Die aktuelle Befragung zeigt: Die psychologische Klimalage im April 2026 wirkt auf den ersten Blick bemerkenswert ruhig. Handlungsbereitschaft, Zustimmung zu konkreten Maßnahmen, auch in Bezug auf Maßnahmen, die in der akuten Öl- und Gaskrise besonders relevant oder diskutiert sind — fast alles bewegt sich seit 2022 in einem engen Korridor. Auch ein auf die Öl- und Gaskrise zeitlich befristetes Tempolimit erhält aktuell keine stärkere Zustimmung als ein generelles Tempolimit.
“Diese Stabilität scheint aber trügerisch”, erklärt Prof. Dr. Cornelia Betsch, Direktorin des Institute for Planetary Health Behaviour an der Universität Erfurt. “Die Bevölkerung möchte im Grundsatz mehr Klimaschutz, traut ihn dem politischen System aber immer weniger zu.” So liege das Vertrauen in staatliches Klimahandeln mit rund 16 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit Beginn der Messung. "Wenn staatliche Programme, wie z.B. das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, als unzureichend wahrgenommen werden, verschiebt sich die wahrgenommene Verantwortung weiter ins Private: Ohnehin vorhandene Asymmetrien ('mein Handeln wirkt mehr als das der Regierung') werden leicht verstärkt. Insgesamt beobachten wir, dass Verantwortung tendenziell individualisiert wird, z.B. auch indem Diskurse sich weg von Regulierung und hin zu individuellen Anreizen bewegen, und so in der breiteren Wahrnehmung Klimaschutz eher Privat- als Staatsaufgabe zu sein scheint.”

