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Neue Studie: US-Gesundheitsbehörde fördert Impfskepsis

Trotz klarer Belege gegen einen Zusammenhang von Impfungen und Autismus behauptet die US-Gesundheitsbehörde das Gegenteil. Eine Studie unter Beteiligung der Universität Erfurt zeigt die Folgen: Sinkende Impfbereitschaft und wachsendes Misstrauen.

Der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig: Impfungen stehen weder ursächlich noch statistisch mit Autismus in Zusammenhang. Die US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) änderte unter Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. jedoch ihre Kommunikation und betont stattdessen, ein Zusammenhang könne nicht ausgeschlossen werden. Die Folgen dieser veränderten Darstellung hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Wien und mit Beteiligung der Universität Erfurt und der Universität Kopenhagen untersucht. Die Ergebnisse zeigen klar: Die Botschaft der CDC senkt die Impfbereitschaft in der US-Bevölkerung, zudem untergräbt sie das Vertrauen in Gesundheitsbehörden und fördert wissenschaftsskeptische Einstellungen. Die Forschenden fordern eine sorgfältige und evidenzbasierte Kommunikation von Gesundheitsbehörden. Die Studie ist jetzt im Fachjournal Science erschienen, einer der weltweit führenden multidisziplinären Fachzeitschriften über wissenschaftliche Durchbrüche und politische Entwicklungen.

Groß angelegte Online-Studie
Die Kommunikation von Gesundheitsbehörden kann großen Einfluss auf die öffentliche Meinung haben. Im November 2025 änderte die CDC unter Druck der Trump-Regierung auf ihrer Homepage Aussagen zu Impfungen und Autismus und betonte angebliche Unsicherheiten zum aktuellen Forschungsstand. Der zuvor durch die CDC klar vermittelte wissenschaftliche Konsens, dass Impfungen weder ursächlich noch statistisch mit Autismus zusammenhängen, wurde damit stark in Zweifel gezogen. Die Folgen dieser geänderten Kommunikation hat nun ein internationales Forschungsteam aus Wien, Erfurt, Hamburg und Kopenhagen unter Leitung des Psychologen Prof. Dr. Robert Böhm von der Universität Wien untersucht. Von der Universität Erfurt ist Prof. Dr. Cornelia Betsch vom Institute for Planetary Health Behaviour beteiligt.

In einer Online-Studie mit 2.989 Erwachsenen in den USA untersuchten die Forschenden die Wahrnehmung und Auswirkungen dieser veränderten CDC-Kommunikation. Die Teilnehmenden wurden dabei verschiedenen Gruppen zugeteilt und lasen entweder die frühere Version der CDC-Mitteilung (klarer Konsens), die neu eingeführte Version (betonte Unsicherheit) oder keine entsprechende Mitteilung.

Mehr Zweifel, geringere Impfbereitschaft
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Wer die abgeänderte Mitteilung las, schätzte Impfnebenwirkungen als wahrscheinlicher ein, äußerte stärkere Bedenken hinsichtlich der Impfsicherheit und war weniger bereit, sich impfen zu lassen. Die Art der Kommunikation kann, so ein zentrales Ergebnis der Studie, selbst zum Risikofaktor werden. „Es geht nicht darum, wissenschaftliche Unsicherheit grundsätzlich zu verschweigen. Entscheidend ist, dass sie passend zur tatsächlichen Evidenz kommuniziert wird – besonders bei Themen, zu denen es bereits einen breiten wissenschaftlichen Konsens gibt“, sagt Prof. Dr. Cornelia Betsch. Eine sinkende Impfbereitschaft kann zu mehr vermeidbaren Erkrankungen, einer höheren Belastung des Gesundheitssystems und steigenden gesellschaftlichen Kosten führen.

Jenseits der Impfbereitschaft zeigten sich aufgrund der Kommunikationsverschiebung durch die CDC weitere gesellschaftliche Folgen: Das Vertrauen der Studienteilnehmenden in die CDC als offizieller staatlicher Institution verringerte sich, zugleich erhöhte sich die Zustimmung zu typischen Mustern der Wissenschaftsleugnung, also zu Denkweisen, die Desinformation begünstigen, etwa durch selektive Evidenznutzung, unrealistische Beweisforderungen bis hin zu verschwörungsnahem Denken.

Hohe Relevanz für Gesundheitskommunikation
Die Untersuchung zeigt, dass Änderungen in der Gesundheitskommunikation keine bloßen Formalien sind, sondern dass sie reale Auswirkungen auf Vertrauen, Einstellungen und Verhalten haben können. Die Autor*innen empfehlen deshalb, wichtige Änderungen in Gesundheitsbotschaften transparent zu dokumentieren, sorgfältig an der Evidenz auszurichten und – wenn möglich – vorab zu prüfen, wie sie in der Bevölkerung verstanden werden können. Unsicherheit sollte in der Kommunikation stets im Kontext des aktuellen Forschungsstands eingeordnet und mit einer klaren Handlungsempfehlung verbunden werden.

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