Philosophische Fakultät, Historisches Seminar

"Heimat im Umbruch". Die Transformation des ländlichen Raumes in Thüringen von 1945 bis heute

Datum
1. Juni 2026 - 2. Juni 2026
Veranstaltungsort
Haus Dacheröden, Anger 37
Veranstalter
Thüringer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur; Professur für Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik, Universität Erfurt; Thüringer Landeszentrale für politische Bildung
Veranstaltungsart
Konferenz/Symposium
Veranstaltungssprache(n)
Deutsch
Publikum
mit Anmeldung

Tagung des Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der Professur für Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik (Universität Erfurt) und der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung

Über die Veranstaltung

Wir laden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Praktikerinnen und Praktiker aus verschiedenen Disziplinen ein, ihre Perspektiven und Forschungsarbeiten zu den Transformationserfahrungen Thüringens seit dem Zweiten Weltkrieg vorzustellen. Insbesondere soll untersucht werden, wie sich die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen von der Zeit der DDR bis in die Gegenwart auf das Leben der Menschen in den ländlichen Gebieten ausgewirkt haben. Leitendes Motiv der Veranstaltung ist die interdisziplinäre Kommunikation zwischen den Teilnehmenden.

„Heimat im Umbruch“. Die Transformation des ländlichen Raumes in Thüringen von 1945 bis heute

Thüringen ist ein Land, das von tiefgreifenden historischen Umbrüchen geprägt ist. Von den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen während der DDR-Zeit bis hin zu den wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen nach der Wiedervereinigung hat sich die Region immer wieder neu erfinden müssen. Diese Veränderungsprozesse waren in überregionale und globale Transformationen eingebunden, so dass auch nach der Verschränkung zwischen lokalen, regionalen und überregionalen Dynamiken zu fragen ist. In Thüringen, einem ‚Land ohne Metropolen‘, gibt es kaum größere Städte und wenige Industriezentren. Hier zeigen sich politische, wirtschaftliche und soziale Wandlungsprozesse auf spezifische Weise, nämlich in einer ländlichen Konstellation. In diesem Sinn stellt der ländliche Raum Thüringens, der durch verschiedene Phasen der Zerstörung, Neuordnung und Transformation gegangen ist, ein einzigartiges Forschungsfeld dar.

Eine umfassende Studie zu den Auswirkungen dieser langfristigen Veränderungen auf den ländlichen Raum Thüringens seit dem Zweiten Weltkrieg fehlt bislang, obwohl die Transformationserfahrungen für die politische Landschaft und das Verständnis von heutiger Identität und Heimat von entscheidender Bedeutung sind. Die Tagung möchte hier bestehendes Wissen erstmal zusammenführen und diskutieren.

Den Blick auf die Transformationsprozesse des ländlichen Raumes verbinden wir mit der Frage nach „Heimat“. Galten Positionen, die von „Heimat“ sprechen, lange Zeit als eher unkritisch verklärend und tendenziell „ostalgisch“, so verbinden sich mit „Heimat“ im Hinblick auf die DDR- und Transformationszeit auch systemkritische und negative Erinnerungen. Nicht zuletzt war „Heimat“ auch ein Propagandabegriff der DDR-Regierung.

Bei der Tagung geht es auch um die Politisierung von Erfahrungen im ländlichen Raum: Inwiefern haben die spezifischen Erfahrungswelten im ländlichen Raum Auswirkungen auf die politischen Einstellungen der Menschen? Inwiefern wurden die Erfahrungen zu unterschiedlichen Zeiten zum Anknüpfungspunkt politischer Initiativen bzw. auch politisch instrumentalisiert?

Themenbereiche:

  • Transformation in der DDR: Vielerorts zerstörten die Folgen der staatlichen Umgestaltung der Landwirtschaft, der Städte und generell der sozialen Bedingungen von Gesellschaft in der DDR bewusst traditionell gewachsene Strukturen, etwa durch Zwangsenteignungen, politische Repressionen, Industrialisierung und damit einhergehender architektonischer Veränderung. Zu fragen ist auch, welche Auswirkungen Ereignisse wie die Grenzschließung 1952, der 17. Juni 1953 oder der Mauerbau auf das Leben der Menschen im ländlichen Thüringen hatten.

  • Die Friedliche Revolution von 1989/90: Welche Rolle spielte die friedliche Revolution in Thüringen, insbesondere im ländlichen Raum? Wie haben sich die Ereignisse von 1989/90 auf die politische Identität der Menschen ausgewirkt und welche langfristigen Folgen hatte die Wiedervereinigung?

  • Ökonomische Umbrüche vor und nach 1990: Welche Auswirkungen hatten sozialistische und neoliberale Reformen auf den ländlichen Raum? Wie haben die Menschen den Übergang von einer Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung erlebt? Unterlag die Wahrnehmung und der Umgang mit Eigentum von 1945 bis heute einem Wandel?

  • Gesellschaftliche Umbrüche und ihre Folgen: Wie hat sich die soziale Struktur in ländlichen Regionen Thüringens seit 1945 verändert? Welche kulturellen und sozialen Anpassungen mussten die Menschen jeweils zu ihrer Zeit vornehmen, um mit den sich ändernden (neuen) politischen und wirtschaftlichen Bedingungen zurechtzukommen?

  • Politische Akzeptanz und Widerstand: Wie spiegeln sich diese historischen Erfahrungen in der heutigen politischen Landschaft wider? Welche Verwerfungen und Herausforderungen bestehen in der heutigen Thüringer Gesellschaft, und wie beeinflussen sie politische Entscheidungen und Handlungen?

Teilnahme

Dieser Call richtet sich an Historikerinnen und Historiker, Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler, Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler, Kulturwissenschaftlerinnen und Kulturwissenschaftler sowie alle weiteren Interessierten, die sich wissenschaftlich und/oder praktisch mit den historischen und aktuellen Transformationserfahrungen Thüringens und ihrer Auswirkungen auf den ländlichen Raum beschäftigen.

Die Ergebnisse dieser Veranstaltung sollen nicht nur das Verständnis über die Transformationen in Thüringen vertiefen, sondern auch aktuelle politische Debatten in einen breiteren historischen Kontext stellen. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und auf einen spannenden Austausch über die Geschichte und die Zukunft Thüringens.

Einreichung von Beiträgen:

Wir laden Beiträge ein, die sowohl auf qualitativer als auch auf quantitativer Forschung basieren und die verschiedenen Facetten dieser Transformationserfahrungen beleuchten. Die Vorträge sollen ca. 15 Min. dauern.

Mögliche Formate sind:

  • Forschungsbeiträge, die neue theoretische oder empirische Erkenntnisse zu den oben genannten Themen liefern.

  • Fallstudien und biographische Erzählungen, die individuelle oder kollektive Erfahrungen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

  • Beiträge, die historische und zeitgenössische Perspektiven miteinander verbinden und so einen tiefen Einblick in die langanhaltenden Transformationsprozesse bieten.

Abstracts sollten zwischen 300 und 500 Wörtern umfassen und bis zum 22. Februar 2026 an das Organisationsteam gesendet werden. Mit der Einreichung verbindet sich die Zusage, für eine folgende Tagungspublikation einen Beitrag mit bis zu 10.000 Zeichen zu verfassen. Bitte senden Sie die Abstracts an Franca Schiminski (schiminski@thla.thueringen.de).

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Kontakt

Inhaberin der Professur für Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik
(Historisches Seminar)
C18 – Lehrgebäude 4 / Raum C18.01.21