das Theaterprojekt hat anlässlich des im Jahr 2026 anstehenden 90. Geburtstags von Václav Havel einen Beitrag zu den Feierlichkeiten geleistet. Ein besonderer Dank gilt allen beteiligten Studierenden, die auch über das übliche Studienpensum hinaus mit viel Kreativität und Enthusiasmus das Theaterstück auf die Beine gestellt haben. Sie vermittelten nicht weniger als den Gedanken von Freiheit und von dem Mut, festgefahrene Strukturen zu hinterfragen. Und es ist – gerade in der heutigen Zeit – nicht schlecht, an diese Gedanken erinnert zu werden.