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Prof. Dr. Cornelia Betsch baut Gesundheitskommunikation am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin auf

Die Diplompsychologin und Inhaberin der Heisenberg Professur für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt, Cornelia Betsch, wird ab sofort die Implementationsforschung am größten Forschungsinstitut für globale Infektionen in Deutschland, dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), verstärken.

Prof. Dr. Cornelia Betsch
Prof. Dr. Cornelia Betsch

Die Implementationsforschung am BNITM widmet sich der Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse umgesetzt werden können, um Krankheiten bestmöglich zu bekämpfen. Der neue Forschungszweig des Leibniz-Instituts untersucht diese Fragestellung mit besonderem Blick auf tropische Infektionskrankheiten wie Malaria und Ebola in ressourcenarmen Ländern. Moderne Wege der Gesundheitskommunikation sollen auch in diesen Gegenden dazu beitragen, Infektionskrankheiten effektiver zu bekämpfen und die Gesundheitssysteme nachhaltig zu stärken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) misst der sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Forschung entscheidende Bedeutung für die Bekämpfung und Vorbeugung von Infektionskrankheiten bei. Mit der nun von Cornelia Betsch geleiteten Arbeitsgruppe Gesundheitskommunikation liegt hier ein weiterer Schwerpunkt der Hamburger Forschung. Die Professur wird von der Leibniz-Gemeinschaft im Best Minds Programm gefördert. Betsch wird weiter als Professorin an der Universität Erfurt forschen und lehren – und am BNITM ihre Forschung nun auch auf andere kulturelle Kontexte ausweiten können.

Prof. Jürgen May, neuer Vorstandsvorsitzender des BNITM und Leiter der Abteilung Infektionsepidemiologie, setzt große Hoffnungen in die neue Arbeitsgruppe: „Der Vorstand ist hocherfreut über die Kooperation mit der Universität Erfurt und dem Zugewinn von Cornelia Betsch. Sie und ihr Team werden die Implementationsforschung und den Wissenschaftsstandort Hamburg bereichern.“ „Bei diesen Zusammenhängen auch den globalen Süden mitzudenken, ist für das Verständnis und die Bewältigung dieser umfassenden Herausforderungen zentral“, sagt Prof. Benedikt Kranemann, Vizepräsident für Forschung an der Universität Erfurt. Für die Universität Erfurt sei diese Kooperation ein großer Zugewinn, da sich neue Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit in Forschung und Lehre ergeben.

„Durch die Corona-Krise teilen wir die gemeinsame Erfahrung, wie verwoben unsere Leben sind und wie sehr die öffentliche Gesundheit von jedem Einzelnen abhängt“, sagt Cornelia Betsch. Die Krise lehre uns auch, dass unsere demokratische Struktur und unser politisches Entscheiden eine wissenschaftlich informierte Bevölkerung brauche. Nur dann könne sich die Bevölkerung dialogisch an Gestaltungs- und Bewältigungsmöglichkeiten beteiligen. Dies gilt auch für die planetare Gesundheit. Darunter sind die Gesundheitsfolgen durch den menschlichen Eingriff in die Natur zu verstehen. Deshalb sind die Themen Infektionsschutz und Klimaschutz zentrale und miteinander verbundene Säulen von Prof. Betschs Forschung: „Wir stellen den Menschen in die Mitte unseres Forschungsinteresses und wollen verstehen, was individuelles und soziales Verhalten beeinflusst, um Werkzeuge zu entwickeln, die eine gesunde Zukunft ermöglichen“ – und dafür benötige es eine global vernetzte und interdisziplinäre Forschung.

Hintergrund

Prof. Dr. Cornelia Betsch
Cornelia Betsch hat 2002 an der Universität Heidelberg ihr Diplom in Psychologie erhalten. Sie wurde 2006 im interdisziplinären Sonderforschungsbereich 504 an der Universität Heidelberg zu individuellen Entscheidungsstilen promoviert,habilitierte sich 2013 an der Universität Erfurt und ist seit 2017 dort Heisenberg Professorin für Gesundheitskommunikation. Seit Herbst 2021 leitet sie zusätzlich als Leibniz Best Minds- Professorin die Arbeitsgruppe Gesundheitskommunikation am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Ihre Arbeit widmet sich vorrangig Fragen rund um Planetare Gesundheit – sie betrachtet aus der Perspektive der Psychologie Fragen des Infektionsschutz sowie den Zusammenhang von Gesundheitsschutz und Klimaschutz. Cornelia Betsch hat international wegweisende und viel beachtete Arbeiten zu Impfmüdigkeit, Umgang mit Falschinformationen und Prozessen der Impfentscheidung publiziert. Durch ihre Expertise ist sie in zahlreichen nationalen und internationalen Gesundheitsbehörden als Beraterin und Kooperationspartnerin tätig. Sie hat an der Universität Erfurt den deutschlandweit ersten Masterstudiengang Gesundheitskommunikation federführend ins Leben gerufen und engagiert sich für den akademischen Nachwuchs in diesem Bereich. Ihre zahlreichen Forschungsprojekte werden von unabhängigen Forschungsförderern (DFG, BMBF), Behörden und Gesundheitsorganisationen (RKI, BZgA, WHO) und Stiftungen (Klaus Tschira Stiftung) finanziert. In der Pandemie führte sie mit ihrer Arbeitsgruppe das regelmäßige COVID-19 Snapshot Monitoring COSMO durch, das über die Akzeptanz der Maßnahmen und psychologische Lage der Deutschen Auskunft gab. Die Studie entwickelte sich in Politik und Medien schnell zu einer wichtigen Referenz, um gesellschaftliche Diskussionen und politische Entscheidungen zu begleiten. Cornelia Betsch ist Mitglied der DFG-Kommission für Pandemieforschung und hat an mehreren Stellungnahmen verschiedener Fachgesellschaften mitgearbeitet. Für ihre Arbeit erhält Cornelia Betsch 2021 den Deutschen Psychologie Preis.

Implementationsforschung
Für viele tropische Infektionskrankheiten gibt es bereits Impfstoffe, Medikamente oder andere Möglichkeiten der Bekämpfung. Trotzdem erreichen diese oft nicht die betroffenen Menschen bzw. reduzieren die Zahl von Erkrankungen oder Todesfällen nicht effektiv. Die Gründe für das Versagen von Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen unter realen Bedingungen sind komplex und meist zu wenig verstanden. Diesen Fragen widmet sich eine relativ junge Disziplin, die Implementationsforschung. Sie wird von WHO und Geldgebern als Schlüssel zur Entwicklung und Umsetzung wirksamer Bekämpfungsstrategien angesehen. Je mehr Möglichkeiten es zur Bekämpfung und Prävention armutsbedingter Krankheiten gibt, umso mehr gewinnt diese Forschungsrichtung an Bedeutung.

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)
Das BNITM ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Aktuelle Forschungsschwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Immunologie, Epidemiologie und Klinik tropischer Infektionen sowie die Mechanismen der Übertragung von Viren durch Stechmücken. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Das BNITM umfasst das nationale Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger und das WHO-Kooperationszentrum für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren. Gemeinsam mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt es ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum im westafrikanischen Regenwald, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.