Interview mit Dr. Birgit Jäpelt zum Modellprojekt "Achtsame Hochschule"

Es geht um die Einübung einer achtsamen Haltung im Umgang miteinander!

Es folgen ein paar Ausschnitte aus dem Interview:

"Was genau muss man sich unter dem Begriff vorstellen, Frau Dr. Jäpelt?
Ich gebe zu, dass wir hier einen verwirrenden Projekttitel verwenden, weil eine Hochschule selbst nicht achtsam ist, sie kann zum Thema eine Position erarbeiten. Selbstverständlich wird Achtsamkeit in einer Hochschule durch die agierenden Personen verkörpert. Durch dieses Modellprojekt (2018/2019) ist allerhand in Thüringen angestoßen worden und eine bundesweite Vernetzung gelungen. Es geht um die Einübung einer achtsamen Haltung im Umgang miteinander. Dafür sind im Projekt spezifische Achtsamkeitstrainings für die verschiedenen Personengruppen an Hochschulen entwickelt und evaluiert worden. In Thüringen finden diese Trainings in den Universitäten Jena, Ilmenau, Erfurt und Weimar, sowie an der Hochschule in Nordhausen statt. „Keimzelle des Modellprojekts“ ist die EAH in Jena.
Als überregionale Kooperationsplattform deutschsprachiger Länder wird das Projekt auch nach Ablauf der geförderten Laufzeit fortgesetzt und setzt sich zum Ziel, praxisorientierte Forschung zur Klärung der Frage zu initiieren, welche Effekte die hochschulspezifische Vermittlung der mentalen Meta-Kompetenz Achtsamkeit bewirkt.

Was ist das Ziel dieser Angebote?
Jede*r, der*die eine Praxis der Achtsamkeit im Alltag pflegt, kann erfahren, dass täglich durchgeführte Achtsamkeitsübungen und Meditationen zu einem souveränen Umgang mit stressverschärfenden Gedanken beitragen. Denn dass das Stresslevel an Hochschulen steigt, belegt z.B. eine empirische Untersuchung zum Studierendenstress in Deutschland aus dem Jahr 2016.

Haben Sie für uns eine kleine Achtsamkeitsübung für den Alltag parat – sozusagen als „Einstieg“ in das Thema?
Eine wunderbare Übung ist für mich immer wieder, ausgewählten alltäglichen Verrichtungen im Verlauf des Tages mit Achtsamkeit bzw. nicht wertender Aufmerksamkeit zu begegnen und ganz und gar im Einklang mit dieser Tätigkeit zu sein ohne sich darin zu verlieren. Dabei hilft es den Atem einfach nur zu beobachten, wie er sich selbst atmet. Über den Atem sind wir immer gegenwärtigen Moment.

Eine Meditation von Thich Nhat Hanh geht so:
Einatmend beruhige ich meinen Körper. Ausatmend lächle ich. Einatmend weile ich im gegenwärtigen Augenblick. Ausatmend weiß ich, dass es ein wunderbarer Augenblick ist.

Und ein Zitat von ihm lautet:
Unsere Verabredung mit dem Leben findet immer im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt unserer Verabredung ist genau da, wo wir uns gerade befinden.

Aus diesem Gewahrsein heraus fühlt es sich ganz anders an, Kaffee bzw. Tee zu trinken, im Büro zu sitzen oder über den Campus zu gehen."

 

Verfasser*in/Ansprechpartner*in

Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Inklusive Bildungsprozesse mit Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung
(Erziehungswissenschaftliche Fakultät)
Mitarbeitergebäude 2 / Raum 111a

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