Dieser Vortragsabend vereint zwei Perspektiven auf die Wissens- und Religionsgeschichte der Frühen Neuzeit: die Auslegung der Lutherbibel im protestantischen Kontext sowie die Überlieferung mamlukischer Handschriften in den Beständen der Forschungsbibliothek Gotha.
Im ersten Vortrag geht Prof. Dr. Stefan Michel (Hiob-Ludolf-Fellow) unter dem Titel „Der unantastbare Text. Hermeneutische Strategien der Lutherbibel-Auslegung im frühneuzeitlichen Luthertum“ der Frage nach, wie die Autorität des biblischen Textes begründet und zugleich seine Auslegung gesteuert wurde. Der Vortrag zeigt, mit welchen Methoden lutherische Theologen den Anspruch auf die Verbindlichkeit der Heiligen Schrift mit den Herausforderungen unterschiedlicher Deutungen in Einklang zu bringen versuchten.
Im zweiten Vortrag richtet Dr. Mohamed Ibrahim (Herzog-Ernst-Stipendium) den Blick auf einen besonderen Bestand orientalischer Handschriften. Unter dem Titel „Mamluk Chivalry Manuscripts at the Gotha Research Library“ stellt er Handschriften zur mamlukischen Ritter- und Kriegskultur vor, die heute in der Forschungsbibliothek Gotha aufbewahrt werden. Anhand dieser Quellen eröffnet der Vortrag Einblicke in die militärischen, ethischen und kulturellen Vorstellungen der Mamluken und beleuchtet zugleich die Bedeutung Gothas als Standort bedeutender orientalischer Sammlungen.
Die beiden Vorträge laden dazu ein, unterschiedliche Formen der Textüberlieferung und Wissensorganisation in Europa und dem Nahen Osten vergleichend in den Blick zu nehmen und ihre Bedeutung für die historische Forschung zu diskutieren.
Die Veranstaltungsreihe wird geleitet von Prof. Dr. Hiram Kümper.

