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„Wir möchten ein Angebot machen, das für alle funktioniert“

Im Rahmen ihres Gesundheitsmanagements (UGM) lädt die Universität Erfurt alle ihre Angehörigen zwischen Ende April und Mitte Mai 2026 zu einer Online-Gesundheitsbefragung ein. Der erste Teil der Befragung richtet sich an Studierende wie Beschäftigte und zielt darauf ab, die Gesundheitsangebote und das UGM, das von der AOK PLUS unterstützt wird, zu evaluieren. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für den Diskussionsprozess und die Fortschreibung des Konzepts der „Gesunden Universität Erfurt“ dienen. Im zweiten Teil, der sich nur an die Beschäftigten richtet, geht es um Fragen zur gesetzlich vorgeschriebenen psychischen Gefährdungsbeurteilung. Dies soll dabei helfen, einschätzen zu können, ob – und, wenn ja welche – Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Situation für die Beschäftigten zu verbessern. Wir haben im Vorfeld mit dem Präsidenten Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg und Christian Schellhardt, dem Kanzler der Universität Erfurt, über die Hintergründe gesprochen…

Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg
Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg

Herr Professor Bauer-Wabnegg, warum braucht es an der Universität Erfurt eine erneute Gesundheitsbefragung?
Walter Bauer-Wabnegg: Die kurze Antwort lautet: Weil uns die Gesundheit unserer Beschäftigten und Studierenden wichtig ist. Etwas ausführlicher: Sie ist aus mehreren Gründen auch ein zentrales strategisches Thema. Hochschulen sind komplexe Arbeitswelten, und die Anforderungen an Mitar-beitende und Studierende haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Wir beobachten deutschlandweit eine Zunahme der Fehltage wegen chronischer und insbesondere psychischer Erkrankungen. Als öffentliche Institution haben wir einen gesetzlichen – und fürsorgenden – Auftrag, die Gesundheit unserer Mitglieder zu schützen. Denn sie ist die Grundlage für gute Lehre, starke Forschung, funktionierende Verwaltung, Innovation, Arbeitgeberattraktivität und langfristige Leistungsfähigkeit.

Was hat die Universität Erfurt denn bislang unternommen, um die Gesundheit ihrer Beschäftigten und Studierenden zu stärken?
Walter Bauer-Wabnegg: Zunächst haben wir mit Unterstützung der AOK PLUS als Gesundheitspartner in den vergangenen sechs Jahren nachhaltige und strategische Strukturen aufgebaut, um die Gesundheit der Hochschulangehörigen zu stärken: Die präventiven Bewegungs- und Achtsamkeitsangebote wurden verstetigt und können jetzt zum Teil aus eigenen Ressourcen bestritten werden. Darüber hinaus gibt es für die Studierenden entsprechende Formate im Studium Fundamentale. Wir haben dafür Räume geschaffen, um auch während der noch nicht abgeschlossenen Sporthallensanierung entsprechende Kurse anzubieten. Ein weiterer Schwerpunkt ist für uns die Stärkung einer gesundheitsbewussten Führungskultur. Dazu zählen Maßnahmen der Führungskräfteberatung wie Coaching und begleitende Programme sowie Workshops und Schulungen, etwa zum Thema „Gesunde (Selbst-)Führung“, „Umgang mit Konflikten“ und „Führung auf Distanz“. Unsere Anstrengungen werden übrigens nicht nur wahrgenommen, sondern auch belohnt: 2025 hat die Universität Erfurt als Arbeitgeberin das „Thüringer Siegel für Gesunde Arbeit“ in Gold bekommen. Darauf können wir, denke ich, durchaus stolz sein.

Und was ist im Bereich der psychischen Gesundheit passiert?
Walter Bauer-Wabnegg: Das Thema war ein weiterer Schwerpunkt des Universitären Gesundheitsmanagements. Wir haben beispielsweise das „Sorgentelefon“ ins Leben gerufen, ein landesweit einzigartiges studentisches Projekt, das inzwischen auch für die Studierenden anderer Hochschulen in Thüringen geöffnet ist. Für Beschäftigte haben wir eine Beratungsmöglichkeit in Stress- und Krisensituationen geschaffen. Wir haben zahlreiche Mental Health First Aid-Ersthelfer*innen geschult und damit ein engmaschiges Netz an Ansprechpersonen an der Universität geknüpft. Darüber hinaus veranstalten wir inzwischen regelmäßig „Mental Health Weeks“ und themenbezogene Gesundheitstage. Unser „Dies Academicus“ wird sich in diesem Jahr am 3. Juni dem Thema „Neurodiversität“ widmen. Und nicht zuletzt haben wir flexible Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle eingeführt und kümmern uns weiterhin intensiv um das Betriebliche Eingliederungsmanagement.

