Der Hof Luise Dorotheas und Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg war in der Mitte des 18. Jahrhunderts geprägt von Aufbruch, Geselligkeit und produktiver Auseinandersetzung mit dem Europa der Aufklärung und seinen (medialen) Zentren in Berlin, Göttingen, Leipzig, Paris, London und Amsterdam. Der Gothaer Adels- und Gelehrtenkreis vernetzte sich via Briefkorrespondenzen respektive aktiven Sozietätsmitgliedschaften und partizipierte so über den expandierenden Buch- und Zeitschriftenmarkt an den literarisch-wissenschaftlichen Debatten der Zeit. Diese Kommunikationsprozesse beeinflussten die Sammlungspraxis der beteiligten Akteure insbesondere in ihren bibliophilen Bestrebungen maßgeblich.
Vor dem Hintergrund praxeologischer Ansätze aus dem Bereich der Netzwerkforschung und Wissensgeschichte sowie unter Berücksichtigung von Methoden der Digital Humanities widmet sich der Workshop den Verflechtungen frühneuzeitlicher Institutionen und Medien am und um den Gothaer Hof. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Verflechtungsstrukturen adeliger und gelehrter Akteure und Akteurinnen in den Kommunikationsräumen „Büchersammlung“, „Sozietät“ und „Briefkorrespondenz“ sowie nach den diskursiven Formationen, die diese Räume konstituierten. Untersuchungsgegenstand sind dabei nicht nur die in der Forschungsbibliothek Gotha überlieferten Büchersammlungen der zentralen Protagonisten – Herzogin Luise Dorothea und Herzog Friedrich III. – sowie weiterer gelehrter und fürstlicher Privatbibliotheken, sondern auch Vereinigungen wie Freimaurerlogen oder der gemischtgeschlechtliche Ordre des Hermites de bonne humeur. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem den das Forschungsfeld rahmenden, literarisch aufschlussreichen Briefkorrespondenzen herausragender und mit dem Gothaer Hof verbundener Persönlichkeiten wie Juliane Franziska von Buchwald, Gottfried Christian Freiesleben, Friedrich Wilhelm Gotter, Laurent Angliviel de La Beaumelle oder Voltaire.
Leitfragen des Workshops zielen auf die Rekonstruktion der Akteurskonstellation um das herzogliche Paar: Inwieweit lassen sich Kooperationspraktiken zwischen Friedrich und Luise Dorothea im Bereich der kulturell-wissenschaftlichen Aktivitäten am Hof nachweisen? Lässt sich die der Herzogin zugeschriebene zentrale Position in diesem Bereich verifizieren? Welche Implikationen hatte ihre Rolle für die bisher nur in Ansätzen untersuchten weiblichen Netzwerke des Gothaer Hofs? Wie gestaltete sich das Verhältnis von 'gelehrten' Männern und Frauen zum höfischen Machtzentrum? Ziel des Workshops ist es, die Kommunikations- und Wissensräume am Gothaer Hof in der Mitte des 18. Jahrhunderts weiter in ihrer praxeologischen Dimension herauszuarbeiten.
So findet um 16 Uhr im Vortragssaal des Forschungszentrums Gotha die Präsentation des neu erschienenen Bandes: „Grimm – Gotha – Paris: Eine europäische Konstellation zur Zeit der Aufklärung“, herausgegeben von Claire Gantet, Markus Meumann und Isabella von Treskow, statt.
Um 19 Uhr startet im Spiegelsaal der Forschungsbibliothek eine musikalische Lesung mit Musikerinnen und Musikern u.a. der Thüringen Philharmonie. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Für den Besuch der musikalischen Lesung ist jedoch eine Anmeldung bis zum 3. März unter E-Mail: veranstaltungen.fb@uni-erfurt.de bzw. Tel.: 0361/737-5530 erforderlich.