Die Studie basiert auf zwei randomisierten Feldexperimenten an einer großen Hochschule für angewandte Wissenschaften in Deutschland. Untersucht wurden zwei aufeinanderfolgende Studierendenkohorten mit insgesamt 1.609 Bachelor-Studierenden aus fünf Studiengängen in den Bereichen Betriebswirtschaft und Maschinenbau. Sie wurden bis zu 13 Semester begleitet, so dass weitgehend vollständige Studienverläufe vorliegen.
Vom zweiten Semester an erhielten alle Studierenden pro Semester zwei Briefe ihrer Fakultät, ein Schreiben zu Beginn des Semesters und eine weitgehend identische Erinnerung etwa einen Monat vor der Prüfungsphase. Die Briefe wurden fortlaufend über die Regelstudienzeit hinaus bis ins elfte (erste Kohorte) bzw. zehnte (zweite Kohorte) Semester verschickt. Die Schreiben an die Kontrollgruppe enthielten ausschließlich Angaben zur eigenen Leistung, also zum aktuellen Stand der Credits und der Durchschnittsnote. In der Treatmentgruppe wurden diese Informationen durch ein vergleichendes, grafisches Feedback zum Studienfortschritt ergänzt, das die eigenen Credits im Vergleich zum Durchschnitt sowie zu den besten 20 % der Studierenden desselben Jahrgangs im jeweiligen Studiengang zeigte. Die Information gab zudem normative Hinweise: einen Smiley bei mindestens durchschnittlichem Fortschritt, zwei Smileys bei Zugehörigkeit zu den besten 20 %. Der Unterschied zwischen Treatment- und Kontrollgruppe bestand damit allein in der vergleichenden Einordnung der eigenen Leistung.
Um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen, wurde das Feedback bewusst per Brief versendet, da Studierende heute oft viele E-Mails, aber nur wenige Briefe von der Universität erhalten. Pro Student*in betrugen die Kosten für die Bereitstellung des Feedbacks über die gesamte Dauer des Studiums rund 14 Euro. Zum Vergleich: Studien aus den USA zeigen, dass Studienbeihilfen von rund 2.000 Dollar eine ähnliche Verkürzung des Studiums bewirken.
Im Ergebnis zeigte sich: Wer regelmäßig über den eigenen Studienfortschritt im Vergleich zu Kommiliton*innen informiert wurde, schloss das Studium früher ab, ohne dass sich die Noten dadurch verschlechterten und ohne Einbußen beim subjektiven Wohlbefinden. Insgesamt erhielt jede*r siebente Absolvent*in das Bachelor-Zeugnis ein Semester früher. Entscheidend ist dabei jedoch die Art der Leistungsrückmeldung: Positives Feedback führt zu deutlich früheren Studienabschlüssen.
Das relative Feedback entfaltet seine Wirkung jedoch nicht gleichmäßig: Studierende, die wahrscheinlich keinen Abschluss machen, oder die ihn sehr wahrscheinlich schaffen, profitieren am wenigsten. Die stärksten Effekte zeigen sich bei Studierenden, die eine mittlere Abschlusswahrscheinlichkeit haben. Sie machen deutlich schneller ihren Studienabschluss, wenn sie die Information bekommen, über dem Durchschnitt zu liegen. Ein Hinweis auf eine nicht überdurchschnittliche Position kann dagegen mit geringerem Studienerfolg verbunden sein.
Prof. Dr. Oliver Himmler, Inhaber der Professur für Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten Wirtschaftspolitik und Finanzwissenschaft an der Universität Erfurt und Mitautor der Studie, fasst zusammen: „Relatives Leistungsfeedback kann ein wirksames Instrument zur Verbesserung des Studienerfolgs sein – bei geringen Kosten. Das Feedback wirkt vor allem bei Studierenden, deren Studienerfolg noch offen ist, und sollte gezielt eingesetzt werden. Wer erfährt, über dem Durchschnitt zu liegen, schließt deutlich schneller ab. Rückmeldungen an Studierende unterhalb des Durchschnitts sollten dagegen von Beratungs- und Unterstützungsangeboten begleitet werden.“
Publikation: Brade, R., Himmler, O., Jäckle, R. (2026), Relative feedback and university completion, Journal of Economic Behavior & Organization, doi.org/10.1016/j.jebo.2025.107383.

