| Gründungsservice

brot//los & voller Ideen: vom Magazin zum gemeinnützigen Verein

Leon und Maren vom „brot//los“-Magazin zeigen, wie aus einer studentischen Idee der gemeinnützige Verein "Fundsache Literatur e.V." entstanden ist – mit Leidenschaft, Netzwerk und der Hilfe des Gründungsservice der Universität Erfurt.

„Aus Ideen Zukunft machen – Gründer:innen aus der Universität Erfurt berichten“ 

Die Universität Erfurt unterstützt Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Absolvent:innen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Mit dem StarTH-Gründungsstipendium erhalten angehende Gründer:innen die Möglichkeit, ihre Ideen weiterzuentwickeln, Netzwerke aufzubauen und den Schritt in die Gründung gezielt vorzubereiten. 

In unserer Interviewreihe kommen Stipendiat:innen zu Wort: Sie erzählen von ihren Erfahrungen, Erfolgen, Herausforderungen und Plänen für die Zukunft. Damit möchten wir Einblicke in den Gründungsalltag geben und gleichzeitig Mut machen, eigene Ideen in die Praxis umzusetzen. 

 

Einstieg – Eure Motivation und euer Hintergrund

1. Mögt ihr euch kurz vorstellen: Wer seid ihr und was macht ihr aktuell?

Wir sind Leon und Maren vom „brot//los“-Magazin (und dem gegründeten, gemeinwohlorientieren Verein „Fundsache Literatur e.V.“). So wie der Rest unserer Redaktion studieren wir an der Uni Erfurt. Leon im M.A. Literaturwissenschaft und Maren im B.A. Germanistik und Anglistik. Außerdem sind wir beide im Literatur- und Kulturbereich tätig. 

2. Was ist eure Gründungsidee – und wie hat sich euer Team gefunden? 

Wir wollen möglichst niedrigschwellig ein kostenloses Literaturmagazin für junge (junge = unerfahrene) Literat*innen und kultur- sowie literaturinteressierte Rezipient*innen herausgeben und im Zuge dessen durch Lesungen, Workshops, o. Ä. zu emotionaler Bildung beitragen. Gefunden haben wir uns durch die Arbeit im Kulturreferat des Studierendenrates der Uni Erfurt.

3. Was hat euch motiviert, gemeinsam eine Gründungsidee zu entwickeln?

Hauptmotivator war und ist es, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen und Erfurt an die junge DACH-Literaturszene anzuschließen. 

4. Gab es ein Schlüsselerlebnis, das den Ausschlag für eure Gründung gegeben hat? 

Schlüsselerlebnis nicht direkt - wir wollten gründen, damit wir verlässliche Strukturen schaffen können, die langfristig das Potential haben, zu wachsen und zu bleiben.

5. Welche unterschiedlichen Hintergründe und Kompetenzen bringt ihr ins Team ein? 

Im Grunde haben wir alle vergleichbare Hintergründe und durften noch dazu feststellen, dass wir uns in den meisten Fällen gut ergänzen. Besonders in Sachen Networking und Kommunikation haben wir eine gute Aufteilung und ähnliche Interessen. Leon ist schon länger in der jungen DACH-Literaturszene vernetzt und Maren auf lokaler Ebene. Er hat eher das Bedürfnis nach Struktur und sie nach „einfachmalmachen“. Das funktioniert alles ganz gut. Gute Mitte, gute Synergien.

Euer Gründungsweg

6. Wie sah euer Start in die Gründung aus? 

Eine Vorständin des Studierendenrates der Uni Erfurt hat die Kontaktaufnahme zum Gründungsservice vorgeschlagen. Dann sind wir vorbeigekommen und das hat sehr viel Spaß gemacht. Es wirkte so, als läge da immens viel Arbeit vor uns (war auch so) aber dank der Unterstützung kam es einem am Anfang bereits so vor, als wäre es machbar. 

7. Welche Unterstützung habt ihr auf eurem Weg in Anspruch genommen – innerhalb oder außerhalb der Uni Erfurt? 

Ganz viele Leute haben von Anfang an geholfen. Weil wir aus dem Gremiensektor kamen, konnten wir viel auf den StuRa setzen. Danke StuRa. Sonst konnten wir uns auch erfolgreich mit anderen DACH-Literaturzeitschriften connecten und von ihnen wertvolle Hilfe erfahren. Auch mit der Kulturlotsin der Stadt Erfurt konnten wir nett bei Tee, Gebäck und Mandarinen quatschen.

