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Max-Weber-Kolleg übergibt Doktorhüte an Promovierte

Das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt ist bekannt als ein Institute for Advanced Study, das regelmäßig internationale Fellows für Forschungsaufenthalte willkommen heißt. Doch darüber hinaus ist es auch ein Graduiertenkolleg, in dem  Qualifikationsarbeiten (Promotionen und Habilitationen) erarbeitet werden. Für die Promovierenden und Habilitierenden ergeben sich durch die Zusammenarbeit mit den internationalen, erfahrenen Fellows vielfältige Begegnungen, anregender interdisziplinärer Austausch und neue Kooperationsmöglichkeiten.

Heute fand die Übergabe der Doktorhüte an die erfolgreichen Absolventen und Absolventinnen des vergangenen Jahres statt – musikalisch wunderbar umrahmt von den Lehrenden des Fachbereichs Musik der Universität Erfurt, Susanne Rath (Sopran) und Alexandra Ismer (Klavier).

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Direktor des Kollegs, Hartmut Rosa, wurden die erfolgreichen Promotionen vorgestellt und gewürdigt. Vier erfolgreich Promovierte konnten leider nicht selbst anwesende sein: Jing Cheng („Institutions and Governance in Urbanizing China. The Case of Shareholding Cooperative Companies in Shenzhen“), Marios Kamenou („Resonant relationships and religious innovations: Interpreting ritual practices in the Hellenistic cult of Kybele”), Veronika Kolomaznik („Der Phallos, ein geschmackloses Sinnbild der Antike? Einblicke in soziale und religiöse Erfahrungsräume der griechisch-römischen Gesellschaften und das Potenzial von Bildwerken“) und Clemens Wurzinger („Tibull, Kontexte und die Resonanz zweiter Ordnung“).

Die Laudatoren stellen ausführlich die Inhalte und besonderen Verdienste der Arbeiten vor. Die Doktorarbeit „Spatiality, Religion and Body: Relocating Female Experiences in Post-Revolutionary Iran“ von Behnaz Ghazi Moradi wurde von Jürgen Martschukat gewürdigt, der unter anderem auf das hohe persönliche Engagement und die damit verbundene Reflektiertheit hinwies. Hartmut Rosa stellte in Vertretung von Tilo Wesche und Stephan Moebius die Arbeit von Marcus Döller „Autonomie als soziale Praxis. Sozialität und Revolution nach Hegel“ vor, deren Autor sich auszeichnet durch eine überdurchschnittliche Belesenheit und die Fähigkeit, unterschiedlichste Theorietraditionen zu verbinden. Zu Lukas Jungs Arbeit „Zwischen Wettkampf und Kaiserkult. Die Agone von Side und den Städten Pamphyliens im Spannungsfeld imperialer Ideologie und lokaler Identität“ hielt Jörg Rüpke die Laudatio in Vertretung von Georgia Petridou, die die gelungene Verbindung von archäologischer empirischer Feldarbeit mit sozialwissenschaftlichen Theorien hervorhob. Hartmut Rosa las die von Stephan Moebius verfasste Laudatio für Anton Röhrs Arbeit „Resonanz und Negativität.  Auf dem Weg zu einer Kritischen Theorie der Weltbeziehungen“ vor, die eine kritische Perspektive aus seine (Rosas) eigene Theorie einnimmt. Schließlich würdigte Carsten Herrmann-Pillath die exzellente Arbeit von Ling Li zu „Cultural Governance in China: A Study on the Interaction of State Strategies and Local Lineage Revival”, die im Kontext des Sonderforschungsbereichs zu Strukturwandel des Eigentums entstanden ist und die Rolle von Kultur auf spezifische Eigentumsformationen in China untersuchte.

Da nach Abschluss der Prüfung, die Publikation von Doktorarbeiten immer noch etwas Zeit in Anspruch nimmt, dauert es so lange, bis die finale Promotionsurkunde vergeben werden kann. Daher wurde die Tradition eingeführt, einmal im Jahr Doktorhüte zu vergeben, um einen festlichen Abschluss dieser wichtigen Phase in einer wissenschaftlichen Karriere zu markieren. Die Doktorhüte wurden durch die Direktoren des Kollegs, Hartmut Rosa und Jörg Rüpke, gemeinsam mit den Laudatoren übergeben. Darüber hinaus wird nun jedes Jahr eine Pflanze (Baum oder Busch) für den jeweiligen Jahrgang rund um den Forschungsbau Weltbeziehungen gepflanzt, um eine bleibende Erinnerung zu schaffen und auch einen Beitrag zur nachhaltigen Gestaltung des Campus zu leisten.

Im Anschluss fand das Sommerfest des Max-Weber-Kollegs statt, zu dem sich auch die Teilnehmenden der Intercontinental Academy gesellten, einer Art Summer School von UBIAS (ausgerichtet vom Max-Weber-Kolleg und dem Institute for Advanced Study in Belo Horizonte) von fünfzehn ausgewählten internationalen Postdocs und ihren Mentoren (aus zehn Nationen), die für eine Woche zum Thema „Pluralities of Resonant Relationships“ am Max-Weber-Kolleg weilten. Dies war eine weitere Gelegenheit neben Spaß beim Kickerturnier und Karaoke auch internationale Kontakte zu knüpfen und spannende Gespräche zu führen.