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Neue Veröffentlichung: Was die Lehrkräftebildung von der Pilot*innenausbildung lernen kann

Welche Prinzipien der Pilot*innenausbildung können auch die Lehrkräftebildung weiterbringen? Dieser Frage gehen PD Dr. habil. Benjamin Dreer-Göthe, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Erfurt School of Education an der Universität Erfurt, und Associate Professor Dr. Suzanne Kearns, eine der weltweit führenden Expert*innen für die Ausbildung von Pilot*innen am Waterloo Institute for Sustainable Aeronautics der Universität Waterloo (Kanada) in einer neuen Veröffentlichung nach.

Lern- und Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen hängen in hohem Maße von den Lehrkräften ab, die sie unterrichten. Deshalb ist eine hochwertige Lehrkräftebildung entscheidend. Doch genau hier liegt ein Problem: Nicht immer gelingt es, angehende Lehrkräfte verlässlich auf die Anforderungen des Berufs vorzubereiten. Viele Absolvent*innen fühlen sich beim Berufseinstieg unzureichend vorbereitet – und nicht wenige verlassen den Beruf bereits nach kurzer Zeit. Die neue professionsübergreifende Analyse von Benjamin Dreer-Göthe und Suzanne Kearns schlägt deshalb einen ungewöhnlichen Perspektivwechsel vor: Statt ausschließlich innerhalb der Bildungswissenschaft nach Lösungen zu suchen, lohnt sich aus ihrer Sicht der Blick auf High-Reliability Organizations (HROs) – also Organisationen, die auch unter komplexen und sicherheitskritischen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Am Beispiel der Pilot*innenausbildung zeigen die beiden Autor*innen, welche Prinzipien hochzuverlässiger Ausbildungssysteme Impulse für die Lehrkräftebildung geben können. Fünf solcher Prinzipien haben sie identifiziert:

1. Die richtigen Menschen für den Lehrberuf gewinnen
Pilot*innen müssen genau wie Lehrkräfte bestimmten physischen und psychischen Anforderungen ihres Berufs dauerhaft gerecht werden. Deshalb sollte die Auswahl der angehenden Lehrkräfte die Eignung für den Beruf berücksichtigen.

2. Kompetenzen nachweisen, bevor der nächste Ausbildungsschritt folgt
Ein*e Pilot*in fliegt kein Passagierflugzeug nur weil genügend Ausbildungsstunden vergangen sind. Der nächste Ausbildungsschritt folgt erst nach einem Kompetenznachweis. Dieses Prinzip könnte auch die Lehrkräftebildung stärken.

3. Praxis systematisch aufbauen
Niemand lernt das Fliegen von Beginn an mit Passagieren an Bord. Routineaufgaben sowie schwierige und seltene Situationen werden zuvor wiederholt simuliert und aufbauend trainiert. Auch Lehrkräfte sollten komplexe Unterrichtssituationen schrittweise üben – unterstützt durch strukturierte Simulationen und begleitete Praxiserfahrungen.

4. Umgang mit Unsicherheit trainieren
Pilot*innen werden nicht nur auf Standardprozesse vorbereitet, sondern trainieren auch seltene und kritische Situationen wiederholt im Simulator. Auch angehende Lehrkräfte sollten systematisch darauf vorbereitet werden, in komplexen und unvorhersehbaren Situationen schnell zu handeln, vorhandene Ressourcen zu mobilisieren und die Expertise anderer gezielt einzubeziehen.

5. Feedback häufiger als Prüfungen
Bei Pilot*innen erfüllen Prüfungen und Feedback unterschiedliche Funktionen: Prüfungen dienen dem Kompetenznachweis und entscheiden über den nächsten Ausbildungsschritt. Feedback dient der kontinuierlichen Kompetenzentwicklung. Dieses Prinzip könnte auch die Lehrkräftebildung stärker prägen.

Das Plädoyer der beiden Autor*innen ist es dabei nicht die Pilotenausbildung zu kopieren, die sich in mancherlei Hinsicht grundlegend von der Lehrkräftebildung unterscheidet. Es geht ihnen vielmehr darum, von bewährten Prinzipien zu lernen und damit neue Wege für die Lehrkräftebildung zu eröffnen.

Die vollständige Veröffentlichung ist Open Access unter: https://www.frontiersin.org/journals/education/articles/10.3389/feduc.2026.1847671/full verfügbar.

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