Christian Schellhardt
Christian Schellhardt

Herr Schellhardt, welche konkreten Ziele verfolgt die Universitätsleitung mit der erneuten Gesundheitsbefragung und warum ist es so wichtig, dass möglichst viele Hochschulangehörige daran teilnehmen?
Christian Schellhardt: Wir möchten ein Angebot machen, das für alle Hochschulangehörigen funktioniert, also als hilfreich wahr- und damit auch angenommen wird. Andernfalls müssen wir es anpassen. Die Befragung bietet also allen die Möglichkeit, mitzureden und mitzugestalten. Mal ganz davon abgesehen, möchte ein Förderer sein Geld natürlich auch sinnvoll angelegt wissen. Wenn wir am Bedarf vorbei unterwegs sind, werden wir keine Unterstützung bekommen. Die braucht es aber, um ein so vielfältiges Angebot wie wir es an der Universität Erfurt haben, überhaupt machen zu können. Denn, ganz ehrlich: Ohne diese Förderung könnten wir das in diesem Umfang gar nicht stemmen.

Die letzte Gesundheitsbefragung an der Universität Erfurt liegt fünf Jahre zurück. Im Nachgang wurde teilweise kritisiert, dass aus den Ergebnissen nicht wirkungsvoll gehandelt wurde. Wie stellen Sie denn sicher, dass Ergebnisse diesmal zu spürbaren Veränderungen führen?
Christian Schellhardt: Die Befragung 2021 sollte vor allem die Erfordernisse der psychischen Gefährdungsbeurteilung erfüllen, zu der wir als Arbeitgeber alle fünf Jahre verpflichtet sind. Die Ergebnisse wurden seinerzeit sehr kleinteilig und in den einzelnen Bereichen in unterschiedlicher Qualität ausgewertet. Dort, wo Handlungsbedarf in Form einer „roten Ampel“ offenkundig wurde, haben wir in Team-Workshops mit externer Unterstützung versucht, Verbesserungen zu erzielen. Das werden wir auch diesmal wieder tun. Wir wollen die Ergebnisse aber zusätzlich in Fokusgruppen-Workshops auswerten – vorausgesetzt wir finden genügend interessierte Hochschulangehörige zur Mitwirkung. Die Einladung dafür sei hiermit ausgesprochen. 

Wie sollen denn die Hochschulangehörigen erfahren, was bei der Befragung herausgekommen ist und wie es dann weitergeht – gibt’s dafür schon einen Plan?  
Christian Schellhardt: Die Ergebnisse der Gesundheitsbefragung werden im Juni in einer hochschulöffentlichen Veranstaltung an der Universität von der beauftragten Firma Ramboll vorgestellt und im Intranet auf den Seiten des Gesundheitsmanagements veröffentlicht. Zum Diskussions- und Umsetzungsprozess sind dann alle interessierten Hochschulangehörigen im Verlauf des kommenden Wintersemesters herzlich eingeladen. Neben den schon erwähnten Fokusgruppen-Workshops ist im Herbst auch ein Workshop zur Projektevaluierung geplant. Auf Grundlage der Ergebnisse soll dann das Konzept der „Gesunden Universität Erfurt“ fortgeschrieben werden. An der Universität gibt es seit 2015 eine Steuerungsgruppe zur Gesundheitsförderung, in der alle Akteur*innen bzw. Interessenvertretungen mitarbeiten können. Dort wird dann die Fortschreibung des Konzepts final beraten und beschlossen.

Und welche Rolle spielen die Führungskräfte bei der Befragung bzw. der späteren Umsetzung der Maßnahmen?
Christian Schellhardt: Sie spielen, ebenso wie der Studierendenrat, eine wichtige Rolle, vor dem Hintergrund, dass wir uns wünschen, dass sie in ihrem jeweiligen Bereich intensiv für die Teilnahme an der Befragung werben. Deshalb ist am 22. April eine digitale Führungskräfteschulung geplant. Gesunde Hochschulangehörige sind ja auch ein Zeichen moderner Führung und guter Organisationskultur. Eine erfolgreiche Umsetzung der Befragung und deren Ergebnisse liegt also in unser aller Interesse.

Weitere Informationen / Kontakt:

Jens Panse
Jens Panse
Universitäres Gesundheitsmanagement
(Dezernat 2: Personal)
C02 – Verwaltungsgebäude / Raum C02.01.28
Sprechzeiten
nach Vereinbarung

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