In der zeitgenössischen Forschung spielen die Kerndimensionen von Vielfalt in nahezu allen Fachdisziplinen eine wichtige Rolle: etwa, wenn es um die soziokulturellen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität in den Geistes- und Sozialwissenschaften, das Einbeziehen der körperlichen Voraussetzungen der Nutzer*innen bei der Technikentwicklung oder die individuellen Bedürfnisse unterschiedlicher Altersgruppen in der medizinischen Früherkennung und Versorgung geht. Um diese Themenvielfalt an den Thüringer Hochschulen sichtbar zu machen und Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen zu fördern, hat das Thüringer Kompetenznetzwerk Gleichstellung nun bereits zum achten Mal den Preis „Vielfalt trifft Wissenschaft“ ausgeschrieben. In einem zweistufigen Verfahren wurden aus den 25 Einreichungen von fünf Thüringer Hochschulen jetzt die besten Arbeiten der aktuellen Ausschreibungsrunde von einer wissenschaftlichen Jury ausgewählt. Neben dem mit 1000 Euro dotierten 1. Preis für Lena Engel gingen zwei weitere mit jeweils 500 Euro dotierte Preise an Dr. Carmen Gómez Vega von der Bauhaus-Universität Weimar für die Doktorarbeit „Stitches about our lives in times of pandemic: We go through the fabric and pull on the needle to take care of ourselves“ und an Nadine Held von der Hochschule Nordhausen für ihre Master-Arbeit „Inklusive pädagogische Maßnahmen zur Unterstützung der Partizipation von Mädchen aus dem Autismus-Spektrum in der Adoleszenz“.
Für ihre Master-Arbeit im Studiengang Geschichte und Soziologie/Anthropologie des Vorderen Orients in globaler Perspektive (MESH) hat sich Lena Engel auf die Spur nordafrikanischer Frauen begeben, die in 27 der bisher bekannten 141 Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald Zwangsarbeit leisten mussten. Im Mittelpunkt stehen Taous Merouane, eine in Südfrankreich lebende Kabylin, und Marinette Ahmed, die Tochter eines algerischen Arbeiters in Lyon. Anhand ihrer Biografien erkundete Lena Engel die Schicksale rassifizierter Frauen im Nationalsozialismus und die Spezifika, die sich durch die Intersektionalität von „race“ und „gender“ ergeben. Wer waren diese Frauen? Was sind ihre Geschichten? Welche Rolle spielen Kolonialrassismen, Sexismen und deren Intersektionalität in den Lebensgeschichten der Frauen im kolonisierten Nordafrika, Vichy-Frankreich und Nazideutschland? Auf Grundlage ausführlicher Archivrecherchen in Deutschland und Frankreich sowie unter Anwendung der von der Literaturwissenschaftlerin Saidiya Hartman geprägten Methode der „critical fabulation“ erarbeitete Lena Engel historisch fundierte Hypothesen, um nicht nur Schlaglichter im Leben der beiden Frauen, sondern auch den Wirkweisen von „race“ und „gender“ und deren Intersektionalität in der NS-Zeit zu beschreiben.
Dr. Theresia Piszczan, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Erfurt: „Wir freuen uns sehr, dass nach Antonia Dölle nun mit Lena Engel erneut eine Absolventin der Universität Erfurt für ihre Abschlussarbeit ausgezeichnet wird und gratulieren herzlich zu diesem schönen Erfolg.“

