Seit dem Wintersemester 2024/2025 bietet die Universität Erfurt als einer von deutschlandweit zwei Standorten ein duales Regelschulstudium für Lehramtsstudierende an. Dabei verbringen Studierende ab dem dritten Semester zwei Tage pro Woche an einer Praxisschule und drei Tage an der Universität, um Theorie und Praxis eng zu verzahnen und den späteren „Praxisschock“ beim Berufseinstieg abzumildern.
Ein in Kooperation mit der Erfurt School of Education der Universität Erfurt und den beteiligten Fachdidaktiken entwickeltes videobasiertes Lernformat soll die Studierenden bei der fachdidaktischen Reflexion ihrer eigenen Unterrichtserfahrungen unterstützen: Dabei zeichnen sie eigene Unterrichtsstunden auf und analysieren ausgewählte Sequenzen anschließend gemeinsam in ihren Lehrveranstaltungen. „Dieses Format wird als gewinnbringend wahrgenommen, stößt aber an ein zentrales Problem“, erklärt Hannes Seifert. „Aus Datenschutzgründen dürfen die Videos mit realen Schulklassen nur innerhalb der jeweiligen Lehrveranstaltung mit einer kleinen Gruppe von Studierenden angeschaut werden und müssen danach gelöscht werden. Eine nachhaltige, semesterübergreifende Nutzung ist somit nicht möglich, wertvolles didaktisches Material geht verloren. Hier möchte ich ansetzen und in den kommenden zwei Semestern eine dauerhaft nutzbare, datenschutzkonforme Sammlung von Unterrichtssequenzen aus dem Mathematik-Unterricht aufbauen, um die professionelle Handlungskompetenz der Studierenden im dualen Regelschullehramtsstudium systematisch zu fördern.”
Aus bestehenden Unterrichtsvideos sollen dafür geeignete kurze Sequenzen mit hohem didaktischem Potenzial identifiziert und in Prompts abstrahiert und anonymisiert werden. Mittels KI-Videogeneratoren sollen daraus anschließend neue Videovignetten mit simulierten Lehrkräften und Lerngruppen rekonstruiert und schrittweise zu einer Sammlung von Videovignetten zusammengestellt werden, die semesterübergreifend in den Lehrveranstaltungen nutzbar sind. Die Videovignetten zu verschiedenen mathematischen Themen (z. B. zu negativen Zahlen oder Gleichungssystemen) werden dabei jeweils mit passenden Analyseaufträgen verknüpft (z. B. zur kognitiven oder zu Fehlvorstellungen).
„Es sollen dabei bewusst auch offene oder ambivalente Unterrichtssituationen und nicht nur Best-Practice-Beispiele einbezogen werden, um Diskussionen mit den Studierenden über mögliche Handlungsalternativen anzuregen“, sagt Hannes Seifert. „Die KI-generierten Vignetten sollen die reale Videoreflexion nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen und so nachhaltig verfügbar machen, was bisher aus Datenschutzgründen verloren ging.”

