Die Veranstaltung antwortet auf komplexe Herausforderungen der Gegenwart: Akute Formen der Zerstörung, Ausbeutung und Gewalt an sich selbst, anderen Menschen, nicht-menschlichen Lebewesen und planetarischen Prozessen, zunehmende soziale Polarisierungen und die Infragestellung eines regelbasierten Multilateralismus lassen eine Kultur der Versöhnung als äußerst dringlich erscheinen. Zugleich wird Kritik am Konzept der Versöhnung selbst geübt: dass es allzu oft als Herrschaftsinstrument genutzt wird, um bestehende Formen der Zerstörung, Ausbeutung und Entrechtung ideologisch zu legitimieren. Die Tagung soll an einer differenzierten Betrachtung mitwirken. Sie ist von der Überzeugung getragen, dass die skizzierte Kritik äußert ernst zu nehmen ist – und Vorstellungen und Praktiken von Versöhnung gleichwohl von großer Relevanz sind: Jedwedes Verständnis von Versöhnung aufzugeben, wäre gleichbedeutend mit der Preisgabe einer Perspektive, die über identitäres Stammesdenken, Entrechtung und Freund-Feind-Dichotomien hinausweist. Damit stellt sich die geplante Tagung der Herausforderung, wie sich nicht-hegemoniale Versöhnungsprozesse verstehen und kultivieren lassen.
Organisation:
Olivia Mitscherlich-Schönherr (Vechta) und Holger Zaborowski mit Bettina Hollstein und Hartmut Rosa (Erfurt)
Um Anmeldung unter mwk.tagungsanmeldung@uni-erfurt.de wird gebeten.