8. Gab es bestimmte Phasen, die für euch als Team besonders herausfordernd waren? 

Vor allem die Phasen, in denen Zeitschrift- und Gründungsarbeit zusammengefallen sind, waren sehr herausfordernd, da es schnell passieren kann, dass unvorhergesehene Komplikationen an zwei „Fronten“ entstehen können. Aber wir haben das alles gut gemeistert.

9. Wie habt ihr Aufgaben und Rollen im Team verteilt? 

Haben wir nicht so wirklich – wir haben einfach gemacht und darauf geachtet, dass nichts auf dem Weg verloren geht. Auch die Redaktion ist in ihrer Aufgabe und Rolle sehr klar und gleichzeitig demokratisch organisiert, was sehr toll ist. Alle sollen das machen können, worauf sie Bock haben, jedoch ohne das gemeinsame Ganze aus dem Blick zu verlieren.

Idee, Angebot und Umsetzung

10. Könnt ihr eure Gründungsidee bzw. euer Angebot kurz vorstellen? 

Unser Verein Fundsache Literatur e.V. und das dazugehörige Magazin "brot//los" für junge Literatur (jung im Sinne von unerfahren) richtet sich an Leute jeglichen Alters, die sich gern kreativ und literarisch ausdrücken möchten. Das Magazin geben wir kostenlos heraus, um so niedrigschwellig wie möglich Kunst und Literatur in die Öffentlichkeit zu tragen. Für die Inhalte unserer zweiten Ausgabe konnten wir Autor:innen aus dem gesamten DACH-Raum gewinnen, davon 25 Prozent ausschließlich aus Thüringen. Das macht uns sehr stolz! 

11. Wie habt ihr eure Zielgruppe definiert und welche Bedarfe möchtet ihr mit eurem Angebot decken? 

Die Zielgruppe konnten wir leicht durch den offenen Austausch mit anderen Zeitschriften und deren Zielgruppenerfahrungen definieren. Außerdem haben wir durch die erste Ausgabe vor Ort feststellen können, dass die Zielgruppe vor allem im studentischen Milieu aber auch unter lokalen Kulturvertreter/konsument:innen zu finden ist. Der Bedarf, den wir decken, liegt in persönlicher (Einsteige-)Literatur abseits des etablierten Literaturbetriebs.

12. Gab es besondere Hürden bei der Ausarbeitung von Vision, Mission, Geschäftsmodell oder eurer Satzung? 

Die Ausformulierungen hauptsächlich. Wir waren uns schon relativ klar darüber, was wir wollen, aber die passenden Worte (auch im rechtlichen Bereich) dafür zu finden, waren die Haupthürden.

13. Welche Rolle spielen Praxis-Tests, Prototypen oder Pilotprojekte in eurem Gründungsprozess? 

Diese spielten keine besonders große Rolle. Durch unser erstes, veröffentlichtes Magazin als Studierendengruppe hatten wir bereits ein funktionierendes Format gefunden. Dieses haben wir jedoch zielgruppenspezifisch weiterentwickelt. 

14. Wie trefft ihr wichtige Entscheidungen im Team?

Demokratisch, im Gespräch und dann im Endeffekt durch individuelle Verantwortlichkeitsübernahme, die häufig intrinsisch motiviert ist. 

Netzwerke, Weiterbildung und Sichtbarkeit

15. Welche Rolle spielte der Austausch mit anderen (z. B. Gründer:innen, Unternehmen, Familie, Freund:innen, pot. Kund:innen etc.) in eurem Gründungsprozess? 

Wie beschrieben eine große Rolle. Ohne die wären wir nix! (siehe Unterstützung „for free“ für unsere erste Magazinausgabe).

16. Welche Weiterbildungen oder Trainings haben euch geholfen – oder würdet ihr anderen Teams bzw. Gründer*innen empfehlen? 

