Frank Ettrich war ein charismatischer Hochschullehrer und Kollege, der mit seinem Wissen beeindruckte und sich auch nicht davor scheute, kontroverse Positionen zu vertreten.
Frank Ettrich war ein charismatischer Hochschullehrer und Kollege, der mit seinem Wissen beeindruckte und sich auch nicht davor scheute, kontroverse Positionen zu vertreten.
Ettrich studierte Soziologie und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als wissenschaftlicher Assistent arbeitete er zunächst am Institut für Soziologie an der Humboldt-Universität, im Jahr 1990 wechselte er an den Lehrstuhl Soziologie an der Pädagogischen Hochschule (PH) Erfurt. 30 Jahre lang war Ettrich Inhaber der Professur für Strukturanalyse moderner Gesellschaften an der PH bzw. später der Staatswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Erfurt. Auch international lehrte er, mittels DAAD-Dozenturen an der University of Toronto und mehrfach an der Staatlichen Universität St. Petersburg. Er war Mitbegründer, Chefredakteur und Mitherausgeber des Berliner Journals für Soziologie und ein ausgewiesener Kenner von Transformationsprozessen, Strukturfunktionalismus und Max Weber.
Als stellvertretender Direktor und später auch Direktor der Willy Brandt School of Public Policy an der Universität Erfurt hat Frank Ettrich deren Geschicke entscheidend geprägt und mitgestaltet. In seiner Funktion als Vizepräsident der Universität Erfurt hat er in den mittleren Jahren nach ihrer Wiedergründung wesentlich an der Schwerpunkt- und Strukturbildung der Universität gearbeitet, überdies in der Forschung, der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und in der Internationalisierung gewirkt, klare Ziele gesetzt und die Universität im Wettbewerb der Thüringer Hochschulen um Finanzmittel verteidigt.
Der Präsident der Universität Erfurt, Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg, äußert sich bewegt: „Das gesamte Präsidium ist tief betroffen von diesem plötzlichen Verlust. Kollege Frank Ettrich hat die Universität Erfurt über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt, sowohl in ihren Aufbaujahren nach der Wiedergründung als Universität als auch in den wichtigen mittleren Jahren um 2007, in der sie sich in Thüringen profilschärfend behaupten musste. Mit großer Tatkraft, der ihm eigenen intellektuellen Schärfe und strategischer Weitsicht setzte Professor Ettrich, auch in seiner Rolle als Vizepräsident für Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und internationale Angelegenheiten, in dieser Zeit wichtige Impulse und trug insbesondere zur internationalen Positionierung der Universität bei. Wir verlieren mit ihm einen zielstrebigen Gestalter und Wissenschaftler, der sich stets mit großer Entschlossenheit für sie einsetzte. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“
Mit großer Wertschätzung blickt auch Prof. Dr. Miriam Zschoche, Dekanin der Staatswissenschaftlichen Fakultät, auf sein Wirken: „Mit Frank Ettrich haben wir eine außergewöhnliche Persönlichkeit und einen geschätzten Kollegen verloren, der mit seiner Belesenheit und Klugheit zu beeindrucken wusste. Er hat die Fakultät seit ihrer Gründung maßgeblich beeinflusst und auch über die Fakultät hinaus deutliche Spuren hinterlassen.“
Prof. Dr. Heike Grimm, Vizedirektorin der Willy Brandt School of Public Policy, ergänzt: „Frank Ettrich war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, ein engagierter Förderer fundierter wissenschaftlicher Arbeit und ein inspirierender Wegbegleiter, der die Staatswissenschaftliche Fakultät und die Willy Brandt School of Public Policy auf nachhaltige Weise geprägt und bereichert hat. In seiner Biografie wie in seiner Forschung zu soziologisch vergleichenden Theorien, Transformationsprozessen und sozialem Wandel verkörperte er ein seltenes Verbindungsglied zwischen Ost und West und wirkte zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Durch seine Haltung, Weitsicht und sein beispielhaftes Engagement hinterließ er Spuren, die weit über das Fachliche hinausgehen. Sein Wirken wird unter seinen Studierenden und Kolleg*innen lebendig bleiben. Seiner Familie und seinen Freunden gelten unsere aufrichtige Anteilnahme und unser tiefes Beileid.“
Die Universität Erfurt hat ein virtuelles Kondolenzbuch eingerichtet, in dem Sie gern Ihren persönlichen Eintrag hinterlassen können.