Ihr Vortrag und die Grußworte des Dekans und der Studierendenschaft wurden von Ekkehard Fellner am Klavier mit von ihm selbst komponierten Stücken untermalt. Es wurde aber nicht nur zugehört: Dass die Affinität der Moraltheologin zur Musik auch vom Publikum, das Fakultätsmitglieder und Studierende aus Erfurt, Kolleg*innen aus der Moraltheologie sowie Freunde und Familie umfasste, geteilt wurde, zeigte sich, als zum Abschluss der Veranstaltung alle gemeinsam das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ anstimmten.
Der Vortrag von Prof.in Klöcker beleuchtete verschiedene moralische und politische Aspekte des Hörens. Unter anderem in Bezug auf Adorno und dessen Verknüpfung von Hören und Gehorsam, machte sie deutlich, dass der Appell, „man müsse einander wieder mehr zuhören“, eben keine leere Floskel ist, sondern ein wichtiges Kriterium für gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Widerstand gegen Autoritarismus. Mit dem Begriff der „Selbsthörigkeit“ erschloss sie eine besonders subtile Form des Gehorsams im modernen autoritären Liberalismus, die das Prinzip des Gehorsams einerseits auf den Kopf zu stellen scheint, gleichzeitig aber das gesellschaftliche Miteinander korrumpiert und den Zulauf zu autoritären politischen Strömungen fördert. Das dem Gehorsam entgegengesetzte Hören könne durch eine Schärfung der Wahrnehmung und das Einüben des Aushaltens von Konflikten zu mehr Nuancierung und einer größeren Ambiguitätstoleranz im Rahmen gesellschaftlicher Debatten beitragen.
Durch Gesellschaftsrelevanz und den Bezug auf aktuelle, teils polarisierende Themen zeichnen sich auch die anderen Forschungsbereiche der Moraltheologin aus, die seit März 2025 die Professur für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt innehat. Ein gutes Beispiel hierfür ist ihr kürzlich gestartetes DFG-Projekt „Wi(e)der die Moralisierung von Krankheit – Ein theologisch-ethischer Beitrag zu einer Ethik der Prävention im postgenomischen Zeitalter“. Dekan Prof. Dr. Notker Baumann betonte neben der großen fachlichen Kompetenz seiner Kollegin auch deren Engagement im Rahmen der Gremienarbeit und bei der Organisation von Veranstaltungen. Im Grußwort der Studierenden hob Felix Pohl sowohl die bemerkenswerte Aufgeschlossenheit und Zugewandtheit von Prof.in Klöcker als auch deren didaktischen Methoden hervor.
Nachdem der formale Teil des Abends im wahrsten Sinne des Wortes „ausgeklungen“ war, gab es noch ein nettes Beisammensein im Kreuzgang mit einem großzügigen Buffet.