Wir haben nicht direkt an spezifischen Weiterbildungen oder Trainings teilgenommen, jedoch die Angebote der Gründungsunterstützung durch den Gründungsservice sowie des StarTH-Netzwerks interessiert und engagiert wahrgenommen. Besonders wertvoll war für uns der Austausch mit anderen Gründer*innen aus den Thüringer Hochschulen im Rahmen des StarTH Together-Events 2025.

17. Welche Strategien nutzt ihr, um Sichtbarkeit für euer Projekt/euer Unternehmen aufzubauen? 

Wir nutzen verschiedene Kanäle wie Instagram, Poster und dann ist unser Magazin an sich bereits ja der Kanal für Sichtbarkeit.

18. Nutzt ihr gezielt Netzwerke, um euch als Team weiterzuentwickeln?

Unsere Netzwerke im Bereich der Literatur- und Kulturschaffenden stiften den meisten Nutzen. 

Erfahrungen und Learnings

19. Welche Erfahrungen haben euch bisher als Team am meisten geprägt? 

Gemeinsam ein emotional tiefgreifendes Printprodukt zu entwickeln und herauszugeben ist sowohl prägend, als auch zusammenschweißend. Nach dem ersehnten Release hielte wir gemeinsam eine Lesung in Würzburg. Das war Teambuilding at it’s best. 

20. Hat sich euer Selbstverständnis als Gründungsteam im Laufe der Zeit verändert? 

Unser Selbstverständnis hat sich insofern gewandelt, als dass sich parallel zur Gründung Freundschaften ergeben haben und gleichzeitig das Verantwortungsbewusstsein für einen „professionelleren“ Rahmen gewachsen ist. Das ist ein Glücksfall, den wir sehr zu schätzen wissen.

21. Gab es einen Moment, in dem ihr gemerkt habt: „Das war genau die richtige Entscheidung“? 

Ja, die Releaseparty der zweiten Ausgabe mit verschiedenen Gastautor*innen, als wir wie „Mama-Hennen“ an der Seite saßen und zugesehen haben, wie das Projekt ohne unser Zutun einen weiteren Schritt in eine breitere Öffentlichkeit gehen konnte.  

22. Wie geht ihr mit Konflikten oder unterschiedlichen Meinungen im Team um?

So lange reden bis wir einen guten Kompromiss gefunden haben, immer unter Wahrung eines demokratischen Prozesses.

Ausblick und Tipps

23. Wo steht ihr heute mit eurer Gründung – und was sind eure nächsten Schritte? 

Momentan befinden wir uns im Stadium des Vereinsaufbaus nach erfolgreicher Gründung. Wir warten also unter anderem auf die Eintragung in das Vereinsregister und planen nebenbei die nächste, dritte Ausgabe der Zeitschrift.

24. Habt ihr eure Gründung im Haupt- oder Nebenerwerb aufgebaut?

Die Vereinsgründung ist eine nebenberufliche, ehrenamtliche Tätigkeit. 

25. Was würdet ihr Studierenden oder Mitarbeitenden raten, die im Team gründen möchten? 

Spaß haben! Die gemeinsamen Ziele und Werte nicht aus den Augen verlieren. Engagiert und positiv bleiben – auch in herausfordernden Phasen. Transparent, ehrlich, offen und auf Augenhöhe miteinander kommunizieren.

26. Was wünscht ihr euch für die Gründungskultur an der Uni Erfurt oder in Thüringen allgemein? 

Dass alle, die eine Projekt- oder Gründungsidee haben, die Angebote des Gründungsservice frühzeitig nutzen, sich dort kostenfrei beraten lassen und so wichtige Skills für die eigene Zukunft (privat wie beruflich) mitnehmen.

 

Abschluss

Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch! 

Haben Sie selbst eine Idee, die Sie gerne weiterentwickeln möchten? Der Gründungsservice der Universität Erfurt unterstützt Sie mit individueller Beratung, Workshops und Fördermöglichkeiten – von der ersten Idee bis zur Umsetzung. 

Mehr Informationen finden Sie hier

Sie befinden sich im News-Bereich des Gründungsservice.

Weitere Meldungen, Pressemitteilungen sowie aktuelle Themen finden Sie auf den "Aktuelles"-Seiten der Universität Erfurt.