| Staatswissenschaftliche Fakultät, Forschung

Neues Forschungsprojekt zur strategischen Polarisierung auf digitalen Plattformen

Wie entstehen politische Polarisierung und demokratische Frustration auf Plattformen wie TikTok und YouTube? Welche Rolle spielen Algorithmen dabei, welche Inhalte Menschen erreichen – und wie wirken sich diese Dynamiken auf politische Einstellungen aus? Die VolkswagenStiftung unterstützt in den kommenden fünf Jahren ein neues Verbundprojekt, das sich genau solchen Fragen widmet. Das Weizenbaum-Institut übernimmt die Projektleitung, Partner ist neben der Gesellschaft für Freiheitsrechte und der Initiative „Wir sind der Osten“ auch die Professur für „Demokratieförderung und Digitalpolitik“ an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt (Prof. Dr. Thorsten Thiel). Das Vorhaben trägt den Titel „Triggering Democratic Frustration: Understanding and Countering Strategic Polarisation on Digital Platforms“ und wird mit rund 1,4 Millionen Euro gefördert. Rund 192.000 Euro gehen an die Universität Erfurt.

In sozialen Medien verbreiten sich Inhalte, die politische Konflikte zuspitzen und stark polarisierende Positionen fördern, besonders stark. Gleichzeitig sinkt in Teilen der Bevölkerung das Vertrauen in demokratische Institutionen. Das Forschungsteam untersucht, ob und wie diese Entwicklungen zusammenhängen – und welche Rolle digitale Plattformen dabei spielen. Dafür analysieren die Forschenden Inhalte auf Plattformen wie TikTok und YouTube und führen Befragungen durch. Mit Hilfe digitaler Plattformdaten untersuchen sie, wie solche Inhalte verbreitet werden, wie sichtbar diese für die Nutzer*innen sind, welche Rolle algorithmische Empfehlungssysteme dabei spielen und wie sich das auf politische Einstellungen auswirkt.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Nutzung neuer Datenzugangsrechte nach Artikel 40 des europäischen Digital Services Act (DSA). Erstmals kann das Forschungsteam damit systematisch untersuchen, welche politischen Inhalte Menschen auf Plattformen tatsächlich sehen und wie diese durch Algorithmen verstärkt oder abgeschwächt werden.

„Digitale Plattformen prägen zunehmend, wie Menschen politische Informationen wahrnehmen und gesellschaftliche Konflikte erleben. Mit den neuen Möglichkeiten des Digital Services Act können wir diese Dynamiken erstmals umfassend untersuchen und besser verstehen, wie Polarisierung entsteht und wirkt“, sagt Dr. Jakob Ohme, Leiter der Forschungsgruppe Digitale Nachrichten und Gesellschaft am Weizenbaum-Institut und Projektleiter.

Die Ergebnisse sollen unmittelbar in die Praxis einfließen: Gemeinsam mit den Projektpartnern entwickelt das Forschungsteam digitale Lernmodule für die MitMachen-App der Initiative „Wir sind der Osten“ sowie Workshops für Schulen und zivilgesellschaftliche Organisationen. Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, polarisierende Inhalte besser zu erkennen, einzuordnen und reflektiert mit ihnen umzugehen.

Die Förderung erfolgt im Rahmen der Initiative „Transformationswissen über Demokratien im Wandel“ der VolkswagenStiftung, die interdisziplinäre Verbundprojekte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Zivilgesellschaft unterstützt.

Kontakt:

Inhaber der Professur für Demokratieförderung und Digitalpolitik
(Staatswissenschaftliche Fakultät)
C03 – Lehrgebäude 1 / Raum 0145
Sprechzeiten
Mittwoch: 9:00 - 10:00 Uhr

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