| Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft

Studie zu "Antagonisten" veröffentlicht

Eine Forschungsgruppe aus der Projektstudienphase an der Universität Erfurt präsentiert Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit zu Antagonisten im Mainstream-Kino seit den 1970er Jahren

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Antagonistinnen und Antagonisten im Action-Kino 1972–2019

Als Medienerlebnis bleibt der Kinobesuch nach wie vor einzigartig: Der Unterhaltungswert der großen Leinwand ist ungebrochen und Filme regen außerdem einen intensiven Gesprächsaustausch an. Dabei orientieren sich die Themen und Botschaften immer auch am Zeitgeist – Filmemacher sind bestrebt, gesellschaftliche, politische oder soziale Probleme in ihren Stoffen zu behandeln. Dazu schaffen sie Figuren, die die Zuschauer emotional abholen und sie eine besondere Sympathie oder Antipathie entwickeln lassen. Dafür spielen die Protagonisten und Antagonisten der Handlung eine essenzielle Rolle, nicht zuletzt, wenn es um den wirtschaftlichen Erfolg des Films geht. Speziell zu den Gegenspielern der Filmhelden existieren bislang allerdings wenig bis keine wissenschaftlichen Befunde, weshalb sich eine Studie nun erstmals mit der Untersuchung der filmischen Darstellung des Antagonisten bzw. der Antagonistin in Actionspielfilmen der letzten 50 Jahre beschäftigt.

Entgegen der anfänglichen Erwartungen zeigen die Befunde, dass sich deren Charakterdesign über diese lange Zeit hinweg lediglich geringfügig wandelte: Nach wie vor ist das Rollenfach männlich dominiert und eine signifikante Veränderung der filmischen Darstellung von Antagonisten war im Zeitverlauf nicht festzustellen. Insgesamt verdeutlichen unsere Ergebnisse, dass sich in der filmischen Darstellung von Antagonisten im Zeitraum von 1972 bis 2019 überraschender Weise nur wenig änderte. Zwar könnten diese geringe Wandlungsbereitschaft in der Figurendarstellung auch in einem eher konservativen Actiongenre begründet liegen, das seinen (durchaus erfolgreichen) Handlungskonventionen nicht ohne Not abschwört. Dabei scheint ein gewisser Handlungsbedarf offenkundig: Figuren, besonders auch die Antagonisten, sollten sich stärker am Zeitgeist orientieren, um noch nahbarer für die Zuschauer zu werden und diese noch mehr an das Geschehen zu binden. Und auch für zukünftige figurenanalytische Forschungsarbeiten erscheint es aussichtsreich, sich vermehrt mit Antagonisten auseinanderzusetzen, um so die Faszination des Bösen weiter zu ergründen.

Vollständiger Beitrag veröffentlicht als:
Maximilian Pakusa, Judith Sophie Richter, Marie Radau, Lisa Zirk, Patrick Rössler: „Man stirbt als Held – oder lebt so lange, bis man selbst der Böse wird.“ Antagonisten im Actionkino 1972 bis 2019. In: mediendiskurs 4/2023, S. 49-55; hier online verfügbar.

Ansprechpartner

Inhaber der Professur für Kommunikationswissenschaft mit dem Schwerpunkt Empirische Kommunikationsforschung / Methoden
(Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Lehrgebäude 4 / Raum 212