Über die Veranstaltung
Tausende jüdische Menschen haben während des NS-Regimes Briefe nach Rom geschrieben und Papst Pius XII. und den Vatikan um Hilfe gebeten. Bis zur Öffnung der entsprechenden Archivbestände des Vatikans im März 2020 waren diese Briefe nicht zugänglich. Der Münsteraner Kirchenhistoriker Prof. Dr. Dr. hc. Hubert Wolf untersucht seit einigen Jahren mit einem Team im Rahmen des Forschungsprojekts „Asking the Pope for Help“ tausende dieser Bittbriefe an den Papst. In einer Akademie-Rede wird Wolf in Erfurt über die Funde und die wissenschaftliche Arbeit daran berichten.
Die Briefe von Jüdinnen und Juden an den Papst lassen u. a. deutlich werden, welche Informationen aus erster Hand in Rom landeten und wie man darauf reagiert hat. Die Studien von Wolf und seinem Team werfen ein besonderes Licht auf die Zeit der Shoah. Sie geben in besonderer Weise Einblick in das Verhältnis des Vatikans zu Nationalsozialismus und Holocaust. Wolf fragt nicht allein, warum der Papst geschwiegen hat, sondern ob er dies überhaupt getan hat und was er über die Shoah wusste. Der Vortrag wird in aktuelle Forschung Einblick geben, die aus über viele Jahrzehnte nicht zugänglichen Akten schöpft.
Hubert Wolf ist Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Er ist Träger des Leibniz Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Darüber hinaus wurde ihm 2004 der Communicator-Preis zugesprochen. Für seine Forschungen zu den Briefen jüdischer Holocaustopfer ist er 2025 in das Langzeitprogramm der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften aufgenommen worden.

