28. Mai 2022, 19:00 Uhr

Wie über Auschwitz erzählen? Spoken-Word-Performance "Roman eines Schicksallosen" von Imre Kertész

Der „Roman eines Schicksallosen“ spielt in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs. György Köves, das Kind einer jüdischen Familie, ist 14 Jahre alt und wird während des Arbeitsdienstes in Budapest festgenommen und nach Auschwitz deportiert. Der Gaskammer entgeht er nur dadurch, dass er sich als Sechzehnjähriger ausgibt. Nach seiner Ankunft stellt er mit Blick auf die Menschenschlange, die sich vor dem selektierenden Arzt in zwei Gruppen teilt, bewundernd fest: „Alles war in Bewegung, alles funktionierte, jeder war an seinem Platz und machte das Seine, exakt, heiter, wie geschmiert.“

Wie über Auschwitz erzählen? Da es dem ungarischen Literaturnobelpreisträger Imre Kertész nicht gelingt, einen Sinn in dem zu finden, was er seinerzeit selbst erleben musste, lässt er die Wirklichkeit des Lagers aus der kindlich-naiven Sicht seines Protagonisten György Köves erzählen. Selbst die grausamsten Dinge werden von György rationalisiert und gleichsam objektiv betrachtet und erzählt. Damit erzeugt Kertész beim Leser und Zuhörer des „Romans eines Schicksallosen“ noch heute Fassungslosigkeit, Betroffenheit und innere Widerstände, die dazu führen (sollen), das Unvergessliche nicht zu vergessen.

Mitwirkende: Dr. phil. Thomas Schweikert ist Diplom-Pädagoge und Oberstudienrat an der Alice-Salomon-Schule Linz/ Neuwied. Seine Schwerpunkte innerhalb der Pädagogik sind die Bereiche Bildungsphilosophie, Heil- und Theaterpädagogik.
Eva Zöllner ist als international aktive Akkordeonistin auf zeitgenössische Musik spezialisiert. Sie leitet das Konzertformat „Lauschvisite“, mit dem sie 2018 den Westerwälder Kulturpreis gewonnen hat.

„Spoken Word“ bezeichnet ein Genre der Darstellenden Kunst, bei dem ein Text vor Publikum in besonderer Weise vorgetragen wird.

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